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70 Jahre Sonntagsblatt

Beheimatung und Orientierung

Im Sonntagsblatt kommen christliche Standpunkte und kritischer Journalismus zusammen.

        

Sonntagsblatt-Titelblätter vom 6. November 1945 bis heute.

        

Ganze vier Seiten umfasste das erste Sonntagsblatt vom 6. November 1945, doch dafür stand Interessantes drin: Der damalige Landesbischof Hans Meiser, der sich sehr früh um eine Lizenz der Militärregierung zur Herausgabe einer Wochenzeitung bemüht hatte, begrüßt die Leser. Eine Auslegung der Jahreslosung 1945 und die Bibellese dienen der geistlichen Erbauung, ein Aufruf für das Evangelische Hilfswerk und ein Fürbittgebet für die vermissten Soldaten zeugen von der notvollen Nachkriegszeit. Der Bericht vom Jahresfest der Gesellschaft für Innere und Äußere Mission in München ist das einzige journalistische Stück.

Der Preis damals: stolze 40 Pfennige. Das Sonntagsblatt erscheint 14-tägig, zu den Mitarbeitern der ersten Stunde gehörten Gerhard Hildmann, später langjähriger Leiter der Evangelischen Akademie Tutzing, der Schriftsteller Rudolf Alexander Schröder, Adolf Sommerauer und Robert Geisendörfer, danach langjähriger Direktor des Evangelischen Presseverbands. Seither sind über 3500 Ausgaben erschienen.

Wirft man einen Blick auf die 70 Jahre, so hat sich diese Zeitung in jedem Jahrzehnt neu profiliert:

In den 40er-Jahren war das Sonntagsblatt ein Besinnungsblatt und traf damit nach dem Krieg die Bedürfnisse eines »geistlich ausgehungerten Volkes«, wie Meiser in seinem Grußwort schrieb.

So sah das Sonntagsblatt ganz am Anfang aus: Links ist die Titelseite der Erstausgabe vom 6. November 1945 zu sehen (1945-1946, 1946-1947).
Foto: sob
   So sah das Sonntagsblatt ganz am Anfang aus: Links ist die Titelseite der Erstausgabe vom 6. November 1945 zu sehen (1945-1946, 1946-1947).

        

In den 50er-Jahren nahm der Anteil an journalistischen Stücken gegenüber den rein verkündigenden Texten auffällig zu. In dieser Phase wurde das Sonntagsblatt zum journalistischen Forum des bayerischen Protestantismus.

In den 60er-Jahren öffnete sich das Sonntagsblatt für aktuelle gesellschaftspolitische Themen. Das Sonntagsblatt fing an, Politik und Zeitgeschehen aus christlicher Warte zu deuten. Diese Entwicklung war nicht schmerzfrei - es gab heftige innerkirchliche Widerstände.

Herausgeber Richard Kolb erhob eine »faire Darstellung« der innerkirchlichen und allgemeinpolitischen Probleme zum Redaktionsprinzip. Dagegen regte sich heftiger Widerspruch aus konservativen Kreisen. So bildete sich in München ein »Arbeitskreis Gemeindeblatt«, der mehrfach mit ausgeschnittenen Sonntagsblatt-Artikeln in der Redaktion erschien und von den Journalisten verlangte, derart »zersetzende Beiträge« künftig nicht mehr zu veröffentlichen. Intensiv wurde zwischen Herausgeber, Redakteuren, konservativen Theologen und Laien diskutiert, wie viel Pressefreiheit einem Kirchenblatt zugestanden werden könne.

Über 20 Jahre, von 1948 bis 1969 sah das Sonntagsblatt so aus wie links abgebildet, nur kurz, von 1970 bis 1972, so wie rechts.
Foto: sob
   Über 20 Jahre, von 1948 bis 1969 sah das Sonntagsblatt so aus wie links abgebildet, nur kurz, von 1970 bis 1972, so wie rechts.

        

In den 70er-Jahren erfuhr das Sonntagsblatt einen Modernisierungsschub. Mit großen Fotos nahm der illustrative Charakter zu, längere Reportagen kamen ins Blatt - die zeitgemäße Form der Beschreibung dessen, was in Kirche und Gesellschaft geschah.

Es war die Zeit der Kontroversen innerhalb der bayerischen Landeskirche. Das Sonntagsblatt war mit seinen Berichterstattern dabei, als die Theologinnen um ihre Gleichberechtigung kämpften. Es war spannend, wie junge Engagierte als »kritische Begleitung der Synode« (kribs) im Frühjahr 1969 erstmals bei der Synodaltagung in Bayreuth auftauchten. Unter den kribs-Aktivisten war auch der spätere Landesbischof von Loewenich. Das Sonntagsblatt berichtete.

