13.05.2018
Sakrale Orte

Wenn das Feuerwehrhaus zur Dorfkapelle wird

Immer wieder werden kirchliche Gebäude zu säkularen umgebaut oder gar abgerissen. Im kleinen Gemeindeteil Rudelsdorf in Barthelmesaurach läuft es andersherum: Am 13. Mai wird die neue Dorfkapelle durch Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern eingeweiht. Eigentlich konsequent: Denn "Kapelle" hieß das einstige Feuerwehrhaus mit seiner Glocke im Volksmund schon immer.
Walter Schnell ist stolz auf die neue Dorfkapelle in Rudelsdorf

Die Initiative kam von Walter Schnell. Er ist Bürgermeister der Gemeinde Kammerstein, zu der Rudelsdorf seit der Gebietsreform in den 1970er-Jahren gehört, und gleichzeitig Vizepräsident der bayerischen evangelischen Landessynode. "Streng genommen war das kleine im Jahr 1909 entstandene Gebäude auch nie ein Feuerwehrhaus", erinnert er sich. "Zumindest wurde es als Ort für die öffentliche Viehwaage genutzt, oben thronten aber schon immer eine Uhr und ein Glockenturm." Jahrzehntelang hatte Georg Lacher die Uhr mit der Hand aufgezogen und das Läutwerk in Ordnung gehalten. Jetzt läuft das alles automatisch.

Kein Landwirt benutzte mehr die Viehwaage

Vor drei Jahren stand die "Kapelle" auf einmal leer: Kein Landwirt war mehr im Dorf, der noch die Viehwaage benötigte, die Zeit der Hausschlachtungen schien auch endgültig vorüber. Was tun mit dem Häuschen? "Freilich braucht man immer Stauraum. Allerdings benötigt man in unseren hektischen Zeiten doch auch Gelegenheiten, zur Ruhe zu kommen", sagt Schnell. Eine solche wurde auf seine Initiative hin bereits 2013 im nahen Heidenberg mit einer Pilgerkapelle geschaffen. Am 30. Juni 2015 fasste der Gemeinderat Kammerstein einstimmig den Beschluss, die Dorfkapelle wirklich in eine umzumünzen. Die Kosten von rund 80.000 Euro stemmt zur Hälfte die Gemeinde, die andere wird durch Mittel aus der Dorferneuerung finanziert. Kirchliche Fördertöpfe wurden keine angezapft. Ab dem Jahr 2017 wurde das Gebäude komplett entkernt und saniert. Teils verputzte Wände wurden freigelegt, die in die Jahre gekommenen Ziegelsteine gereinigt, teils verblendet oder erneuert. Der Dachstuhl sowie die Fenster wurden saniert, Schlosser und Elektriker gingen ebenfalls ans Werk.

Ein schmucker Bau

Herausgekommen ist ein schlichter, aber schmucker Bau, der von einer einladenden Doppelschwingtüre mit beidseitigem Fensterkreuz geziert wird. Drinnen findet der Besucher eine ringsum laufende, hölzerne Sitzbank mit Platz für etwa 25 Personen. An der Wand neben einer Schautafel mit der bebilderten Geschichte der Kapelle ein schwarz bemaltes Eichenpult, darüber ein kunstvoll geschnitztes Holzkreuz, gekrönt von einem offenen Sichtbalkendachstuhl. Mehr nicht. "Das reicht auch. Wer den Weg hierher findet, kann kurz in sich kehren oder ein Gebet sprechen, vielleicht ein Lied singen. Und sich sonst von nichts ablenken lassen als den eigenen Gedanken", sagt der "Kapellen-Vater". Der kleine Holzaltar wird noch eine Bibel erhalten.

Natürlich sei es denkbar, hier Andachten zu halten, eventuell Tische und Stühle rein zu stellen und hie und da auch in der Gemeinde zu feiern. "Aber das muss sich alles entwickeln", meint der Synodale. Für Walter Schnell ist am wichtigsten, dass die Bürger hinter dem Projekt und seinem Gedanken stehen. Die örtliche Teilnehmergemeinschaft der Flurbereinigung und der Ortsverein werden sich um die Pflege mit kümmern. Geöffnet sein wird die Kapelle das ganze Jahr über. Und: Eingeladen ist jeder.

Kommen Sie zur Einweihung!

Sie findet am 13. Mai um 17 Uhr statt. Im Anschluss wird nebenan in der Eventscheune Zwick-Seitzinger ein Gottesdienst gefeiert. Neben der Regionalbischöfin sind Dekan Klaus Stiegler sowie die örtlichen Pfarrer und der Posaunenchor Barthelmesaurach mit beteiligt.

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Für evangelische Christen war Würzburg nicht immer ein gutes Pflaster. Erst das sogenannte Toleranzedikt im Jahr 1803 schuf die Grundlage für eine Gleichberechtigung der Konfessionen in der früheren Residenzstadt der katholischen Fürstbischöfe. Sie konnten nun Bürgerrechte erwerben und waren den Katholiken gleichberechtigt. Die Protestanten blieben in Würzburg stets in der Minderheit - und trotzdem spielt das evangelische Würzburg für die Gründung der heutigen bayerischen Landeskirche eine wichtige Rolle. Entscheidende Impulse für die moderne Kirchenstruktur kamen von dort, die Stadt gilt daher als "Keimzelle" der Landeskirche.
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