17.02.2019
Evangelische Morgenfeier

Predigt: Wider die Rechthaberei (Koh 7,15-18)

"In der Mitte bleiben, die Extreme vermeiden, Gott lieben und ehren: das heißt Rauskommen aus der unguten Rechthaberei, in die ich immer wieder gerate – im menschlichen Miteinander, aber auch still in mir." Evangelische Morgenfeier von Pfarrerin Elke Eilert, Wolfratshausen.
Gras im Wind

Miteinander streiten

Es soll ja Ehepaare geben, die leben in steter Harmonie. Kein Streit, nie ein lautes Wort. Alle strittigen Punkte werden rücksichtsvoll untereinander ausgehandelt oder in stiller Übereinstimmung geregelt. Mein Mann und ich schaffen es leider nicht, völlig auf Streit zu verzichten.  Grad wenn wir beide strapaziert sind vom munteren Allerlei in Familie und Beruf, grad dann wird der Ton mitunter etwas rauer.  "Ja, im August hab‘ ich Zeit, ja, ich trags mir ein für den 8. Ich freu mich schon. Bis dann, adieu."  Ich hab‘ das grad noch aufgeschnappt. Misstrauisch frage ich meinen Mann: "Hast du jetzt was ausgemacht für den 8. August??"  "Ja, da können wir Musik machen, auf dieser Kleinkunstbühne in... äh..." Ich alarmiert: "Der 8. August! Das ist in den Sommerferien. Du weißt doch: in diesem Jahr hab ich Urlaub in den ersten Ferienwochen. Da wollten wir wegfahren." "Bin ich denn ein Hellseher, wann du Urlaub machen kannst? So eine Auftrittsgelegenheit kommt nicht dauernd daher. Da fahr‘ma halt später los." "Über eine Woche später... der Sommerurlaub ist eh schon immer derart kurz!!"  So geht es hin und her, wir werden immer heftiger. Im ungünstigsten Fall heizen wir sogar den Konflikt noch an, weil wir plötzlich ein Muster erkennen: Das ist ja typisch für dich. Du bist immer soo ... Auch dabei fällt uns beiden sicher einiges ein, wir sind ja schon ein paar Jahrzehnte verheiratet.

Ein jüdischer Witz geht so:

"Einer kommt zum Rabbi und erzählt ihm von seinem Streit mit einem anderen. Der Rabbi sagt: Hast recht. Dann kommt der andre und erzählt von der nämlichen Sache. Der Rabbi sagt: Hast recht. Das hört ein Dritter, der sagt: Aber Rabbi, ihr könnt doch nicht zu diesem und jenem sagen, er habe Recht! Der Rabbi sagt: Hast auch recht."

Ja, ich kenn das aus allernächster Nähe. Wenn wir daheim in Streit geraten, dann geht es oft darum, dass jeder Recht behalten will. Doch in dem Witz blitzt auf: Jeder hat Recht, vielleicht der eine in dem einen Moment der Geschichte, der andere in dem anderen.  Vielleicht hat der eine recht für den beschränkten Bereich der Wirklichkeit, den er überblickt, die anderen für den Bereich der Wirklichkeit, der ihnen zugänglich ist.  

Ungute Rechthaberei vermeiden

Wie kommt man raus aus einer unguten Rechthaberei? Dazu lädt ein Stücklein Bibel ein und es sind, wie immer, ungewöhnliche Gedanken drin. Dort, im Buch Prediger, spricht einer:

In meinen Tagen voll Windhauch habe ich beides beobachtet:
Es kommt vor, dass ein gesetzestreuer Mensch
trotz seiner Gesetzestreue elend endet, und es kommt vor,
dass einer, der sich nicht um das Gesetz kümmert,
trotz seines bösen Tuns ein langes Leben hat.
Halte dich nicht zu streng an das Gesetz,
und sei nicht maßlos im Erwerb von Wissen!
Warum solltest du dich selbst ruinieren?
Entfern dich nicht zu weit vom Gesetz,
und verharre nicht im Unwissen:
Warum solltest du vor der Zeit sterben?
Es ist am besten, wenn du an dem einen festhältst,
aber auch das andere nicht loslässt.
Wer Gott fürchtet, wird sich in jedem Fall richtig verhalten. (Koh 7,15-18)

Ein ungewöhnlicher Tipp aus der Bibel –  hier wird nicht wie sonst empfohlen, sich klar für ein frommes Leben zu entscheiden, ganz und gar gebunden an Gottes Wort und seine Gebote.  Stattdessen werde ich aufgefordert in der Mitte zu bleiben – zwischen Frömmigkeit und Gleichgültigkeit. Die göttlichen Gebote nicht zu verachten, aber sie auch nicht allzu penibel zu erfüllen.

