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Sonntagsblatt 43/ vom

Israel setzt Kontakt zu Unesco aus

Die UN-Kulturorganisation negiert die Verbindung der Juden zum Tempelberg


Israel will die Zusammenarbeit mit der UN-Kulturorganisation Unesco auf Eis legen.

Der Jerusalemer Tempelberg.
Foto: Andrew Shiva / CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
   Der Jerusalemer Tempelberg.

        

Israel will die Zusammenarbeit mit der UN-Kulturorganisation Unesco auf Eis legen. Das kündigte Bildungsminister Naftali Bennett an und nannte den Resolutionsentwurf einer Unesco-Kommission zum Status von Jerusalem und dem Tempelberg einen »bedauernswerten Vorgang«. Regierungschef Benjamin Netanjahu sprach von einem »Theater des Absurden«, das »Jerusalems Wurzeln ignoriert«.

Am Vortag hatte eine Unesco-Kommission in Paris einem von arabischen Ländern vorgelegten Resolutionsentwurf zugestimmt, in der die Verbindung der Juden zum Tempelberg nicht erwähnt wird. Zudem werde in der Resolution ausschließlich der arabische Name für den Tempelberg - Haram al-Scharif - benutzt, lautete die Kritik. Laut Bericht der israelischen liberalen Tageszeitung Haaretz haben 24 Staaten für die Resolution gestimmt und sechs, darunter Deutschland, Großbritannien und die Niederlande, dagegen. Die Resolution soll in der kommenden Woche vom Exekutivrat der Unesco beraten werden.

Am Freitag bezeichnete die Unesco-Generaldirektorin Irina Bokova in Paris in einem Statement das Erbe von Jerusalem als unteilbar, ohne direkt auf den Resolutionsentwurf einzugehen. Die jüdische, christliche oder muslimische Tradition zu leugnen, zu verbergen oder auszuradieren untergrabe die Integrität der Stätte und widerspreche den Gründen, für die die Altstadt und die Stadtmauer zu den Welterbestätten der Unesco zählten, sagte sie.

Die Palästinensische Autonomiebehörde in Ramallah begrüßte das Votum, das, so zitiert die Nachrichtenagentur Maan, »die fortgesetzte Verpflichtung der Mehrheit der Mitgliedsstaaten« reflektiere, »die Prinzipien zu ehren, auf denen die Unesco gegründet wurde«.

Der Konflikt um den Tempelberg führte wiederholt zu gewaltvollen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und Israelis. Seit Beginn der israelischen Besatzung 1967 gilt laut Regelung des damaligen Verteidigungsministers Mosche Dajan, dass Muslime alleiniges Gebetsrecht auf dem Tempelberg genießen, Juden hingegen nur zu Besuch kommen dürfen. Der heilige Schrein gilt nach biblischer Überlieferung als der Ort, an dem Abraham seinen Sohn Isaak opfern wollte.

In einer über das Nachrichtenportal der Jerusalem Post veröffentlichten Ansprache appellierte Bildungsminister Bennett, auch Chef der Siedlerpartei »Das jüdische Haus«, an die westliche Welt, mit den »Gehirnwäschen« aufzuhören, mit denen Kinder Vorurteile und Lügen über eine israelische Kolonialmacht gelehrt würden. Die internationale Gemeinschaft solle »endlich damit aufhören, mein Land dafür zu kritisieren, dass es das Richtige tut«.

 

 

epd