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Dieser Artikel: Ausgabe 13/2016 vom 27.03.2016
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Jesus zwischen Tod und Leben

Was geschah an Ostern?


An einem Freitag vor fast 2000 Jahren, wahrscheinlich am 7. April des Jahres 30, wurde in einem aufgelassenen Steinbruch vor den Toren Jerusalems der Jude Jesus aus Nazareth als politisch-messianischer Aufrührer exekutiert. Seine Verhaftung und sein Ende am Kreuz waren auch das Ende der Jesusbewegung. Zunächst.

Mit dem Prozess gegen Jesus fand ein Konflikt seine Zuspitzung, der bereits drei Jahre zuvor in Galiläa begonnen hatte. Schon mit seinem ersten öffentlichen Auftreten hatte sich Jesus Feinde gemacht (Markus 3, 6), die ihn umbringen wollten. Er war beim Volk beliebt, aber von führenden Vertretern der religiösen Institutionen gehasst.

Jesu Einzug in Jerusalem: Fresko von Hippolyte Flandrin (1809-1864) in St. Germain-des-Prés, Paris.
Foto: PD
   Jesu Einzug in Jerusalem, Fresko von Hippolyte Flandrin (1809-1864) in St. Germain-des-Prés, Paris.

Einzug in Jerusalem

Jesus besucht in Jerusalem das Passahfest und reitet auf einem Esel in die Stadt ein. Damit protestiert er gegen die Militärmacht der Römer, die zu jedem Fest mit Kohorten in Jerusalem einritten, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Die Menge feiert ihn als messianischen König: »Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt!« Palmzweige sind ein antikes Triumphsymbol, mit dem die Juden ihre Siege über Nichtjuden feierten. Jesus hatte offenbar messianische Hoffnungen der Landbevölkerung geweckt, etwa indem er den Armen den Landbesitz zusagte (Matthäus 5, 3). Der Einzug bedeutete eine Konfrontation mit den Machteliten der Sadduzäer und Römer.

        

        

Jesus vertreibt die Händler aus dem Tempel (Cacciata dei mercanti dal Tempio), Bernardino Mei (1612-1676), Getty Museum, Los Angeles.
Foto: PD
   Jesus vertreibt die Händler aus dem Tempel (Cacciata dei mercanti dal Tempio), Bernardino Mei (1612-1676), Getty Museum, Los Angeles.

Die Tempelreinigung

Jesus vertreibt Händler und Geldwechsler aus dem Tempelvorhof und greift damit demonstrativ den Tempelkult an. Die Priesterkaste sah ihre wichtigste Einnahmequelle bedroht. Der Tempel war zudem der einzige von den Römern unabhängige Bereich. Die Tempelaktion war wohl deshalb der äußere Anlass für den Prozess gegen Jesus.

        

        

Das letzte Abendmahl von Leonardo da Vinci (1452-1519), Fresko in der Kirche Santa Maria delle Grazie, Mailand.
Foto: PD
   Das letzte Abendmahl von Leonardo da Vinci (1452-1519), Fresko in der Kirche Santa Maria delle Grazie, Mailand.

Das letzte Mahl

Jesus feiert mit seinen Jüngern das jüdische Sedermahl am Vorabend des Passahfests. Er ahnt, dass er sterben wird.

        

        

Die Verhaftung Christi (Der Judaskuss), Fresko von Giotto di Bondone (1266-1337), in der Capella degli Scrovegni, Padua (1304-1306).
Foto: PD
   Die Verhaftung Christi (Der Judaskuss), Fresko von Giotto di Bondone (1266-1337), in der Capella degli Scrovegni, Padua (1304-1306).

Verrat und Verhaftung

Die Verhaftung sollte ohne öffentlichen Aufruhr geschehen. Dass einer aus dem Kreis der Jünger Jesu dabei seine Hilfe anbot, musste der religiösen Führung willkommen sein. In der Nacht auf Freitag wird Jesus also in Gethsemane, einem Gartengrundstück in der Gegend des Ölbergs, von einem Polizeikommando des Hohen Rats festgenommen. Die Jünger sind offensichtlich überrascht, sie fliehen und lassen Jesus allein.

        

        

»Ecce Homo« - anonymer Künstler der portugiesischen Schule aus dem 15. Jahrhunderts, Museu Nacional de Arte Antiga, Lissabon.
Foto: PD
   »Ecce Homo« - anonymer Künstler der portugiesischen Schule aus dem 15. Jahrhunderts, Museu Nacional de Arte Antiga, Lissabon.

Vor dem Hohen Rat

Über das Kidrontal wird Jesus in die Stadt geführt. Im Haus des Hohepriesters kommt der Hohe Rat zu einer Nachtsitzung zusammen, um über Jesus zu verhandeln (Markus 14, 53). Man hat es nun eilig, denn mit dem Morgengrauen beginnt das Passahfest, kein Tag für eine jüdische Gerichtssitzung. Aber ein gut gewählter Termin für eine Hinrichtung. Der Volksauflauf am Passahfest passte ins Kalkül der Feinde Jesu. Die religiösen Institutionen konnten so allen Sympathisanten Jesu zeigen, dass hier kein Messias am Kreuz hängt, sondern ein religiöser Schwindler. Und die Römer konnten der Menge vorführen, dass sich auch gewaltfreies Aufrührertum nicht lohnt.

