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Dieser Artikel: Ausgabe 13/2016 vom 27.03.2016
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Der gerechtfertigte Judas

Nur die dunkelste Gestalt der Passionsgeschichte zeigte Reue

Kommentar von Rolf Wischnath

Christian Klar gehörte zur Rote-Armee-Fraktion (RAF), einer Terrorbande. Er wurde 1985 wegen neunfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach 25 Jahren konnte er freigelassen werden. Nun arbeitet er »im Herzen des ›Schweinesytems‹«, wie die RAF den Bundestag nannte, für einen Bundestagsabgeordneten.

Und die Leute sagen: »Wie soll das gehen? Wenn er doch wenigstens Reue gezeigt hätte!« Er selbst hat vor einiger Zeit auf die Frage nach seiner Reue gesagt, dies sei in dem »politischen Raum«, in dem er sich bewege, »kein Begriff«.

Was ist »Reue«? Ein Vorbild echter, ungeheuchelter Reue findet sich in der Leidensgeschichte Jesu. Und zwar bei jemandem, von dem wir es nicht erwartet hätten: bei Judas dem Verräter.

Im Matthäusevangelium lesen wir davon: »Als Judas, der ihn verraten hatte, sah, dass er zum Tode verurteilt war, reute es ihn, und er brachte die 30 Silberstücke den Hohenpriestern und Ältesten zurück und sagte: Ich habe gesündigt, unschuldiges Blut habe ich ausgeliefert. Sie aber sprachen: Was geht das uns an? Da sieh du zu! Und Judas warf die Silberstücke in den Tempel, ging fort und erhängte sich.« ( Matthäus 27, 3-8)

Der Lichtblick in dieser grausamen Geschichte: Judas ist der einzige Beteiligte an diesem Justizmord, der erkennt, dass Jesus Unrecht geschieht. Und er ist der Einzige, der diese Schuld einsieht und öffentlich bekennt.

Er bereut. Von keinem sonst wird das gesagt. Die Jünger fliehen. Petrus ist feige - und heult ein bisschen. Pilatus waltet seines Amtes genauso wie die Hohenpriester. Das Volk gafft und schreit. Nur von Judas heißt es: Es reute ihn.

Und seine Reue bleibt nicht folgenlos. Er steht ein für das, was er getan hat. Die »30 Silberlinge« - seinen Verräterlohn - wirft er hin und benennt das Verbrechen, wie es kein Richter schärfer benennen könnte: »Ich habe unschuldiges Blut verraten.«

Damit spricht er, der Verräter, als Einziger die Wahrheit im Prozess aus: »Jesus ist unschuldig.« Und dann vollzieht er an sich selbst das Urteil, das nach jüdischem Recht über den zu verhängen ist, der eine falsche Anklage erhoben hat: Er erhängt sich selbst. Denn falsche Ankläger sollen mit derselben Strafe bestraft werden, die sie über den bringen wollten, den sie falsch angeschuldigt haben. Und das Kreuz der Römer war nichts anderes als ein Galgen.

Der Selbstmord des Judas geschieht nicht aus Feigheit oder weil er seinen Richtern entgehen will - Judas stirbt in Reue - nach dem jüdischen Gesetz, das er an sich selbst vollstreckt. Er weiß nicht, dass an diesem Tag ein anderer für ihn und seine Schuld sterben wird: der auch für die Schuld des Judas gekreuzigte Jesus.

Judas kann es nicht verhindern, dass Jesus auch für ihn - den Jünger Judas - stirbt. Ich glaube: So ist auch Judas gerechtfertigt und nicht in Ewigkeit verloren. Und wenn Judas in Ewigkeit vor Gott nicht verloren ist, wen dürften wir dann heute in unserer Lebenszeit verloren geben?

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abgerufen 24.07.2016 - 12:36 Uhr

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