14.02.2018
Kommentar

Sport und Ernährung - zwischen Passion und Obsession

Die Grenzen zwischen Passion und Obsession sind in Sport und Ernährung fließend. Kommentar von Susanne Schröder
Burger oder Brokkoli? Oft wird das heute zur Glaubensfrage.
Burger oder Brokkoli? Oft wird das heute zur Glaubensfrage.

 

Mit der Passion ist es so eine Sache: Während man beim passionierten Skifahrer eher an gekonnte Schwünge im Pulverschnee mit anschließendem Einkehrschwung denkt, geht es beim olympischen Abfahrtsrennen um halsbrecherische Hundertstel. Ohne Leiden(sbereit)schaft schaffen es die Athleten gar nicht erst an den Start.

Manch einer hilft im olympischen Zirkus (aber auch schon bei semiprofessionellen Wettkämpfen) mit erlaubten und verbotenen Mitteln nach, damit er im Konkurrenzkampf bestehen kann. Da wird die Passion dann zur Obsession, oft befördert von rekordgeilen Funktionären, dem gnadenlosen Publikum, für das schon Platz vier uninteressant ist, und der Sehnsucht des Athleten, die ganze Schinderei möge sich irgendwann auch auszahlen.

Grenzenlose Leidenschaft

Schmal ist der Grat zwischen Passion und Obsession auch auf einem anderen Kampfschauplatz der modernen Gesellschaft. Vorbei die Zeiten, in denen es beim Essen einfach darum ging, bei einer gemeinsamen Mahlzeit satt zu werden und dem Körper Kraft zu geben für den nächsten Tagesabschnitt.

Heute helfen Apps beim Kalorienzählen, die Bücherregale sind voll mit Ernährungsratgebern, die Lebensmittelindustrie erfindet immer neue Prädikate, von fettarm bis fruktosereduziert. Das trägt bisweilen komische Züge: Wenn Steaks die Plakette laktosefrei (also ohne Milch) bekommen und auf einer Packung Karotten der Aufkleber "100 % vegan" (also ohne tierische Produkte) prangt, fragt sich der 08/15-Flexitarier (das sind die, die alles essen) schon manchmal, wer hier spinnt. Ob wiederum unter Frutariern oder Paläo-Anhängern (also Steinzeitdiätlern) auch passionierte Köche zu finden sind, darf bezweifelt werden.

Moderne Passionszeiten

Es scheint das ganze Jahr über viele moderne Passionszeiten zu geben, in denen sich Menschen für ihre Leidenschaft so manches Leid aufladen. Das Original hat aber gerade erst begonnen: Seit Aschermittwoch bereiten sich Christen in der Passionszeit auf Ostern vor. Fasten gehört für viele dazu: mehr Sport, kein Zucker, Alkohol, Nikotin. Mehr Zeit zur Besinnung, kein Fernseher. Mehr Rückgrat, weniger Ausreden – das zumindest ist mit "Zeig dich!" das Motto der diesjährigen 7-Wochen-ohne-Aktion der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Statt vieler Spezialvorsätze könnten wir aber auch einfach versuchen, sieben Wochen lang passionierte Christen zu sein: menschenfreundlich, aufmerksam, nachsichtig, mit einem weiten Herz und einer starken Haltung. Das wäre eine leidenschaftlich schöne Passionszeit.

 

Was denken Sie? Schreiben Sie an Sonntagsblatt-Redakteurin Susanne Schröder: sschroeder@epv.de

 

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