25.05.2018
Spracherkennung

"Alexa, sprich ein Vaterunser!" - Church of England bietet Skill an

"Alexa, wer ist Gott?" oder "Alexa, sprich das Vaterunser!" oder "Sag mir, wo in meiner Nähe der nächste Gottesdienst stattfindet". Was dahintersteckt? Die "Church of England" hat dem Amazon-Assistenten "Echo" das Beten beigebracht. Über Amazons "smarten" Lautsprecher wollen die Anglikaner zurück in den Alltag der Menschen.
»Alexa, frag die Kirche von England ...« - Screenshot churchofengland.org
»Alexa, frag die Kirche von England ...«: das neue Angebot auf der Internetseite churchofengland.org.

Mit smarten Lautsprechern wie Amazons "Echo", dem "HomePod" und "Siri" von Apple oder dem "Google Assistant" kann man nicht nur das Internet befragen, Musik spielen lassen oder Freunde anrufen, sondern auch mehr und mehr Geräte im Haushalt steuern.

Mit sogenannten "Skills" zum Herunterladen kann man den spracherkennungsfähigen digitalen Helfern weitere Fähigkeiten beibringen. Auch die Kirche von England gehört jetzt zu den Anbietern einer "Skill"-Erweiterung.

Rund ein Viertel aller Haushalte im Vereinigten Königreich besitze bereits eines der Geräte, begründete der Erzbischof von York, John Sentamu, die kirchliche Initiative. Nachdem man im vergangenen Jahr den kirchlichen Internetauftritt radikal modernisiert habe, sei der "rasch wachsende Bereich" der mitlauschenden Lautsprecher "als prioritär für die Weiterentwicklung identifiziert" worden, so Sentamu.

Den christlichen Glauben in den Alltag einweben

Fromm gemacht wird die Amazon-Assistentin mit dem Satz "Alexa, open the Church of England – Alexa, öffne die Kirche von England". Danach kann es losgehen. Im Angebot sind täglich wechselnde Gebete sowie Morgen-, Abend-, Nacht- und Tischgebete. Alexa kann mit Hilfe der Kirche von England nun nach Religionswissen gefragt werden, zur Bibel oder wie man Christ wird.

Integriert ist zudem der kirchliche Online-Dienst "A Church Near You" (achurchnearyou.com), mit dem sich Nutzer Gottesdienste, kirchliche Dienste und Gruppen in ihrer Nähe anzeigen lassen können.

"Plattformen wie Alexa bieten für die Kirche die Chance, die Menschen mit Gott in Verbindung zu bringen und den Glauben ihren Alltag einzuweben – ob nun im Gebet oder indem sie mehr über das Christentum erfahren", sagt Adrian Harris, Digitalchef der Church of England dem Guardian.

Auch in England geht der Gottesdienstbesuch zurück – laut BBC um 14 Prozent seit 2006. Gleichzeitig steige das Interesse am kirchlichen Angebot im Internet. Das Alexa-Programm ist Teil einer Digitalisierungsoffensive der anglikanischen Kirche. Erweiterungen für die Konkurrenzprodukte von Apple und Google sollen folgen.

Albtraum der totalen Überwachung

Eine absolute Vorreiterin ist die Kirche von England mit ihrer Alexa-Erweiterung zwar nicht. Auch andere Anbieter versuchen fromme Themen im Alltag von Nutzern digitaler Sprachassistenten zu platzieren. Aber viele sind es noch nicht: Rund 40 000 Alexa-"Skills" gibt es derzeit. Rund 500 von ihnen haben mit dem Thema "Glaube" zu tun. In Deutschland haben die Katholiken mit "Skill"-Angeboten von katholisch.de und dem konservativen katholischen Radiosender "Horeb" die Nase vorn.

Kurz nach Start des neuen kirchlichen Angebots in England ging noch eine weitere "Alexa"-Meldung über die Nachrichtenticker: Ein Amazon-Echo-Gerät hatte demnach das Gespräch eines Ehepaars in Portland, Oregon, ohne deren Wissen aufgezeichnet und an einen Mitarbeiter des Ehemanns geschickt. Amazon sprach von einer "Verkettung unglücklicher Umstände". Doch zu Pannen bei der Spracherkennung kommt es immer wieder. Vom Traum vom sprachgesteuerten Alltags-Helfer zum Albtraum totaler Überwachung ist es eben nur ein kleiner Schritt.

 

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