11.11.2018
Fest- und Feiertage

Bischof Martin von Tours - und was ihn mit dem St. Martinstag und Martini-Kirchweih verbindet

In der französischen Touraine erinnert viel an den römischen Legionär und Bischof Martin von Tours - bei uns in Martini-Zügen und Martini-Kirchweih lebendig.
Heilige Martin von Tours von Franz von Stuck
Der Heilige Martin von Tours - Gemälde von Franz von Stuck.

Gut 50 Kilometer westlich der Bischofsstadt Tours erblickt der Reisende, der von einem Hügel aus den Zusammenfluss von Loire und Vienne sucht, ein kleines Dorf: Candes Saint-Martin, das heute gerade 227 Einwohner zählt und überragt wird von einer wehrhaften Kirche. Das Bild von Zusammenfluss und Ort prägt sich ein, denn hier endete vor etwas mehr als 1600 Jahren der irdische Lebensweg des heiligen Sankt Martin - einer der wichtigsten Gestalten der frühen Kirche.

Die beste Schilderung des Lebenswegs von Martin stammt von Sulcipius Severus, einem aquitanischen Adeligen und Freund Martins, um 363 geboren und 425 gestorben.In dessen "De vita beati Martini" erfährt der Leser, dass Martin in Sabaria, der Hauptstadt der römischen Provinz Pannonnien (heute Ungarn), um das Jahr 316/317 als Sohn eines römischen Offiziers geboren wurde. In Pavia (heute Italien) erzogen, wohin der Vater inzwischen als Militärtribun versetzt worden war, tritt Martin im Alter von 15 Jahren in die römische Armee ein.

Bischof Martin von Tours

Unter den Kaisern Konstantin und Julian diente er in der berittenen kaiserlichen Leibgarde, wo sich um das Jahr 334 an einem Stadttor von Amiens (heute Frankreich) jenes Ereignis zutrug, das die Erinnerung an Martin bis heute wachhält: Martin, zu Pferd, trifft einen frierenden Bettler, dem er die Hälfte seines Reitermantels mit dem Schwert abtrennt. Ein Traum in der folgenden Nacht fordert ihn auf, sich in den Dienst Gottes zu stellen. Diesem Ruf folgt er und läßt sich in Amiens taufen. Er scheidet aus dem Militärdienst und wird in Poitiers Schüler von Bischof Hilarius.

Vor der Priesterweihe besucht er seine Heimat Pannonien. Die Legende berichtet, das er auch seine Mutter zum Christentum bekehren konnte. Im Jahre 361 gründet er acht Kilometer südlich von Poitiers das Kloster Ligugé, das erste in Gallien, dann missioniert er bis an die Donau. Ein Jahrzehnt wirkt er im Kloster Ligugé, bis ihn der Ruf des Volkes ereilt. Denn als ein neuer Bischof für Tours gesucht wird, ruft man in der Bevölkerung nach Martin, der sich dem Drängen zu entziehen sucht. Doch das Geschnatter von Gänsen soll den Kirchenmann, der sich versteckt hält, verraten haben. So wird Martin gegen den Widerstand einiger Bischöfe am 4. Juli 372 in Tours zum Bischof geweiht. Eine Klosterzelle dient ihm als seine Residenz, er stiftet das Kloster Narmoutier über der Loire, wo Askese angesagt ist.

Tod von Bischof Martin 397

Am 8. November 397 stirbt Bischof Martin während einer Seelsorgereise in Candes am Zusammenfluss von Loire und Vienne. Sein Leichnam wird auf einer Barke die Loire aufwärts nach Tours gebracht, wo er unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt wird. Nicht wie sonst üblich der Todestag, sondern der Tag der Beisetzung wird schon bald als hoher Feiertag in der ganzen Kirche begangen. Paulinus von Petricordia verfasst um 470 die "Vita S. Martini episcopi", bald setzt die Verehrung für den toten Bischof ein: Frankenkönig Chlodwig betet 497 am Grab des hl. Martin in Tours, die darüber errichtete Kirche wird im 9. Jahrhundert von den Normannen zerstört. Von der im 11. Jahrhundert errichteten Basilika, die während der Religionskriege 1592 von den Hugenotten geplündert wurde, steht heute nur noch der Turm Karls des Großen (Tour Charlemagne), Rest des nördlichen Querhauses. Der heutige Glockenturm in der Rue des Halles war einst einer der beiden Westtürme.

Basilika in Tours

Die heutige Basilika, zwischen 1887 und 1924 im römisch-byzantinischen Stil über der Krypta und dem Grab des Heiligen erbaut, hat viel Platz für Pilgerscharen, die insbesondere am 11. November und dem darauffolgenden Sonntag in Stadt und Kirche strömen.

Der 11. November, Festtag des hl. Martin, ist in katholischen Gegenden sehr populär, ursprünglich war er Zins-, Lohn- und Pachttag, meist auch Markttag. Er markierte das Ende der Erntezeit und den Winteranfang sowie den Beginn der früher sechswöchigen Adventszeit, ein Tag, an dem man Martinsfeuer anzündete; Saisonarbeiter und Hirtenbuben bekamen ihren Lohn.

Martin, der barmherzige Ritter und spätere Bischof von Tours, wird 455 der erste der frühen Bekenner, der als Nicht-Märtyrer zum Heiligen der Römischen Kirche erhoben wird. Er wird Patron des merowingischen Königshauses und des fränkischen Reiches. Die Abtei über seinem Grab in Tours war das bedeutendste kirchliche Zentrum und Wallfahrtsziel des Frankenreiches bis ins hohe Mittelalter. Martins Mantel gehörte zu den Reichskleinodien, er wurde in der Sainte-Chapelle in Paris aufbewahrt. Martin ist Patron der Soldaten, Schneider und Winzer, er ist Patron unzähliger Kirchen und Kapellen, auch in Italien, Deutschland, Spanien und Frankreich, wo ihre Zahl allein über 4000 betragen soll.

Martin ist heute kein ausschließlich katholischer Heiliger mehr, denn die Geschichte von dem frierenden Bettler und dem mildtätigen Offizier wird heute in vielen Regionen Europas nachgespielt, und daher ist Martin zusätzlich auch Patron der Bettler und der Geächteten.

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