Das Gesetz, von dem hier die Rede ist, ist natürlich nicht das bürgerliche Gesetzbuch, sondern das göttliche Gesetz, die Tora. Die Tora - die ersten fünf Bücher des altehrwürdigen Testaments, dem ersten Teil der Bibel.

Dort, im Alten Testament, findet sich das Buch Prediger. Früher dachte man, König Salomo, der Sohn des berühmten König David, wäre der Verfasser der kleinen biblischen Schrift. Die Bibelforschung sagt, dass die Schrift nicht schon zu Salomos Zeiten entstanden ist, sondern einige Jahrhunderte später. Ihr Verfasser ist vermutlich der Mensch, der sich in den ersten Zeilen des Buchs Prediger den Namen Kohelet gibt. Kohelet, das ist jemand, der eine Versammlung einberuft oder vor einer Versammlung spricht. Ein Versammler. Manche nennen deswegen das Buch Prediger "Versammler" oder hebräisch "Kohelet". Weisheiten hat er versammelt, wie wir sie gerade gehört haben. Tipps zum guten Leben. Wider die Rechthaberei.

Ein Wort durchzieht das Buch Kohelet. Schon in seinem ersten Satz lese ich es mehrfach: Windhauch, Windhauch, spricht Kohelet, Windhauch, das ist alles Windhauch. 37 Mal kommt dieses Wort im Buch Kohelet vor, ebenso oft wie das Wort "Gott"  - das ist sicher kein Zufall.  Gott ist ewig, verlässlich und unvergänglich, wir Menschen dagegen sind das glatte Gegenteil: Windhauch, unstet, vergänglich. Unser Lebensweg ist ein Weg in den Tod. Das hört sich nicht sehr optimistisch an. Aber im Bewusstsein der Vorläufigkeit und der Vergänglichkeit unserer Existenz bekommt jeder einzelne Moment seinen Wert. Jeder Augenblick ist kostbar und lebenswert, den wir auf der Erde verbringen dürfen, die Gott uns geschenkt hat. Davon ist Kohelet überzeugt. Nun, warum die kostbare Zeit vertun mit Ärger?   Es geht darum einen Weg zu finden, in dem das Leben sich entfalten kann, egal wie lange es uns gegeben ist.

Nun beobachtet Kohelet: es gibt keinen Zusammenhang zwischen penibler Gebotserfüllung und einem langen Leben. Im Gegenteil - grad die leben lange, die sich nicht um Gott und seine Gebote scheren.

Und er folgert, beides hindert das Leben, das Gott dir gibt: eine rigide Frömmigkeit, die dir und anderen mächtig viel abverlangt. Oder eine saloppe Gleichgültigkeit gegenüber dem Wort Gottes, die nachlässig macht gegenüber unseren Nächsten.

Rigide Frömmigkeit begegnet mir dort, wo Menschen überzeugt sind: Gott erwartet von ihnen, jedes Gebot ohne Wenn und Aber zu erfüllen. Das kann Menschen sehr streng werden lassen zu sich selbst, aber auch denen gegenüber, die sich dieser Mühe nicht unterziehen. Die Menschenfreundlichkeit fördert das nicht. Liebe und Freude geraten unter Atemnot.  Ich erinnere mich noch an meine Zeit bei der evangelischen Jugend. Wenn wir damals gesagt haben: Der Gottesdienst soll Spaß machen. Dann hat schon mal ein Erwachsener mit ernster Miene und schmalen Lippen uns zurecht gewiesen: In der Kirche kennen wir keinen Spaß, nur Freude. Seltsam nur, dass ich immer wieder einmal mit älteren Leuten spreche, die kennen aus der Kinderzeit Kirche nur als freudlose Angelegenheit. Fromme Selbstgerechtigkeit – dem entkommt kaum einer, der sich selbst penible Gebotserfüllung auferlegt. Daran erinnert Kohelet. Aber auch die gegenteilige Haltung sieht er kritisch. "Entfern dich nicht zu weit vom Gesetz..."

