Home Artikel-ID: 2016_13_muc_13_01
Diese Woche - die aktuelle Ausgabe
Themen
E-Paper: Sonntagsblatt digital
Jetzt im Sonntagsblatt-Shop bestellen!
Archiv
Die Redaktion
Abo-Service
Anzeigen-Service
Leserreisen
Leserbriefe
Impressum



    
Heute: 29.05.2016
Aktuelle Ausgabe: 21 vom 22.05.2016
Dieser Artikel: Ausgabe 13/2016 vom 27.03.2016
Alle Artikel der » Ausgabe 13/2016 im Archiv aufrufen.
  Druckversion


Stadt, Land, Kirche

In Sichtweite der Großstadt München beackert Grafrath typische Fragen einer Landgemeinde


Wenn sich die Landessynode bei ihrer Frühjahrstagung Ende April in Ansbach mit den Herausforderungen von »Kirche im ländlichen Raum« beschäftigt, wird sie eher an Westmittelfranken oder Südostbayern denken als ausgerechnet an das Dekanat Fürstenfeldbruck im Speckgürtel Münchens. Doch genau hier ringt die Gemeinde Grafrath darum, wie sie künftig Kirche sein kann - für 3000 Evangelische, die sich ziemlich gleichmäßig auf 26 Dörfer und 160 Quadratkilometer verteilen.

Markenzeichen Bauwagen: Im Sommer rollt das lila Gottesdienst-Gefährt von Dorf zu Dorf - ein Kirchenerlebnis vor Ort für alle Evangelischen im Gemeindegebiet Grafrath.
Foto: Dittmar
   Markenzeichen Bauwagen: Im Sommer rollt das lila Gottesdienst-Gefährt von Dorf zu Dorf - ein Kirchenerlebnis vor Ort für alle Evangelischen im Gemeindegebiet Grafrath.

        

Früher war alles einfacher: Seit die Gemeinde Grafrath 1987 von Fürstenfeldbruck selbstständig wurde, konzentrierte sich das Gemeindeleben auf die Michaelkirche in Grafrath - mit wöchentlichem Sonntagsgottesdienst und festlicher Kirchenmusik. Doch schon vor knapp zehn Jahren schrieb der damalige Kirchenvorstand den neuen Pfarrern Christian und Ulrike Dittmar ins Pflichtenheft, die anderen Orte stärker in den Blick zu nehmen: Geltendorf, Türkenfeld und Mammendorf als Gottesdienststationen, aber auch Dörfer wie Moorenweis, Jesenwang, Oberschweinbach und Adelshofen.

Also erfanden die Dittmars zusammen mit ihrer Mammendorfer Kollegin Sabine Huber 2012 die Bauwagengottesdienste und tingelten im Sommer damit von Ort zu Ort; sie feierten Gottesdienste in katholischen Kirchen und in der Geltendorfer Schulaula, damit auch Gemeindeglieder am Rand mal Kirche vor Ort erleben konnten. 2015 schließlich beschloss der Kirchenvorstand mit dem Konzept »Evangelisch vor Ort«, Grafrath nicht länger als Zentrum der Gemeinde zu betrachten, sondern die Kräfte der Mitarbeiter gleichmäßiger auf die Fläche zu verteilen - als Projekt für ein Jahr.

Seither stellt Christian Dittmar Aufbruchsstimmung in den Dörfern und Verluststimmung im alten Zentrum Grafrath fest. Die einen freuen sich, dass sie nun alle 14 Tage einen Gottesdienst vor Ort feiern können, manche anderen beklagen den Zwei-Wochen-Rhythmus als Verlust des geistlichen Zentrums in der Michaelkirche. Manche tun sich beflügelt zu Taizé- oder Hauskreisen zusammen, nicht wenige ziehen aus ihrem Verlust Energie für neue Projekte wie den Kirchenkaffee nach jedem Grafrather Gottesdienst oder die musikalische Abendandacht an den gottesdienstfreien Sonntagen. Andere wenden sich enttäuscht ab.

