20.08.2018
Jugendarbeit

Wie das Dekanat Fürth neue Jugendleiter gewinnen will

Das Fürther Projekt "Jeder sollte einen haben" nimmt Fahrt auf: Sieben von zwölf evangelischen Kirchengemeinden in der Stadt Fürth haben seit dem Start im Januar einen Jugendleiter für die gemeindliche Kinder- und Jugendarbeit gewinnen können. Die zehn Wochenstunden werden vom Kirchgeld mitfinanziert. Und das Geld ist gut angelegt, wie bei einem Besuch im Fürther Stadtpark zu sehen ist.

Freitag, kurz vor 15 Uhr: Rebekka Adel rollt ihren Leiterwagen durch die "grüne Lunge" Fürths bis zur Wiese bei den Tischtennisplatten. "Spiele, Spaß, Freunde, Chillen" verspricht ihr selbst gemaltes Schild an der Deichsel. Adel hat jede Menge Kurzweiliges für Draußen dabei. Bälle zum Jonglieren oder Werfen, Bumerang und Frisbee, und auch ein paar unscheinbare, "Kubbs" genannte Holzklötze, mit denen man "Wikingerschach" spielen kann.

Schnell kommen die erste Mädchen vorbei. Die Erzieherin erklärt die Regeln, und schon geht’s los. Für Kinder zwischen neun und 13 Jahren ist der offene Jugendtreff gedacht, der jeden Freitagnachmittag stattfindet. Bei jedem Wetter, zu jeder Jahreszeit. "Die Spiele passen wir dann der Witterung an", sagt die studierte Sozialarbeiterin.

Durch Jugendtreff Jugendleiter finden

Sie ergänzt gerne ihren bestehenden Teilzeitjob mit den zehn Stunden, die durch die Fürther Initiative jeder Gemeinde im Dekanat bezahlt werden, die einen Jugendleiter beschäftigen will. Heute sind knapp zehn Kinder da, es waren aber auch schon einmal über 30. "Da kommt man ganz schön ins Schwitzen, wenn man die alle beschäftigen soll", sagt Rebekka Adel.

"Das Ziel ist, in den kommenden Monaten eine feste Gruppe zu etablieren. Freunde sollen sich treffen, man kann neue Freundschaften schließen", sagt sie. Es soll unkompliziert zugehen, sich aber auch eine Langzweitwirkung entwickeln. "Die Gemeinden brauchen ja dringend Nachwuchs. Ich möchte den Kindern ein schönes Erlebnis in ihrer Kirchengemeinde bieten, wie ich es auch in meiner Kindheit erfahren habe", erklärt die junge Frau.

Daher will Rebekka Adel Konfirmanden dazu bewegen, beim offenen Jugendtreff mitzumachen und sich als Betreuer oder Animateur ehrenamtlich mit einzubringen. "In Gemeinden, wo es bisher überhaupt keine oder rein ehrenamtlich geleistete Jugendarbeit gab, soll durch dieses Projekt ein Impuls gegeben werden, dass Kinder- und Jugendarbeit durch verstärkte Aufmerksamkeit bereichernd für die Kirchengemeinde gestaltet werden kann", ergänzt Dekanatsjugendreferent Simon Laugsch.

Dekanatsprojekt kostet rund 400.000 Euro

400.000 Euro lässt sich das Dekanat Fürth ein bayernweit einmaliges Projekt kosten, das jeder Stadtgemeinde in Fürth einen Jugendleiter bescheren soll. Dekan Jörg Sichelstiel hatte beim Start vor einem Jahr erklärt: "Wir wollen nicht weiter über Mitgliederschwund klagen, sondern selbst in Personal investieren." Nachdem 2003 und 2010 bereits Stellen für Jugendleiter gekürzt wurden, seien im Dekanat Fürth nur wenige hauptamtliche Jugendleiter verblieben.

Bewährt hat sich der Impuls bereits in den Kirchengemeinden in Poppenreuth, in der Südstadt oder in Stadeln, wo jeweils seit längerem eigene Jugendreferenten über die Finanzierung von Gemeindefördervereinen angestellt sind. Diese Gemeinden können über den Projektzeitraum ihre Ressourcen sparen und so eine langfristigere Planung der Stellen sicherstellen. Durch das Projekt kann zum Beispiel in St. Martin eine Stelle für ein Freiwilliges Soziales Jahr refinanziert oder aber auch in Dambach eine Chorleiterin bezahlt werden, die rund 40 Kindern die richtigen Töne beibringt.

 

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Interreligiöse Jugendbildungsstätten

Der langjährige Präsident des Bayerischen Jugendrings (BJR), Gerhard Engel, hält die Zeit reif für eine Jugendbildungsstätte in islamischer Trägerschaft. Eine solche Einrichtung könne ein wichtiger Beitrag zur Integration junger Migranten in die demokratische Gesellschaft sein. Jugendbildungsstätten seien bürokratiefreie Lernorte.

Stadtmission Nürnberg

Ursula Andres und ihre musikpädagogischen Mitarbeiter bringen den Kindern die Freude an der Musik bei
Autor
Das Projekt "Musik macht Freu(n)de" der Stadtmission Nürnberg fördert Kinder und Jugendliche aus schwierigen Familienverhältnissen. Elf Pädagogen bieten kostenlosen Musikunterricht, Chor- und Theaterprojekte an. Für viele Mädchen und Jungen die einzige Chance, mit Kultur in Berührung zu kommen und über sich hinauszuwachsen.
Sonntagsblatt