28.11.2019
Theologie

Die Rolle der Tiere in der Bibel

Sie führten Eva in Versuchung, spielten bei der Verleumdung Jesu eine tragende Rolle oder fielen in Ägypten als Plage ein. Es wuselt, kriecht und fliegt nur so in der Bibel, rund 130 Tierarten werden in dem Buch der Bücher genannt – vom Adler bis zum Ziegenbock.
Krippenszene mit Ochs und Esel
Ochs und Esel stehen traditionell am häufigsten neben der Krippenszene, auch wenn es in der Bibel im Neuen Testament dafür keinen Beleg gibt.

Adventszeit ist auch Krippenzeit, und in kaum einer Krippe mangelt es an Tieren. Doch welche Rolle spielen Tiere eigentlich in der Bibel? Rund 130 Tierarten werden in dem Buch der Bücher genannt – vom Adler bis zum Ziegenbock. "Die Tierwelt Palästinas war in alter Zeit wesentlich zahl- und artenreicher als heute. Daher nehmen die biblischen Schriften häufig auf Tiere Bezug", schreibt der Karlsruher Theologe Peter Riede im Bibellexikon der Deutschen Bibelgesellschaft.

In der Schöpfungsgeschichte nahm sich Gott am fünften und sechsten Tag die Zeit, alles Leben auf der Erde zu erschaffen. Neben Mensch und Natur entstanden so auch viele wilde Tiere: Löwen, Leoparden, Wölfe, Bären, Hyänen, Schakale und Füchse, ferner Gazellen, Damhirsche, Antilopen, Steinböcke und andere Wildziegen, Auerochsen, Wildesel, Wildschweine, Hasen, Klippschliefer, aber auch der syrische Elefant, zählt Riede im Bibellexikon auf.

Eine Schicksalsgemeinschaft von Mensch und Tier

"Viele Texte wissen um eine Schicksalsgemeinschaft von Mensch und Tier", sagt der Theologieprofessor, der in der badischen evangelischen Landeskirche als Kirchenrat und Leiter der Abteilung Theologische Ausbildung und Prüfungsamt arbeitet. Mensch und Tier können von Katastrophen wie Hungersnöten, Sintflut, Dürre und Kriegsfolgeerscheinungen betroffen werden, wie es etwa in den Büchern Jeremia 14 oder Hosea 4 oder in den Genesisgeschichten steht.

Der Karlsruher Theologieprofessor Peter Riede.
Der Karlsruher Theologieprofessor Peter Riede.

"Schon die Schöpfungstexte der Genesis bezeugen die enge Gemeinschaft zwischen Mensch und Tier", sagt Riede, der von 1995 bis 2001 stellvertretender Leiter des Tübinger Forschungsprojekts "Die Tier- und Pflanzenwelt der Bibel" war. Die Landtiere seien wie der Mensch aus Erdreich erschaffen, wie es in Genesis 2,19 geschrieben steht. Beide wurden auch durch den Lebensatem, der ihnen von Gott eingehaucht wird, zu lebenden Wesen, und beide müssen einmal sterben, betont der Theologe.

"Tiere spielen eine wichtige Rolle in der Bibel", sagt auch die Augsburger Theologin Heide Wunderer. Normalerweise lese man darüber hinweg und konzentriere sich viel mehr auf den Inhalt der biblischen Geschichten, sagt die Pfarrerin im Ruhestand. Doch die Bedeutung und Symbolik der biblischen Tierwelt sei eigentlich "eine faszinierende Sache", betont Heide Wunderer, die sich jahrelang mit den Tieren in der Bibel beschäftigt hat, heute in ihren Vorträgen.

Die Augsburger Theologin Heide Wunderer.
Die Augsburger Theologin Heide Wunderer.

Was hat es etwa mit den Tieren, die im dritten Buch Mose vorkommen, wie Adler, Habicht, Raben, Strauß, Fledermaus oder Schwalbe, auf sich? "Die sollen von gottesfreudigen Menschen nicht gegessen werden", sagt Wunderer. Zuhörer erfahren dann auch, dass zur Zeit Jesu jedes Frühjahr 5.000 Lämmer geschlachtet wurden. Oder dass die Juden in jener Zeit als einziges Geflügel Tauben hielten, die sich vegetarisch ernährten. Die Taube ist in der Bibel unter anderem ein Symbol für den Heiligen Geist, die Schlange führte einst Eva in Versuchung, auf dem Esel ritt Jesus nach Jerusalem, Heuschreckenarten plagten das alte Ägypten, Daniel fiel in die Löwengrube, und ein Hahn sollte nach dreimaligem Krähen die Verleumdung Jesu bestätigen.

Die Bibel ist voller tierischer Geschichten, ob als Begleiter, als Vergleich oder als Füllstoff. Allerdings sind "Ochs und Esel bei der Geburt Jesu neutestamentlich nicht belegt", sagt Riede. Auf der Grundlage unter anderem von Hieronymus (Ep 108, 10; Text Kirchenväter) seien diese beiden Tiere im Zusammenhang mit Jesu Geburt bezeugt und hielten von dorther Einzug in die christliche Tradition, erklärt der badische Theologe.

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