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Dieser Artikel: Ausgabe 13/2016 vom 27.03.2016
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Die »Heilige der Gosse«

Ikone der Nächstenliebe: Ordensfrau Mutter Teresa wird heiliggesprochen


Als Armen-Nonne in den Slums von Kalkutta wurde sie bekannt. Zu Zeiten, als Lepra-Kranke auf der Straße starben, gründete Mutter Teresa Hospize. Sie erhielt viel Anerkennung, aber auch Kritik. Nun soll die Ordensfrau in diesem Herbst heiliggesprochen werden

Die kleine, unscheinbare Nonne in ihrem weiß-blauen Ordensgewand war so etwas wie ein Popstar der Wohltäter.
Foto: Ulrich Baumgarten/pa
   Die kleine, unscheinbare Nonne in ihrem weiß-blauen Ordensgewand war so etwas wie ein Popstar der Wohltäter.

        

Schon zu Lebzeiten galt Mutter Teresa als Heilige. Die kleine, unscheinbare Nonne in ihrem weiß-blauen Ordensgewand war so etwas wie ein Popstar der Wohltäter. Sie empfing Prinzessin Diana in ihrem Sterbehospiz im ostindischen Kalkutta, traf den irischen Musiker Bob Geldof und wurde von US-Präsident Ronald Reagan im Weißen Haus empfangen.

Als sie 1979 für ihre »Arbeit zur Bekämpfung von Armut und Elend« mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, sagte sie das feierliche Bankett zu ihren Ehren ab, um das Geld für ihre Stiftung zu verwenden. »Sie ist die Vereinten Nationen. Sie ist Frieden in der Welt«, sagte der frühere UN-Generalsekretär Javier Pérez de Cuéllar über sie.

Anfang September soll Mutter Teresa, die am 5. September 1997 an einem Herzleiden verstarb, nun offiziell in den Heiligenkanon der katholischen Kirche aufgenommen werden. Das komplizierte Verfahren wurde in Rekordzeit absolviert.

Mutter Teresa wurde am 26. August 1910 als Agnes Gonxha Bojaxhiu in Skopje, heute Hauptstadt von Mazedonien, geboren - damals noch Teil des ottomanischen Reichs. Sie war das jüngste Kind des albanischen Händlers Nikola und dessen Frau Drane. Ihr Vater starb, als sie acht Jahre alt war. Mit 18 verließ sie ihre Familie, um sich den Schwestern von Loreto im Kloster Rathfarmhan in Irland südlich von Dublin anzuschließen. Dort erhielt sie ihren Ordensnamen Teresa.

Ein schlichtes Mädchen

Schon als junges Mädchen soll sie den Wunsch gehabt haben, im südasiatischen Bengalen, das damals noch Teil des britischen Kolonialreichs war, zu arbeiten. Sie kam 1929 nach Indien und war 17 Jahre als Lehrerin in einer christlichen Schule in Kalkutta tätig. Nichts deutete damals auf ihren Werdegang als Ikone der Nächstenliebe hin.

Eine Ordensschwester erinnerte sich später an ein »schlichtes, normales Mädchen« ohne herausragende Eigenschaften. Doch im Alter von 38 Jahren vollzog Mutter Teresa einen drastischen Schnitt: Sie ließ sich aus der strengen Ordensklausur entlassen, um allein auf sich gestellt den Armen und Obdachlosen Kalkuttas zu helfen. 1950 gründete sie die Gemeinschaft der »Missionarinnen der Nächstenliebe«.

Gekleidet in einen einfachen indischen Sari ähnelte die Nonne mehr den armen Stadtreinigerinnen, die mit dem Besen die Straßen fegten, als einer katholischen Ordensschwester. Kalkutta war damals durch die indisch-pakistanische Teilung und die große Hungersnot in Bengalen einige Jahre zuvor gezeichnet. Hunderttausende Arme lebten ohne Obdach in den dreckigen Straßen, ohne nennenswerte staatliche Versorgung.

Ansteckende Krankheiten wie Lepra oder Polio waren epidemisch, es gab kaum genug Essen für die vielen Bedürftigen. Als sich ein staatliches Krankenhaus weigerte, einen sterbenden Mann aufzunehmen, campierte Mutter Teresa aus Protest vor dem Tor des Hospitals. Wenig später erbettelte sie von der Stadtverwaltung von Kalkutta eine Pilgerunterkunft am Kali-Tempel, die sie in ein Hospiz für Sterbende umwandelte, um ihnen ein würdiges Ende zu ermöglichen.

Kritik entzündete sich an der schlichten Einrichtung ihrer Hospize und Kranken-Stationen, ohne technische Geräte und mit minimaler medizinischer Versorgung. Auch rissen Gerüchte nicht ab, die Ordensschwestern konvertierten Kranke auf dem Sterbebett, was Mutter Teresa heftig dementierte. Es gab zudem wenig Transparenz, wie der Orden die Spendengelder verwendete, die seit den 1980er-Jahren in Millionenhöhe flossen.

Auch dass sie Verhütung und Schwangerschaftsabbrüche strikt ablehnte, brachte ihr Gegenstimmen ein. In ihrer Nobelpreisrede geißelte die berühmte Nonne Abtreibung als »direkten Mord« und als »größten Zerstörer des Friedens«.

Der von Mutter Teresa gepflegte Mythos als Helferin der Armen begann damals die Dimensionen ihres wirklichen Werks zu überschatten. Selbst ihre Mitstreiterinnen im Glauben, wie die katholische Lepra-Ärztin Ruth Pfau, hielten ihr vor, sich zu wenig mit den Ursachen von Armut und Krankheit zu beschäftigen. Heute hat der Orden von Mutter Teresa um die 4000 Schwestern und ist in über 130 Ländern tätig.

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Agnes Tandler

 


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abgerufen 26.09.2016 - 20:58 Uhr

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