31.05.2015
Landesbischof am Hesselberg

Bedford-Strohm sucht beim Kirchentag die Nähe zur Basis

Seit seiner Wahl zum Landesbischof hat Heinrich Bedford-Strohm den Kirchentag auf dem Hesselberg jedes Jahr besucht. Trotz seines vollen Kalenders war der Pfingstmontag auf dem Berg auch dieses Jahr gesetzt - wie für 10.000 andere Besucher
Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Wenn der Landesbischof aus seinem Kalender vorliest, wird einem schwindelig. Montags und dienstags in München, am Mittwoch in Straßburg, Donnerstag in Freiburg, ab Freitag in Berlin. "Ich hätte nicht gedacht, dass er dieses Jahr herkommt, als EKD-Chef", sagt eine Besucherin auf dem Hesselberg am Pfingstmontag. Doch er kommt.

Der Kirchentag ist für ihn ein "großes evangelisches Familientreffen". Mehr als 10.000 Besucher sehen es in diesem Jahr ganz genauso. Trotz voller Sitzränge auf der höchsten Erhebung Mittelfrankens predigte der Bischof über sinkende Mitgliederzahlen. Angesichts mancher Verfallsdiagnosen könne man den Eindruck gewinnen, bei der Kirche handle es sich um eine verschwindende Minderheit, sagte er: "Aber das ist Unsinn." Anders als früher sei heute niemand mehr Mitglied der Kirchen, "weil es zum guten Ton gehört". Die Kirche behalte ihre Bedeutung, "unabhängig davon, wie hoch die Mitgliederzahlen sind".

"Ich mache mir keine Sorgen um die Zukunft der Kirche"

Bedford-Strohm forderte dazu auf, "die jungen Leute viel mehr zu beteiligen", auf ihre Ideen zu hören. "Lasst uns wieder radikaler auf Christus hören", sagte der Landesbischof und zeigte sich zuversichtlich: "Ich mache mir keine Sorgen um die Zukunft der Kirche." Die großen Kirchen in Deutschland würden künftig vielleicht weniger Mitglieder als die heute 50 Millionen haben: "Aber die Kraft des Heiligen Geistes kann niemand brechen."

Kirchentage sind für Bedford-Strohm ein Highlight. Er predigt nicht nur und zieht sich schnell zurück, er sucht das Bad in der Menge. Nach dem Gottesdienst schüttelt er Hände, hört sich Probleme an, verspricht sich zu kümmern - immer zugewandt, immer freundlich. Der "Tablet-Bischof", wie ihn einige Medien wegen seiner Affinität zu sozialen Netzwerken wie "Facebook" getauft haben, kann das soziale Netzwerken auch im echten Leben bestens.

Auch dieses Jahr stellt sich der Landesbischof den Fragen der Kirchentagsbesucher. Dabei gibt er auch unbequeme Antworten. Kunstprojekte in Kirchen? Unbedingt: "Wem das nicht gefällt, der muss eben auch mal die Zähne zusammenbeißen." Mehr Geld für Erzieherinnen an kirchlichen Kitas? Gerne sofort, aber: "Wir können uns als Kirche nicht vom Rest der Gesellschaft abkoppeln. Dass Erzieherinnen und Erzieher mehr Geld und Anerkennung erhalten, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe."

Ein Gast klagt, er vermisse die Seelsorge vom Gemeindepfarrer bei alten, kranken und einsamen Menschen. Bedford-Strohm stimmt zu, dass Seelsorge Kernaufgabe von Pfarrern sei; er mache aber niemandem Vorschriften, wie er seine Arbeit machen soll. Die Pfarrer vor Ort setzten ihre eigenen Schwerpunkte. "Die Freiheit muss man ihnen lassen", betont er.

Noch etwas unterstreicht der Landesbischof: "Es kann nicht alles immer am Geld hängen." Jeder sei aufgerufen, Kirche und Gesellschaft mitzugestalten, und Glaubensinhalte weiterzugeben.

"Vergesst die Liebe nicht" - Pfingsten in Bobengrün

Nicht nur in Mittelfranken auf den Hesselberg, auch in Oberfranken strömen zu Pfingsten evangelische Christen in großer Zahl an einen Ort: nach Bobengrün, zum "kleinen Kirchentag im Frankenwald", der heuer zum 70. Mal in Folge seit 1946 stattfand.

Auch hier waren es rund 10.000 Menschen, die am Pfingstwochenende an der Tagung des CVJM Bobengrün im oberfränkischen Landkreis Hof teilnahmen. Der Kirchentag stand unter dem Leitwort "Vergesst die Liebe nicht".

Erneut wurden 2000 Dauerteilnehmer gezählt, die das Wochenende mit Bibelarbeiten, Vorträgen, Gottesdiensten und Indiaca-Turnieren verbrachten. 200 freiwillige Helfer waren im Einsatz. Bei der Festversammlung beklagte Paul Nogossek, Pastor der Berliner "Begegnungskirche", dass auch in den Kirchen verstärkt ein Leistungsprinzip zu beobachten sei: "Wir sind auch in christlichen Kreisen immer mehr leistungsorientiert, nicht gabenorientiert." In seiner Arbeit mit Armen, Bedürftigen und Obdachlosen sei jedoch die praktizierte Nächstenliebe wichtiger als konkrete Ergebnisse wie eine Bekehrung zum Christentum, so Nogossek. Gottesdienst bedeute auch, seinen Nächsten zu entdecken, "und das geht ganz ohne Leistung".

Die Bobengrüner Pfingsttagung gehört zu den ältesten und größten evangelistischen Pfingstveranstaltungen in Deutschland.

Dossier

Bayerischer Kirchentag auf dem Hesselberg

Der Hesselberg, mit rund 689 Metern höchster Berg Mittelfrankens und in der Nähe von Wassertrüdingen, ist seit dem Jahr 1951 eng mit der evangelischen Kirche verbunden. Vor 66 Jahren eröffnete dort der damalige Landesbischof Hans Meiser (1881-1956) die neu gegründete Landvolkshochschule. Aus diesem Einweihungsfest entwickelte sich der heutige Bayerische Kirchentag. In unserem Dossier erfahren Sie mehr über den Bayerischen Kirchentag auf dem Hesselberg.

Bayerischer Evangelischer Kirchentag auf dem Hesselberg
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