1.08.2017
Luthers Theologie

Das Sakrament der Taufe

Die Taufe ist eines von zwei Sakramenten in der evangelischen Kirche. Aber was bedeutet die Taufe? - Luthers Verständnis und wozu die Taufe dient.
Baby bei der Taufe.

In der Abendmahlsfrage führte Luther einen erbitterten Konflikt mit Rom, in der Frage der Taufe sah er keinen Anlass dazu. Er fand dieses Sakrament in seiner Kirche sogar "ungeschmälert und unbefleckt durch Menschensatzungen erhalten" und dankte Gott, dass er es "für alle Völker und alle Stände der Menschen freigehalten hat".

Allerdings monierte Luther die Vielzahl der zusätzlichen Riten, die das Taufgeschehen zu überwuchern drohten: "unter die Augen blasen, bekreuzigen, Salz in den Mund geben, Speichel und Erde in die Ohren und Nase tun; mit Öl auf der Brust und den Schultern salben und mit Chrisam die Scheitel bestreichen, Taufhemd anziehen und brennende Kerzen in die Hände geben, und was dessen mehr ist." Luther wandte ein, die Taufe könne auch wohl ohne solches alles geschehen, "und das sind nicht die rechten Griffe, die der Teufel scheut oder flieht".

Luther thematisierte die Taufe im Jahr 1519 in seiner Schrift "Ein Sermon von dem heiligen, hochwürdigen Sakrament der Taufe". In seiner Deutung der Taufe ging er von dem griechischen Wort "baptismos" (Ein- oder Untertauchen) aus. Die Taufe sieht er bildhaft dargestellt durch das ursprünglich geübte völlige Untertauchen des Täuflings im Wasser und sein Wiederauftauchen als Handlung, die das Sterben und Auferstehen des Menschen mit Christus symbolisiert. Luther knüpft hier in seinem Taufverständnis stark an den Apostel Paulus (Römer 6) an.

Alles zur Taufe

  • DIE ZAHL DER SAKRAMENTE hat Luther von sieben auf zwei reduziert: Taufe und Abendmahl. Diese Reduktion stellt eine Konzentration auf das Wesentliche und besonders auf das biblisch Bezeugte dar, denn die Schrift weiß nur von diesen beiden zentralen Handlungen der Kirche. Das wird heute auch von der römisch-katholischen Kirche anerkannt, wenn sie von den zwei Hauptsakramenten (sacramenta majora) spricht. Auf sie sind die übrigen Sakramente (sacramenta minora) bezogen, "denn in allen Sakramenten wird das Leben mit Christus entfaltet, das in der Taufe gegründet ist, und dessen Quelle und Mitte die Eucharistie ist" (So in der katholisch-lutherischen Studie "Communio Sanctorum" Gemeinschaft der Heiligen aus dem Jahr 2000).

 

  • BEI DER TAUFE LIEGEN DIE VERHÄLTNISSE anders als beim Abendmahl: Hier ist im Mittelalter keine grundsätzliche Veränderung der Lehre eingerissen, darum sind über die Taufe auch in der Reformationszeit keine kirchentrennenden Gegensätze zwischen Luther und Rom aufgebrochen. Das bezeugt Luther ausdrücklich und dankbar in seiner theologischen Entfaltung der Sakramentslehre über die Taufe: "Gebenedeit sei Gott und der Vater unseres Herrn Jesu Christi, der ... nach dem Reichtum seiner Barmherzigkeit wenigstens dieses einzige Sakrament in seiner Kirche ungeschmälert und unbefleckt durch Menschensatzungen erhalten hat und es für alle Völker und alle Stände der Menschen freigehalten hat. Er hat nicht geduldet, dass es durch schändliche Gewinnsucht und gottlosen Aberglauben unterdrückt wird."

 

  • DESHALB FINDET DIE TAUFE heute zwischen beiden Kirchen in der Regel gegenseitige Anerkennung. Auch die römisch-katholische Kirche, die früher oft den gültigen Vollzug der Taufe in der evangelischen Kirche in Frage stellte und bei Übertritt zu ihr eine "Eventualtaufe" vollzog, verzichtet darauf heute.

Das Sakrament vs. das Werk

Mit großem Ernst entfaltet Luther, was das Leben aus der Taufe heißt: "Davon wird das ganze Leben des Christen geprägt, es heißt also Sterben lernen." Er sieht in der Taufe "ein seliglich Sterben der Sünde und Auferstehung in Gnaden Gottes". Darum ist für Luther das ganze Leben "ein geistliches Taufen ohne Unterlass bis in den Tod". Er unterscheidet dabei zwischen dem Sakrament der Taufe und dem Werk der Taufe: Der Mensch hat das Zeichen Gottes, die Taufe, aber er bleibt als Sünder weiterhin auf die Vergebung Gottes angewiesen: "Die Sünde wird in der Taufe ganz vergeben, nicht so, dass sie nicht mehr da sei, sondern dass sie nicht zugerechnet wird."

Nach römisch-katholischem Verständnis werden die Erbsünde und alle Sünden durch die Taufe so vergeben, dass der Getaufte nicht mehr wesenhaft Sünder bleibt. Bei Verlust der Taufgnade durch schwere Sünde hilft die Taufe allein nicht mehr, es bedarf des Sakraments der Buße als Ersatz und Erneuerung.