Sonntagsblatt-Titelseiten: von 1972 bis 1982 und von 1982 bis 1998.
Foto: sob
   Sonntagsblatt-Titelseiten: von 1972 bis 1982 und von 1982 bis 1998.

        

In den 80er-Jahren ragten die kommentierenden Stücke heraus. Der gelernte Kulturjournalist Friedrich Kraft stärkte das Feuilleton.

In den 90er-Jahren war es die besondere Form des theologischen Essays, die das Sonntagsblatt auszeichnete. Chefredakteurin war Johanna Haberer. 1998 war das Sonntagsblatt als erste kirchliche Publikation im Internet präsent.

Sonntagsblatt-Titelseiten: von 1998 bis 2004, seit 2005.
Foto: sob
   Sonntagsblatt-Titelseiten: von 1998 bis 2004, seit 2005.

        

In den 2000er-Jahren wurde das Sonntagsblatt zu einem Wochenmagazin weiterentwickelt. Beobachter bemerken eine leichte Boulevardisierung, auf jeden Fall eine starke Personalisierung der Themen. Menschen mit ihren Glaubens- und Lebensgeschichten prägen das Profil. 2005 startete die erfolgreiche THEMA-Reihe.

Die 2010er-Jahre schließlich brachten neue Rubriken und Serien, wie etwa die Reihe »Kreative Gemeinde« mit Reportagen von der Kirchenbasis. Die Sprechstunde, Medientipps und ein Terminkalender runden das Profil ab. Einmal im Monat liegt die vierseitige Kinderbeilage Benjamini bei. Seit 2010 ist das Sonntagsblatt auf Facebook präsent.

 

Wohin führt der Weg? Die Publizistik der Zukunft wird von einigen Megatrends bestimmt: der rasanten Revolution der Informations- und Kommunikationstechnik, der Globalisierung - und ihrem Gegentrend, der Regionalisierung, und das zunehmende Bedürfnis nach Sicherheit und Werteorientierung in einer komplexer werdenden Gesellschaft. Diese Trends bedingen und verstärken sich gegenseitig. Im gegenwärtigen Wandel der Medienwelt liegen die Chancen einer evangelischen Wochenzeitungen in den Begriffen »Beheimatung« und »Wertevermittlung«.

Seit 2010 ist das Sonntagsblatt auf Facebook präsent.
Foto: sob
   Seit 2010 ist das Sonntagsblatt auf Facebook präsent.

        

Albrecht Fürst zu Castell-Castell hat seine Erwartung an das Sonntagsblatt in einem Brief an die Redaktion einmal so ausgedrückt: »Wöchentlich lese ich das Sonntagsblatt Seite für Seite, denn ich möchte unterrichtet sein über das Leben meiner Kirche.« Und er fährt fort: »Ich freue mich, wenn der Name Jesus in meinem Sonntagsblatt steht, denn Er allein ist der Herr unserer Kirche. Jesu Namen ehren und bekennen sollte Ziel und Schwerpunkt einer evangelischen Wochenzeitung sein.«

Fragen zum Verständnis der Bibel und theologische Fragen stehen im Leserinteresse ganz oben. Kontroverse Debatten kommen in Gang, sobald es um Abendmahl und Eucharistie geht, Schöpfung und Evolution, oder wie der Tod Jesu zu verstehen ist. Hier bietet das Sonntagsblatt Orientierung und Anregungen, den eigenen Horizont zu erweitern.

Manchen Leserinnen und Lesern ist dieser Horizont zu weit, dann wird der Chefredakteur an Schrift und Bekenntnis erinnert. Die heftigen Rückmeldungen auf Glaubensfragen verraten natürlich auch etwas über unsere Leser: Sie suchen Orientierung und schätzen es - wenn das christliche Menschenbild bedroht ist -, dass dann das Sonntagsblatt auch einmal zum christlichen Kampfblatt wird.

Was bei anderen Medien ein Zielgruppenproblem ist, ist beim Sonntagsblatt durchaus erwünscht: Progressive diskutieren mit Evangelikalen, Ökumeniker mit orthodoxen Lutheranern, Israelfreunde mit den Unterstützern der christlichen Palästinenser. Was sie an unserem Blatt schätzen? Dass sie sich auch ab und zu über die jeweils andere Seite so richtig ärgern können.

Es war eine gute Entscheidung, dass der Landeskirchenrat 1945 die Presselizenz Nr. 7 der Militärregierung zur Herausgabe einer evangelischen Wochenzeitung an den Evangelischen Presseverband weitergegeben hat. Es ist eine großartige Sache, dass die evangelische Kirche eine strukturell unabhängige Publizistik bejaht und fördert.

Helmut Frank




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abgerufen 02.12.2016 - 18:54 Uhr

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