        

        

Christus vor Kaiphas, dem venezianischen Maler Giovanni Segala (1663-1720) zugeschrieben, Galleria dell'Accademia, Venedig.
Foto: PD
   Christus vor Kaiphas, dem venezianischen Maler Giovanni Segala (1663-1720) zugeschrieben, Galleria dell'Accademia, Venedig.

Vor Kaiphas

Der Vorwurf gegen Jesus lautet »Verführung des Volkes«, gemeint war das Vorgehen im Tempel. Doch die Verhandlung gerät ins Stocken, als sich die Belastungszeugen widersprechen (Markus 14, 55f). Erst jetzt wird Jesus dem Hohen Rat vorgeführt. Er schweigt und antwortet auch nicht auf Fragen. Chefankläger Kaiphas scheint nun in Beweisnot zu geraten und entschließt sich zu einem äußersten Schritt. Er fragt Jesus: »Bist du der Messias?« Jesus bejaht - und kündigt dem Hohen Rat das Gericht an. Mit dem prophetischen Drohwort zwingt Jesus seinen Ankläger in die Entscheidung. Kaiphas zerreißt daraufhin sein Gewand - wie es das Gesetz dem vorschreibt, der Zeuge einer Gotteslästerung wird. Das Todesurteil gegen Jesus ist nun nur noch Formsache. Eine peinliche und für eine oberste Gerichtsbehörde kaum glaubhafte Szene, was nun passiert: Einige Mitglieder des Hohen Rats spucken Jesus an, verbinden ihm die Augen, schlagen ihm ins Gesicht und verhöhnen ihn.

        

        

Pilatus zeigt Christus dem Volk, Quentin Massys (1466-1530), Museo del Prado, Madrid.
Foto: PD
   Pilatus zeigt Christus dem Volk, Quentin Massys (1466-1530), Museo del Prado, Madrid.

Vor Pilatus

Im Morgengrauen wird Jesus gefesselt und mit dem Schuldspruch zum römischen Statthalter Pilatus geführt, der in Israel allein für Todesurteile zuständig ist. Wegen Gotteslästerung hätte Pilatus Jesus nicht verurteilt, er wird vom Hohen Rat nun also wegen seines Messiasbekenntnisses übergeben, Jesus damit zum politischen Aufrührer gemacht. Pilatus aber stuft Jesus nicht als bedrohlich ein - er sieht den Konflikt als innerjüdische Angelegenheit. Warum spricht Pilatus dann doch Jesus schuldig? Wohl aus taktischen Gründen, weil er ihn bei der jährlichen Amnestie an Passah anstelle des Terroristen Barabbas freilassen will. Doch Pilatus hat nicht mit dem aufgewiegelten Volk gerechnet. Vor seinem Amtssitz ruft die Menge »Kreuzige ihn!«. Pilatus hatte durch sein Taktieren den Fall Jesus selbst von der richterlichen auf die politische Ebene geschoben. Er ist nun nicht mehr Herr der Lage. Er verurteilt Jesus zum Tode, wahrscheinlich mit den Worten Ibis in crucem - »Du wirst zum Kreuze gehen«. Der Fall Jesus von Nazareth ist ein Justizmord.

        

        

Christus am Kreuz, Diego Velázquez (1599-1660) um 1632, Museo del Prado, Madrid.
Foto: PD
   Christus am Kreuz, Diego Velázquez (1599-1660) um 1632, Museo del Prado, Madrid.

Die Kreuzigung

Das Exekutionskommando kommt noch am Vormittag auf Golgatha an. Gegen neun Uhr wird Jesus ans Kreuz geschlagen. Um drei Uhr nachmittags betet Jesus den 22. Psalm, wenig später stirbt er. Im Johannesevangelium wird erzählt, dass den beiden neben Jesus Gekreuzigten die Beine zerschlagen werden. Jesus war zu diesem Zeitpunkt bereits tot, vermutlich wegen des starken Blutverlusts bei der Geißelung.

        

Ganz Mensch, ganz tot: Hans Holbein d. J. (1497/1498-1543), Der tote Christus im Grabe (1521/22), Kunstmuseum Basel.
Foto: PD
   Ganz Mensch, ganz tot: Hans Holbein d. J. (1497/1498-1543), Der tote Christus im Grabe (1521/22), Kunstmuseum Basel.

Der langsame Tod war erwünscht. In den meisten Fällen starben Gekreuzigte an Kreislaufversagen. Ein Gekreuzigter hing - sobald er keine Kraft mehr hatte - mit seinem vollen Körpergewicht in den Armen, die Folge waren Durchblutungsstörungen und Atemnot. Der Delinquent richtete sich also wieder auf, wodurch die Fußwunden belastet wurden. Sobald er vor Erschöpfung erneut zusammensank, wurde wieder der Atem flacher. Wollte man den Tod beschleunigen, zerschlug man die Beinknochen, die Folge war dann Kreislaufversagen.

        

        

Die Auferstehung
Foto: worldmissionmagazine.com

Die Auferstehung

Die Bibel berichtet von überwältigenden Erfahrungen mit dem Auferstandenen. Interessant ist, dass Jesus nicht von Menschen gesehen wird, die schon glauben, sondern von denen, die sich von ihm abgewendet hatten. Ohne die Begegnung mit dem Auferstandenen hätten sie sicher keine Gemeinde gegründet. Die Passionsgeschichte lehrt: Jesus hat den Tod gefürchtet, aber er ging ihm nicht aus dem Weg. Die österliche Botschaft des Christentums ist: Der Gekreuzigte hat den Tod überwunden, Christus ist auferstanden.

OSTERN

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abgerufen 25.06.2016 - 23:14 Uhr

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