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Sonntagsblatt 13/ vom

ZEITZEICHEN


Der Bürgermeister von Unna ist nicht zu beneiden. Denn ihn müssen doch vor jeder Bürgerversammlung Panikattacken packen: »Liebe Unnaerinnen und Unnaer ...« - Ja, versuchen Sie mal, das laut auszusprechen! Wie sollen menschlicher Gaumen und Lippen so etwas artikulieren? Das ist wie Werbung für den Logopäden. Aber vielleicht hat der Bürgermeister ja Tricks in petto wie »liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger ...«.

Ortsnamen und Ursprungsbezeichnungen sind Fallgruben. Einen Bewohner der Stadt Hamm sollte man nicht »Hammer« nennen; er bevorzugt »Hammenser«. Das ist auch bei den »Hallensern« der Fall - wenn man sich in Halle/Saale aufhält. In Halle/Westfalen dagegen heißt es »Haller«. Und Bewohner der Stadt »Bünde« heißen nicht »Bündener«, sondern »Bünder«. Das andere nämlich sind die Menschen aus dem Schweizer Kanton (Grau-)Bünden.

Einfach ist das alles nicht. In Münster wohnen »Münsteraner«, okay. Aber in Recklinghausen? Da sind es »Recklinghäuser«. In Oberhausen aber »Oberhauser«. Wer tief in den Erinnerungen an den Konfi-Unterricht gräbt, erinnert sich eventuell noch, dass Jesus von Nazareth nicht »Nazarether« genannt wurde, sondern »Nazarener«.

Wo wir gerade dabei sind: Wir nennen uns Christen. Das kommt von Jesus Christus. Wenn über das »christliche Menschenbild« schwadroniert wird - wäre es nicht schlecht, mal nachzulesen: Was hat dieser Christus eigentlich gesagt und getan? Manch einer hätte dann womöglich ein ähnliches Problem, das »christliche Abendland« für seine politischen Ideen zu vereinnahmen. Und würde es vielleicht lieber sein lassen - so wie es der Bürgermeister von Unna meidet, von »Unnaerinnen und Unnaern« zu sprechen.

hoe