Mit anderen Worten: "Sei nicht zu gottlos." Wenn ich mich heute umschaue in der Welt, dann meine ich zu erkennen, wie das zusammenhängt: Gleichgültigkeit gegenüber Gott und seinem Wort einerseits, Achtlosigkeit, ja Verachtung gegenüber Gottes Geschöpfen andererseits.  Wer den biblischen Gott kennt und ehrt, der weiß, dass dadurch auch sein Bild vom Menschen geprägt wird. Der Mensch ist Gottes Ebenbild – er hat damit eine unvergleichliche Würde. Jeder einzelne Mensch ist kostbar und einzigartig. Er verdient Schutz und Achtung. Wohl gemerkt jeder Mensch und nicht nur die Menschen, die meine Hautfarbe, meine Kultur, meine Nationalität, meine Religion oder meine sexuelle Orientierung teilen.

Bleib in der Mitte – zwischen Frömmigkeit und Gleichgültigkeit. Das einzige, was wirklich wichtig ist, ist die Ehrfurcht vor Gott. Wer Gott fürchtet, wird sich in jedem Fall richtig verhalten.

In der Mitte bleiben, die Extreme vermeiden, Gott lieben und ehren –  das heißt Rauskommen aus der unguten Rechthaberei, in die ich immer wieder gerate – im menschlichen Miteinander, aber auch still in mir. Ermutigung so zu leben höre ich in einem Choral, der mir sehr ans Herz gewachsen ist. "Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit"

Eigene Urteile überprüfen

Ich gestehe: Es gibt Personengruppen, die sind mir zuwider. Es bringt mich in Rage, wenn ich an sie denke. Steuersäumige Großkonzerne - alle, die mit dicken SUVs Straßen und Parkplätze verstopfen - rechtspopulistische Staatsoberhäupter - aggressive Lebensschützer - Autokonzerne, die erst betrügen und sich dann der Verantwortung für die Folgen des Betrugs entziehen... und so weiter.

Sei nicht zu fromm und sei nicht zu gottlos, höre ich Kohelet zu mir sagen. Ich höre ihn mir raten, mich vor schnellen Urteilen über andere Menschen zu hüten. Oft ist es sehr selbstgerecht, wie ich andere Personen beurteile – vor allem die, die die ich kaum kenne. Vielleicht sind das Menschen, bei denen ich aus großer Ferne etwas beobachte, was mich schockiert – Pegida- Demonstranten, Hooligans auf dem Weg zum Fußballstadion. Letztens wurde ich angeregt noch mal zu überprüfen, welche inneren Bilder mich zu selbstgerechten Urteilen verlocken.

Ich hatte eine Frau zu beerdigen, die ihre letzten Lebensjahre in einer kleinen Stadt in Deutschlands Osten zugebracht hat. Sie hatte sich dort sofort dem Ortsverband der GRÜNEN angeschlossen, hatte Freunde gefunden in der Partei und in der örtlichen Kirchengemeinde. Trotz hohen Alters war sie eine höchst aktive hilfreiche Mitbürgerin. Doch nach ihrem Tod geht es zurück in die alte Heimat. Sie wird im Familiengrab in einem oberbairischen Dorf beigesetzt.

Die Trauergemeinde besteht nur aus wenigen Leuten. Ein Ehepaar hat jedoch die weite Reise aus Ostdeutschland auf sich genommen, um der lieben Freundin das letzte Geleit zu geben. Neben diesem Paar sitze ich dann beim Trauerkaffee. Ich komme mit den Eheleuten ins Gespräch. Ja, sagt die Frau. Nach der Wende bin ich auch zu den GRÜNEN gegangen. Aber ich bin ausgetreten.  Warum? "Das hing mit den Pediga-Demonstrationen zusammen. Als das losging, hieß es damals in der Presse: Die da demonstrieren, das sind Kümmerexistenzen, Leute, die kaum was haben zum Leben und irgendwie den Anschluss verloren haben. Da hab‘ ich gedacht, so eine Kümmerexistenz ist mein Mann auch.

