1.02.2015
Kinderchor

Die evangelische Andreasgemeinde in Neu-Ulm hat schon drei CDs produziert - mit den Kindern ihrer Tagesstätte.
Tanja Bosch,  Leiterin der Kindertagesstätte Arche, mit dem Cover der CD »Da staunst du«.
Tanja Bosch, Leiterin der Kindertagesstätte Arche, mit dem Cover der CD »Da staunst du«.

Bei den Liedern von »Da staunst du « geht Ernst Sperber im Gottesdienst schon mal ganz runter auf die Knie. »Alle Lieder auf unserer CD sind zum Mitmachen gedacht«, sagt der Pfarrer der evangelischen Andreasgemeinde im Neu-Ulmer Stadtteil Ludwigsfeld. Und es machen alle mit, meint Sperber: »Kleine und Große, Junge und Alte.«

»Da staunst du « - das ist der Titel der CD, die die Kinder der zur Gemeinde gehörenden Tagesstätte »Arche« im vergangenen Jahr aufgenommen haben. 16 Lieder gibt es darauf. »Echte Kracher, die Eltern und Kindern Spaß machen«, findet Sperber. Mehrere Hundert der insgesamt 1200 Tonträger haben Gemeinde und Kita bereits verkauft. Grund genug, die CD zum Jahreswechsel 2015 nochmal als Karaoke-Version zum Mitsingen herauszubringen.

Pfarrer Sperber kann davon ein Lied singen

Zusammen Musik zu machen, das stiftet Identität in einer Gemeinde. Die religiösen Kinder-»Hits aus der Arche« breiteten sich in der Kirchengemeinde rasch aus, berichtet der Pfarrer: »Die Familien nehmen die CD in den Urlaub mit, hören sie im Auto oder zu Hause.« Im Gottesdienst sowieso: Singend aufstehen, sich wieder setzen, groß machen und dann wieder klein - das gehört dort zum Programm. Manche Eltern wählten einige der Lieder der CD sogar für die Taufe ihres Kindes aus. Das Lied »Auf Händen getragen« kam schon bei einer Trauerfeier zum Einsatz.

»Da staunst du « ist dabei nicht die erste Liedsammlung, die die Arche-Kinder eingesungen haben. Schon 2004 produzierte die Gemeinde »Mit der Arche du rchs Jahr«, ebenfalls in einer Auflage von 1200 Stück. Mittlerweile ist die CD vergriffen. Statt sie nochmal aufzulegen, entschlossen sich Kita und Gemeinde, etwas ganz Neues zu produzieren.

Singen steckt an

Mitgemacht haben dabei nicht nur die Kinder aus Kindergarten, Krippe und Schülerhort. Auch Eltern und sogar manche Großeltern ließen sich fürs Mitsingen begeistern. Die Musiker stammen aus den verschiedenen Bands der Gemeinde. Zwei von ihnen - Dieter Girstl und Jochen Wegerer - agieren nicht nur professionell auf der CD. Girstl schuf auch die Arrangements, Wegerer leitete die Aufnahme. Und Hausmeister Eduard Hollmann steuerte die witzigen Zeichnungen auf dem Cover bei: Eine bunte, aus Brettern zusammengenagelte Arche ist da auf dem Trockenen gelandet; rings um das Schiffchen spielen Kinder.

Insgesamt beteiligten sich mehr als 200 Mitglieder der Andreasgemeinde an der Produktion. »Wir sind eben tatsächlich eine kreative Gemeinde«, sagt Kita-Leiterin Tanja Bosch stolz. Aus Eltern, die die Gesangsaktivitäten ihrer Kinder zunächst beobachteten, wurden Mitsänger; das Projekt begann, Generationen zu verbinden. »Ich wollte die ›Biotope‹ in der Gemeinde zusammenbringen«, sagt Ernst Sperber.

Anreiz für »religiös Entwöhnte«

Für den Pfarrer ist die enge Zusammenarbeit von Kita und Gemeinde bei der CD-Produktion »wirkliche Gemeindearbeit«. Es gebe viele junge Eltern, »die religiös entwöhnt sind«, meint er. Religiöses Liedgut fehle in den Familien, gesungen werde oft kaum noch. Die Zielgruppe der »Hits aus der Arche« seien daher nicht nur die Jüngsten der Gemeinde, sondern gerade auch deren Eltern: »Ein Großteil der Eltern wird heute über die Kinder religiös sozialisiert.«

Mit Musik funktioniere das besonders gut. Die Eltern machten mit, weil es den Kindern so viel Freude bereite. »Viele Leute trauen sich ja oft nicht mehr zu singen«, weiß der Pfarrer. Zusammen mit den Kindern und anderen Eltern sei es jedoch nicht wichtig, ob einer wirklich gut singen könne. Es gehe darum, Teil des Ganzen zu sein. »Für die Kinder ist das eine Erfahrung, die ihr Selbstvertrauen stärkt«, erläutert Kita-Leiterin Tanja Bosch.

Rund 300 Stunden Arbeit

So lange dauerte es, bis »Da staunst du« einstudiert und eingespielt war. Da lag es nahe, das vorhandene Material auch noch für eine Karaoke-Version zu verwenden. Die »Sing mit«-CD, für die die 16 Hits nur instrumental im Studio aufgenommen wurden, sei insbesondere für die Arbeit in Kitas, Mutter-Kind-Gruppen und bei Freizeiten geeignet, glaubt Ernst Sperber. Auch andere Gemeinden könnten damit die Kirchen-Schlager entdecken und singen. Man habe bereits einige Bestellungen von Kindergärten und Lehrern vorliegen.

Und auch ein Nachfolge-Projekt schwebt dem Pfarrer schon vor: Die nächste CD soll religiöse Lieder für Jugendliche erhalten - speziell für den Konfirmandenunterricht. Bis es soweit ist, kann es aber noch eine Weile dauern. Die Band habe etliche Stunden in die letzten beiden CD-Produktionen gehängt, sagt Ernst Sperber. »Die brauchen jetzt sicher erstmal eine wohlverdiente Pause.«

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Sonntagsblatt