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Dieser Artikel: Ausgabe 13/2016 vom 27.03.2016
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Gespräch in der Nacht

Personen der Bibel (64): Nikodemus - Mann der Jerusalemer Upperclass


Ein Mann der Jerusalemer Upper Class schleicht sich nachts zu Jesus und will wissen, was es auf sich hat mit dem Reich Gottes. Nikodemus gilt als um Erkenntnis bemühter Pharisäer, der Jesu Worte zwar nicht ganz versteht, aber trotzdem zu ihm hält. Das nächtliche Gespräch der beiden gilt bis heute als intensiver Dialog über den Glauben.

Henry Ossawa Tanner: Nikodemus kommt zu Christus, 1927.
Foto: PD
   Henry Ossawa Tanner: Nikodemus kommt zu Christus, 1927.

        

Nikodemus gehörte der Gruppe der Pharisäer an, jener um Treue zum mosaischen Gesetz bemühten jüdischen Gruppierung. Und er war einer »von den Oberen der Juden«, Mitglied des Hohen Rates. Als solcher konnte er sich unmöglich öffentlich mit Jesus zeigen - dem, der kurz zuvor am Passahfest im Jerusalemer Tempel Aufsehen erregt hatte, indem er Händler und Wechsel aus dem Hof trieb ( Johannes 2, 13-25).

Aber er wollte diesen Mann aus Nazareth, über den so viel geredet wurde, unbedingt treffen. Also schlich er sich nachts zu Jesus und bekannte: »Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.«

»Zeichen«? Damit kann er eigentlich nur die wundersame Verwandlung von Wasser in Wein meinen, die Jesus während einer Hochzeitsfeier in Kana kurz zuvor vollbracht hatte ( Johannes 2, 1-12). Jesus antwortete Nikodemus geheimnisvoll: Nur wer »von Neuem geboren« werde, könne das Reich Gottes sehen. Nikodemus stutzte. Was erzählte dieser Wanderprediger da - »von Neuem geboren«?

Wie soll das gehen, »kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?« Nein, so körperlich meine er es nicht, sagt Jesus, »aus Wasser und Geist geboren«, denn »was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist«.

Für Nikodemus klang das immer noch rätselhaft. Jesus merkte das: »Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von Neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.«

»Wie kann dies geschehen?«, fragt Nikodemus und holt sich von Jesus einen fast hämischen Kommentar ab: »Bist du Israels Lehrer und weißt das nicht?« Und dann folgt eine kleine Standpauke, in der Jesus seinen Unmut gegenüber jenen äußert, die seine Verkündigung des Reiches Gottes nicht annehmen. »Ihr nehmt unser Zeugnis nicht an … Und niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn.« Der Menschensohn müsse erhöht werden, »damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben«.

Wie eine Vorhersage seiner eigenen Passion klingen die Worte, die der Evangelist Johannes Jesus in den Mund legt: »Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.«

Lange wird im Johannesevangelium von Nikodemus nichts berichtet - einmal nimmt er Jesus vor den Pharisäern in Schutz. Als die sich über Jesus ereifern, sagt er: »Richtet denn unser Gesetz einen Menschen, ehe man ihn verhört und erkannt hat, was er tut?« Seine Glaubensgenossen vermuten, dass Nikodemus eine Verbindung zu Jesus hat: »Bist du auch ein Galiläer? Forsche und sieh: Aus Galiläa steht kein Prophet auf.« ( Johannes 7, 50-52)

Ein weiteres Mal tritt Nikodemus in Erscheinung, wieder nachts: Als Jesu Leichnam vom Kreuz genommen wird, bringt er »Myrrhe gemischt mit Aloe, etwa hundert Pfund«. Gemeinsam mit Josef aus Arimathäa salbte er den Körper für die Bestattung und legte ihn ins Grab. ( Johannes 7, 38-42)

NIKODEMUS

  NAME: griech. »Sieger aus dem Volk«

  BERUF: Mitglied des jüdischen Hohen Rats in Jerusalem

  HERKUNFT: Der Legende nach ist Nikodemus der Neffe des Pharisäers Gamaliel, bei dem Paulus in die Thora eingewiesen wurde. ( Apostelgeschichte 22, 3)

  ZEIT: um 30

  WICHTIGE BIBELSTELLEN:   Johannes 3, 1-12;  7, 50-52;  19, 39

  ZITAT: »Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.« ( Johannes 3, 5a)

THEOLOGISCHES STICHWORT

GEISTTAUFE: In der Kirchengeschichte beziehen sich Erweckungsbewegungen gerne auf Jesu Worte aus dem Gespräch mit Nikodemus. Sie folgern daraus, dass der Prozess des Christwerdens wie eine Wiedergeburt sei, die dann von einer »Taufe im Geist« besiegelt werde. Nach lutherischer Auffassung hingegen wird der Geist auch bei der Kindertaufe wirksam und auch ohne die bewusste Entscheidung des Täuflings zum Glauben.

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Uwe Birnstein

 


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abgerufen 30.07.2016 - 20:45 Uhr

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