2.02.2017
Online-Gedenkbuch für Augsburger NS-Opfer

Gedenken im Internet

Eine Internetseite soll künftig die Erinnerung an die Augsburger Opfer des Nationalsozialismus wachhalten. Das Projekt wird von Ehrenamtlichen getragen.
Online-Gedenkbuch für Augsburger NS-Opfer
Die Internetseite des Online-Gedenkbuchs: Darauf finden sich bislang die Namen, Daten und Biografien von gut 50 Opfern des NS-Regimes.

Rita Reinhart war nicht einmal zwei Jahre alt, als sie in Auschwitz starb. Zusammen mit ihrer Mutter und anderen Sinti und Roma wurde das Mädchen von den Nazis im Jahr 1943 ins Konzentrationslager gebracht. Dort überlebte das in Augsburg geborene Kind nicht einmal einen Monat. Rita Reinhart gehört der jüngste Eintrag im Online-Gedenkbuch für die Augsburger Opfer des Nationalsozialismus. Fünf Jahre hat die Augsburger »Erinnerungswerkstatt« an dem Internet-Projekt gearbeitet. Das Gedenkbuch enthalte bislang die Namen, Daten und Biografien von mehr als 50 NS-Opfern, erläutert Benigna Schönhagen, die Leiterin des Jüdischen Kulturmuseums Augsburg Schwaben.

Frau Schönhagen, wer hat die einzelnen Schicksale zusammengetragen?

Benigna Schönhagen: Das waren letztlich engagierte Bürger. Die Augsburger Erinnerungswerkstatt ist ja eine bürgerschaftliche Initiative. Entsprechend haben auch Bürger dabei mitgeholfen, das Gedenkbuch zu recherchieren und zu erarbeiten. Es waren Pensionäre beteiligt, engagierte Privatpersonen, Studenten und Schulklassen. Zwei Gymnasialklassen haben im Rahmen ihrer W-Seminare etliche Biografien erstellt. Betreut wird das Projekt von einem wissenschaftlichen Mitarbeiter des Museums. Er überprüft jede Biografie noch einmal, bevor sie schließlich online geht.

 

Welche Lebensgeschichten finden sich im Online-Gedenkbuch?

Schönhagen: Es sind ganz allgemein die Biografien von Opfern des Nationalsozialismus‘. Die größte Gruppe ist die der Juden. Deren Namen und Schicksale sind uns zu einem guten Teil im Jüdischen Kulturmuseum bekannt. Schwieriger ist es etwa bei den Sinti und Roma. Da gibt es nur ganz wenig Material. Es geht beim Gedenkbuch aber auch um die Opfer der NS-Gesundheitspolitik oder um Menschen, die denunziert und daraufhin hingerichtet wurden. An ihren Schicksalen wird deutlich, wie sehr der Terror der Nazis in die unmittelbare Nachbarschaft hineinreichte.

 

Soll das Gedenkbuch in Zukunft noch erweitert werden?

Schönhagen: Wir sehen uns erst am Anfang des Projekts. Es gibt alleine etwa 500 jüdische Opfer des Nazionalsozialismus‘ in Augsburg. Wir haben bereits ein neues W-Seminar und weitere Anfragen von Schulen, die Biografien erarbeiten möchten. Wichtig ist uns, dass die Menschen, um die es geht, nicht auf die Opferrolle reduziert werden. Sie sollen mit ihrer ganzen Biografie, mit ihrem ganzen Leben dargestellt werden. So bleibt die Erinnerung an sie lebendig.

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Sonntagsblatt