Bei einer Gemeindeversammlung Mitte März waren alle zu einer Zwischenbilanz für das Probejahr eingeladen. »Es war sehr emotional, alle wollten zu Wort kommen, es gab auch viel Ärger und Wut«, fasst Pfarrer Dittmar zusammen. Ärger auf den Kirchenvorstand, der das Gemeindeleben in Grafrath kaputt mache, aber auch Ärger auf jene, die sich auf das alte Recht des wöchentlichen Sonntagsgottesdiensts berufen und dabei jene düpieren, die dieses Privileg noch nie genossen haben.

Objektiv aus dem Unmut heraushelfen könnte die Statistik. Der Besuch pro Gottesdienst hat seit der Reform zugenommen: um 6 Prozent in Geltendorf, sogar um 35 Prozent in Grafrath. Das Kirchgeld hat von 2014 auf 2015 um gut 1000 Euro zugelegt. Das Angebot der Gemeinde ist vielfältiger geworden. Von einem Niedergang kann mit Blick auf die Gesamtgemeinde nicht die Rede sein, im Gegenteil. Hinzu kommt: Sollte der Kirchenvorstand den neuen Gottesdienstplan verbindlich für die nächsten Jahre beschließen, könnte sich die Gemeinde laut Dittmar sogar einen hauptamtlichen Kirchenmusiker leisten statt der bisherigen Honorarkräfte.

Doch Ärger und Trauer sind eben nicht objektiv. »Wir können den Frieden nicht vorgeben und wollen die Wut nicht kleinreden«, sagt Christian Dittmar. Vielmehr wolle das Pfarrerteam jetzt als Seelsorger wirken und zusammen mit dem Kirchenvorstand das verbindende Element finden, das aus den einzelnen Dörfern eine Gemeinschaft macht. Dittmar ist optimistisch: »Es muss eine Möglichkeit geben, gemeinsam an vielen Orten Gemeinde zu sein.«

 

  TERMINE: KONZERT: Mit Werken aus Barock und Romantik erklingt die Jann-Orgel in der Michaelkirche Grafrath am Sonntag, 17. April, um 17 Uhr - Eintritt frei!

  GOTTESDIENST FÜR FAMILIEN: An Christi Himmelfahrt, 5. Mai, um 10 Uhr findet der evangelische Gottesdienst auf dem Schulhof Moorenweis statt - mit Posaunenchor.

  GEMEINDEFEST: Am Sonntag, 12. Juni, ist die ganze Gemeinde um 10 Uhr in den Garten der Martin-Luther-Kirche Mammendorf eingeladen.

  BAUWAGEN: Am Samstag, 9. Juli, feiert die Bauwagenkirche um 19 Uhr ökumenische Andacht vor der katholischen Pfarrgemeinde Türkenfeld-Zankenhausen. Danach gibt es »Musik an einem Sommerabend«.

Kreative Gemeinde - die besten Projekte und Initiativen der bayerischen evangelischen Kirchengemeinden

 

»Musica Sacra« - herausragende Werke der Kirchenmusik

MUSICA SACRA

 

Der Sonntagsblatt-Shop und das Sonntagsblatt-Blog.
 

 

 

 

Susanne Schröder

 


Valid HTML 4.01 Transitional

/news/aktuell/2016_13_muc_13_01.htm
abgerufen 29.05.2016 - 15:22 Uhr

© Sonntagsblatt 1998-2016, ImpressumWebmaster
Angebote für Webmaster / AGB

Anzeigen

»Die Personen der Bibel«: der beliebte Glaubenskurs aus dem Sonntagsblatt jetzt als Buch für nur 19,90 Euro. Gleich bestellen!

Werden Sie Hoffnungsträger - und spenden Sie ein Patenschafts-Abo für Menschen in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Gefängnissen. Jetzt mitmachen!