Luther sieht es dagegen als einen großen Irrtum, "wenn man meint, man sei durch die Taufe ganz rein geworden". Der zweite Irrtum ist der Glaube, man könne die Taufe verlieren. Er stellt klar: "Böse Neigung" gibt es auch nach der Taufe, "aber dass sie unschädlich geworden sei, muss man Gottes Gnade zuschreiben, der sie nicht anrechnen will". Luther verlangt jedoch, dass "man sie mit vielen Übungen, Werken und Leiden bekämpfe und zuletzt mit dem Sterben töte. Welche das nicht tun, denen wird er sie nicht nachlassen."

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Luther versteht die Taufe also nicht als eine magisch-seinshafte Veränderung des Menschen, sondern als Gottes Tat am Menschen, die ihm ermöglicht, gegen die Sünde zu kämpfen und sie zu töten, allerdings im alleinigen Vertrauen auf die Vergebung. Von daher kommt Luther in dieser frühen Schrift zu sehr strengen, fast mönchischen Konsequenzen: "Also folget daraus, dass die Taufe alle Leiden und besonders den Tod nützlich und hilfreich macht." Luther kann das sagen, weil Leiden und Tod für ihn das Werk der Taufe bestärken, nämlich den alten Menschen in den Tod zu geben.

Verheißung und Glaube

Ein Jahr später, in seiner Hauptschrift "Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche" (1520), beschreibt Luther die Taufe unter den beiden Leitbegriffen "Verheißung und Glaube", nämlich Gottes Verheißung an uns und für uns und unsere vertrauende Antwort darauf im Glauben. "Das erste, was bei der Taufe beachtet werden muss, ist also die göttliche Verheißung, die sagt: 'Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden.' Luther mahnt, diese Verheißung allen Werken, Gelübden und Klosterregeln vorzuziehen, denn an dieser Verheißung hängt unsere ganze Seligkeit. Wir sollen "Glauben an ihr üben und ganz und gar nicht zweifeln, dass wir selig sind, nachdem wir getauft sind."

Luther gründet diese Heilsgewissheit - natürlich - auf die Bibel: "Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden" (Markus 16,16a). Von daher ergibt sich (Markus 16,16b), dass die eigentliche Sünde gegenüber der Taufe der Unglaube ist: "Denn keine Sünde kann ihn verdammen außer dem Unglauben allein."

Luther verbindet von daher Taufe und Buße ganz eng: Er sagt von der Buße, dass sie "eigentlich nichts anderes ist denn die Taufe". Buße ist für ihn "eine Wiederkehr und ein Hinzutreten zur Taufe, dass man das wiederholt und treibt, was man zuvor angefangen und wovon man doch abgelassen hat".

Im Großen Katechismus (1529) ändert sich der Ton. Die Ausführungen Luthers zur Taufe stehen hier schon unter dem Einfluss der Bestreitung der Kindertaufe durch die sogenannten Wiedertäufer. Von daher versteht sich die starke Betonung der göttlichen Einsetzung der Taufe. Sie ist jetzt nicht mehr in erster Linie Verheißung, sondern Gebot, ja Befehl Gottes. Luther vertritt hier den Ansatz, "dass man nicht zweifle, die Taufe sei ein göttlich Ding."

Die Menschen, argumentiert er, werden gleichsam von Gott selbst getauft, nicht von Menschen. "Es ist Gottes eigenes Werk". Darum gilt: "Wer die Taufe verwirft, der verwirft Gottes Wort, den Glauben und Christus."

Wozu die Taufe dem Menschen dient?

Im Anschluss an Markus 16,16 schreibt Luther: Sie erlöst von Sünde, Tod und Teufel, versetzt in Christi Reich, wenn der Getaufte darauf sich verlässt. Denn nur der Glaube ergreift das göttliche Geschenk der Taufe. Allerdings sieht sich Luther in der Abwehr der Wiedertäufer genötigt, das Verhältnis von Taufe und Glaube so klarzustellen: "Mein Glaube macht nicht die Taufe, sondern empfängt die Taufe."

Wichtig ist Luther auch der seelsorgerliche Aspekt der Taufe. Wenn Sünde und Gewissen den Angefochtenen beschweren, kann er sagen: "Ich bin dennoch getauft", Luther hat dies selbst immer wieder geübt.

Im Kleinen Katechismus (1529) beschreibt Luther vor allem die Anwendung der Taufe im Christenleben: Unter der Frage "Was bedeutet denn solch Wassertaufen?" entfaltet er das Leben des Christen aus der Taufe: "Es bedeutet, dass der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäuft werden und sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten; und wiederum täglich herauskommen und auferstehen ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinheit vor Gott ewiglich lebe." Luther fügt dazu auch die entscheidende biblische Belegstelle hinzu: "Wir sind mit Christus begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln" (Römer 6,4).

Von daher beschreibt Luther das Leben des Christen - jetzt aber ohne Bezugnahme auf das Mönchtum - als einen lebenslangen Kampf gegen die Sünde, eben ein tägliches Sterben und Auferstehen als ein Zurückkehren, "Zurückkriechen" unter die Taufe. Was die Taufe sakramental voraus abbildet und ein für alle Mal vollzieht, geschieht im Laufe des Lebens des Christen alle Tage wieder, muss so verwirklicht werden, bis es sich im glaubenden Sterben und der Auferstehung am Jüngsten Tag vollendet.

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