Der hat grad mal 500 E Rente, davon kann man echt nicht leben. Ich hab‘ mir dann gedacht: die Leute haben schon recht, wenn sie auf die Straße gehen. Es hat mich immer mehr geärgert, wie alle verteufelt worden sind, die da mitmachen. Man muss doch auch sehen, wie’s denen geht. Wir müssen mit genau den Leuten reden. Es braucht runde Tische mit den Menschen, die zu Pegida gehen und mit denen, die Pegida ablehnen. Aber an solchen Gesprächen war niemand bei den GRÜNEN interessiert. Es geht immer darum Recht zu haben, und deswegen werden alle Leute, die unzufrieden sind und deswegen demonstrieren, zu Staatsfeinden erklärt." Im Gespräch lerne ich meine Tischnachbarn noch etwas besser kennen. Sie gehören zu der Kirchengemeinde, in der die Tote beheimatet war, sie singt im Kirchenchor, er spielt die Orgel.

Die Begegnung rumpelt noch einige Tage in meiner Seele herum. Ich spüre meine Bilder wackeln, jene Bilder, die mich zu herben Urteilen über gewisse Personengruppen bringen – die Ossis und ihre Pegida, igitt. Ich mache die wohltuende Erfahrung: aus der Nähe fällt es viel schwerer zu urteilen, pauschal abzulehnen oder gar zu hassen. Mir tönt es im Ohr – sei nicht zu fromm oder zu gottlos. Bleib in der Mitte. Du bist jemandem begegnet, der Verständnis für Pegida-Demonstrationen hat und es wichtig findet, sich mit den dort Aktiven auseinanderzusetzen. Die Begegnung mit der Frau weckt mein Interesse am Leben der Menschen in Deutschlands Osten. Ich will wegkommen von meinem düsteren Bild von ihnen, in dem Schlagworte nachwirken wie "Dunkeldeutschland" oder "ostdeutsches Pack". "Du, lass dich nicht verhärten." Ganz im Geist von Kohelet singt das Wolf Biermann in den 70’er Jahren in Ostdeutschland.

Ostdeutschland: ein Beispiel für eine neue Sicht

Als 1989 die Mauer in der Mitte Deutschlands verschwindet und schließlich 1990 die Wiedervereinigung gefeiert wird, ist das für mich überwältigend: es wird herrlich unkompliziert, die Verwandtschaft in Leipzig und Dessau zu besuchen oder die Partnergemeinde in Rostock.  Wir unternehmen eine mehrtägige Radtour am ehemaligen Todesstreifen, nun ein grünes Band, das sich durch die Republik zieht mit vielen Gedenkorten.

Vergessen habe ich über diese schönen Erinnerungen, welch kolossale Umwandlung die Menschen durchgemacht haben, die in der DDR gelebt hatten, dort geboren und geprägt von Kindheit auf. Diese Menschen mussten nach der Wiedervereinigung hinter sich lassen, was bislang ihr Leben bestimmt hat: die Vollbeschäftigung, die Kinderkrippen, der monatliche Haushaltstag für berufstätige Mütter. Ein ganz eigenes System der Rentenberechnung. Es war sicherlich eine große Leistung, eine Anpassung ost- und westdeutscher Renten auf den Weg zu bringen und die Staatsbetriebe zu privatisieren oder abzuwickeln. Bei der schwierigen Aufgabe ein ganzes Land in ein anderes Wirtschaftssystem zu überführen kam es zu Ungerechtigkeiten, die nachwirken.

