27.05.2018
Programm im Jubiläumsjahr

Wie St. Egidien in Nürnberg "300 Jahre Barockkirche" feiert

An der Nürnberger Egidienkirche wird dieses Jahr "300 Jahre Barockkirche" mit vielen Veranstaltungen gefeiert - auch wenn vom Barock nach der Zerstörung der Kirche im Zweiten Weltkrieg nicht mehr viel übrig ist, wie Pfarrer Martin Brons erläutert.
Martin Brons und Thomas Zeitler in der Egidienkirche
Martin Brons (links) und Thomas Zeitler vor weißer Leinwand in der Egidienkirche. Zum Jubiläum der Barockisierung stehen die Zeichen in der Kulturkirche voll auf Kunst, Spiritualität und Bildung.

Nach dem Abschluss der Reformationsdekade gleich wieder ein ganzes Bündel an Vorträgen, Ausstellungen und Konzerten zu schnüren scheint schwierig. Dennoch hat Pfarrer Martin Brons genau das schon im vergangenen Jahr getan. Da war er noch alleine für St. Egidien in Nürnberg zuständig. Jetzt ist er ebenso Pfarrer von St. Sebald, im Schulterschluss mit Pfarrerin Annette Lichtenfeld.

Beide Gemeinden werden im Oktober erstmals einen gemeinsamen Kirchenvorstand wählen. Brons‘ einstigen Part "Kunstarbeit" hat seit wenigen Wochen Thomas Zeitler inne, der für die Jubiläumsfeier der einzigen Barockkirche Nürnbergs ein bestelltes Feld vorfand. "Wir verstehen uns als Knoten im Netz der Stadt, von dem aus sich Kunst und Spiritualität, aber auch Bildung entwickelt", erklärte der Hochschulpfarrer. Das Profil der Kulturkirche werde weiter ausgebaut, neue Kooperationspartner gesucht.

St. Egidienkirche mit Jubiläumsprogramm zu "300 Jahre Barockisierung"

Ein Höhepunkt des Jubiläumsjahrs ist am 20. Juni ein Vortrag von Thomas Schauerte, Leiter der Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg, über den ehemaligen Hochaltar der Kirche, der aus der Werkstatt des berühmten flämischen Barockkünstlers Anthonis van Dyck stammt. Eine weitere Wiederentdeckung stammt aus der Bachforschung: Christoph Birkmann, Mitte des 18. Jahrhunderts Pfarrer der Egidienkirche, hat Texte für die Johannes-Passion geschrieben, wie Christine Blanken vom Leipziger Bach-Archiv am 10. Oktober erläutern wird.

Des Weiteren wird die Künstlerin Marianne Vordermayer im Zuge der Internationalen Orgelwoche im Juni ihre Video-Installation "Zeitläufe" präsentieren. Außerdem kommt die auf einen Königs- und Wirtschaftshof aus der Frühzeit der Stadt zurückgehende Kirche zu TV-Ehren: Der Bayerische Rundfunk sendet am 24. Juni einen Fernsehgottesdienst. Zu diesem wird der Egidienplatz für parkende Autos gesperrt.

St. Egidien ist ältester Kirchenstandort Nürnbergs

Bei so viel Aufbruchstimmung ist es Martin Brons wichtig, immer wieder auch auf die "Fäden mit Langzeitwirkung" hinzuweisen, die aus der Historie des ältesten Kirchenstandorts in Nürnberg bis in die Gegenwart reichen.

Die wurden ab dem Jahr 1140 gesponnen, als sich das Benediktinerkloster der Reichsstadt aus dem einstigen Hof entwickelte. 1526 wurde neben der Kirche das Aegidianum, das heutige Melanchthon-Gymnasium, gegründet. Diese erste öffentliche, nicht religiöse Schule hatte der Reformator Philipp Melanchthon mitgestaltet, der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel stand ihr von 1808 bis 1816 als Rektor vor. Die alten Gebäude sind heute Teil des Willstätter Gymnasiums.

"Vom Barock ist leider nicht mehr viel übrig."

1696 brannte die ursprüngliche Kirche vollständig ab. Das heutige Kirchengebäude wurde 1718 dann wieder aufgebaut. "Vom Barock ist jedoch leider nicht mehr viel übrig", sagt Brons mit Blick auf die Zerstörung der Kirche im Zweiten Weltkrieg. Nach Kriegsende entschied man sich für einen "veränderten Wiederaufbau". Die Deckenwölbung ist modern und verzichtet auf die reiche Strukturierung des Barock, die Altarinsel wurde in die Vierung der Kirche versetzt.

Vor wenigen Wochen war St. Egidien zur "Blauen Nacht" wieder einmal Schauplatz einer Video-Kunstaktion. Und auch wenn die Mittel der Landeskirche gerade für die Kirchenmusik an der Kulturkirche eher dürftig ausfallen: "Es sind jede Menge kreativer Menschen in der Gemeinde, die beispielsweise einen Chor und weitere Aktionen auf die Beine stellen", sagt Zeitler. Den "Schwung" des Jubiläums und der neuen Stellenkonstellation nehme man mit – auf die nächsten 300 Jahre!

 

Was plant St. Egidien in Nürnberg zu "300 Jahren Barockkirche"?

Programm zum Jubiläumsjahr

Vorträge, Konzerte, Führungen, Ausstellungen und besondere Gottesdienste: Wer wissen will, was in der Nürnberger St. Egidienkirche zum 300-jährigen Bestehen als Barockkirche geplant ist und wann die Veranstaltungen stattfinden, kann das Programm hier als PDF ansehen

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