Nicht nur marode Betriebe verschwanden von der Bildfläche. Mancher Betrieb wurde geschlossen, um derselben Branche in Westdeutschland lästige Konkurrenz vom Hals zu schaffen. Viele verloren in der Nachwendezeit ihren Arbeitsplatz. Wer flexibel war, ist nach Westdeutschland gegangen, vor allem die Jugend. Der Westen lockte mit höheren Löhnen und stabileren Arbeitsverhältnissen. Mit herben Folgen für den Osten: die Geburtsrate sackt in den Keller, weiten Landstrichen droht die Überalterung. Und wer im Osten blieb, musste oft mit Zeiten der Arbeitslosigkeit oder geringen Einkommens leben – mit negativen Folgen für die eigene Rente. Viele ostdeutsche Rentner brauchen heute zusätzlich die Grundsicherung vom Staat für ihren Lebensunterhalt.

Mir gefällt und leuchtet ein, was Petra Köpping, Integrationsministerin in Sachsen, vorschlägt: Die Nachwende-Zeit muss auf die Tagesordnung. Geschichtswerkstätten sollen entstehen, Diskussionsforen. Verletzungen und Demütigungen dieser Zeit sollen festgehalten werden. Durch Erzählen und Diskutieren sollen Zeitzeugen ihre ehemaligen Lebens- und Arbeitsorte vor dem Vergessen bewahren. Es geht darum, den Menschen ein Forum zu schaffen, auf dem ihre Lebensgeschichte gewürdigt wird. Es ist zu hoffen, dass so manche Kränkung langsam heilen kann.  

Ehrfurcht vor Gott

Das alles ist ein großes Thema und doch habe ich es nur angerissen. Ich brauche solche Informationen, um die Bilder und Urteile, die mich zur unguten Rechthaberei führen, loszulassen, und mich stattdessen auf die Menschen einzulassen. Verharre nicht im Unwissen empfiehlt Kohelet. Denn Unwissen ist eine der Ursachen für Vor-Urteile.

Kohelet endet sein Nachdenken über den Mittelweg zwischen strikter Gesetzerfüllung und fehlender Gottesbindung mit dem Satz: Wer Gott fürchtet, wird sich in jedem Fall richtig verhalten.

An der Gottesfurcht, an der Gottesbindung hängt unser Menschenbild:  jeder Mensch - Gottes Ebenbild. Das macht ihn unantastbar in seiner Würde und absolut schützenswert. Deswegen erschrecke ich über Parolen auf Pegida-Demonstrationen wie "Multikulti stoppen, meine Heimat bleibt deutsch."  Den "Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlands" geht es um den Schutz des Abendlands vor dem Islam. Mit dem Begriff "Abendland" wird ein einheitlicher Raum beschworen, in dem alle eins sind – in Religion, Hautfarbe und Kultur. Das trifft aber weder auf Europa noch auf Deutschland zu. Wir leben in einer Zeit der Vielfalt. Türken, Italiener und Griechen leben in der Nachbarschaft. Sie sind vor Jahrzehnten eingewandert, weil man ihre Arbeitskraft für das deutsche Wirtschaftswunder brauchte. Deswegen gibt es heute selbst im katholischen Oberbayern Moscheen.  Mir wird himmelangst, wenn auf Pegida-Demonstrationen ein Deutschtum beschworen wird, in dem "die anderen" keinen Platz mehr haben. Solches Denken hat in Deutschland schon zu Hass und Massenmord geführt. Wenn einer so redet, dann will ich mit ihm nichts zu tun haben, so mein erster Impuls.

Kohelet rät mit, mich zu hüten vor Rechthaberei. Nein, ich muss es nicht gut finden, was die anderen denken, aber ich werde nichts ändern, wenn ich sie meinerseits verteufle und jeden Kontakt abbreche.

Ob ich das schaffe: erst mal zu zuhören, und zu verstehen, was den anderen treibt. Ob ich es schaffe, ruhig und gelassen meinen Standpunkt vorzutragen, und nicht mit verbaler Keule auf ihn einzuprügeln?

Ich, der Windhauch, will es versuchen und bitte Gott, den Ewigen, mir dabei zu helfen.

 

Evangelische Morgenfeier vom 17.2.2019 mit Pfarrerin Elke Eilert, Wolfratshausen, Thema: Wider die Rechthaberei (Koh 7,15-18)

Das PDF mit dem vollständigen Text kann beim BR heruntergeladen werden unter diesem Link.

 

 

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