Wie hält es die Bibel mit dem Geld? Eine spannende Frage: In 19 von 30 Gleichnissen Jesu geht es direkt oder indirekt um Geld oder Handel. Grund genug für die Evangelische Akademie Tutzing, sich dem Verhältnis von Gott und Geld ausführlich in einem Workshop in Hirschau zu widmen. Am 21. Mai 2022 will man in Kurzvorträgen, stiller Reflektion und im Austausch über Erfahrungen mit Geld und Glaubensfragen herausfinden, wie ein segensreicher Umgang mit Geld aussehen kann.

Wir haben mit Martin Waßink gesprochen. Er ist gelernter Volkswirtschaftler und seit 2020 Studienleiter an der Evangelischen Akademie Tutzing. Beim Workshop wird er einen Vortrag zum biblischen Verhältnis von Gott und Geld aus ökonomischer Perspektive halten. 

Das Verhältnis Gott-Geld ist ein spannungsreiches, oder?

Martin Waßink: Ja, die Bibel hält uns beim Thema Geld Zumutungen bereit. Der Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat es allerdings im Sonntagsblatt vor zehn Jahren so formuliert: Die Bibel kann Zumutungen auch in die Triebkraft eines neuen Lebens verwandeln.

"Es kann spannend sein, Geld im Sinne von Dienst und Nächstenliebe zu denken."

Wie sieht das in diesem Fall konkret aus?

Waßink: Zwei Drittel aller Gleichnisse von Jesu haben etwas Merkantiles, haben entweder mit Geld oder Handel zu tun. Beides ist in Jesu Sprachgebrauch und auch im Wortschatz der Bibel sehr natürlich. Das kann uns zeigen , wie wichtig der Umgang mit Geld für uns alle ist, in unserer Sprache und in unserem Tun. Es ist, glaube ich, unzweifelhaft so, dass Geld im Leben von jedem Menschen eine wichtige Rolle einnimmt, weil wir um gewisse Entscheidungen im Kleinen wie im Großen, von der Haftpflichtversicherung bis zum Hauskauf, nicht umhinkommen. Das Thema Geld ist oft tabubehaftet und mit negativen Emotionen und Erfahrungen besetzt. Es kann also durchaus spannend sein, Geld stattdessen mal im Sinne von Dienst und Nächstenliebe zu denken. Zu schauen, wie können wir denn anhand einschlägiger biblischer Zitate auf eine gute Weise über Geld reden und unseren Umgang mit Geld auch reflektieren?

Also die Vorstellung überwinden, dass Geld die Wurzel allen Übels ist?

Waßink: Genau. Geld ist ja erstmal neutral. Das vollständige Bibelzitat dazu lautet auch: "Geldgier ist eine Wurzel alles Übels". Die Bibel hält Warnungen für uns bereit: Wo vergöttern wir Geld? Sie weist uns auf diese Gier hin, und das sind ungute Triebkräfte, die man sich bewusst machen sollte. Als Christ kann ich aber auch schauen, wo kann ich dienen mit dem, was mir an Gaben, Begabungen und eben vielleicht auch Geld geschenkt wurde.

Martin Waßink
Martin Waßink (geb. 1982) ist seit 1. Februar 2020 im Referat Wirtschaft und Arbeitswelt, nachhaltige Entwicklung der Evangelischen Akademie Tutzing tätig. Mit seiner Frau und einer Tochter wohnt er in Weiden (Oberpfalz.).

"Es geht darum, eine reflektierte, selbstbestimmte Haltung zum Thema Geld zu bekommen."

In vielen Kirchen in den USA sehen wir ja ein sehr ungebrochenes Verhältnis zum Geld. Sollte uns das ein Vorbild sein?

Waßink: Ich habe tatsächlich selbst schon freikirchliche Gottesdienste hier in Bayern besucht, wo es die Hälfte der Predigt um das Thema Geld und Spenden ging. Eigentlich war das nur noch eine Werbeveranstaltung für das, was die betreffende Freikirche alles angeblich Gutes machen will. Und wofür sie Geld braucht. Aber ich denke, das geht auch anders. Schaut man sich Botschaft von der doppelten Freiheit eines Christenmenschen von Martin Luther an: Wenn wir als Christenmenschen freie Herren aller Dinge und niemand Untertan sein können, dann gilt das, glaube ich, auch für das Thema Geld. Und um das geht es bei unserem Workshop: eine reflektierte, selbstbestimmte Haltung zum Thema Geld zu bekommen.

"Es gibt einen Unterschied zwischen einer christlichen Haltung und einer unbedachten Haltung zum Thema Geld."

Vielleicht sogar eine christliche Haltung zu Geld?

Waßink: Ich glaube, dass es nicht die eine christliche Haltung zum Geld gibt. Es gibt kein Patentrezept. Aber ich glaube, es gibt einen Unterschied zwischen einer christlichen Haltung und einer unbedachten Haltung zum Thema Geld. Und das bedeutet, einen im positiven Sinne nüchternen Umgang damit zu pflegen, ohne dass Gier, Zwang und Geiz Raum erhalten.

Wollen Sie auch das Thema Kryptowährungen streifen?

Waßink: Das haben wir tatsächlich nicht vor. Ich bin selbst kein Experte, sehe aber viele Gründe, warum es besser ist, davon die Finger zu lassen. Zumindest sollte man sich sehr gut informieren, bevor man da die ersten Schritte geht. Ganze Staaten finanzieren sich ja bekanntlich aus Raubzügen von Kryptowährungen, etwa Nordkorea. Mit diesem Thema wäre unser Workshop glaube ich überladen.

Göttliches Geld, merkantiler Gott? Hirschau, 21. Mai 2022

In 19 von 30 Gleichnissen Jesu geht es direkt oder indirekt um Geld oder Handel. Der Bibel sind wirtschaftliche Metaphern nicht fremd: Talente, der Ersatzgott Mammon und des Judas Lohn. Jesus selbst bezieht mal deutlich Position und manchmal spricht er in Rätseln. 

Den Kern des Glaubens bilden Tod und Auferstehung. Selbst hier geht es um Geschäfte, stellte der mittelalterliche Philosoph und Theologe Anselm von Canterbury (1033-1109) fest. Er verhalf der Satisfaktionslehre zum Durchbruch: Ist Jesu Leben das Lösegeld, das gezahlt wird, damit wir erlöst werden?

Wir möchten an diesem Tag eine Gelegenheit schaffen, von Geld und Gott zu reden, zu hören und zu reflektieren. In welches Verhältnis setzt die Bibel Gott und Geld? Nach der theologischen Perspektive geht es um die wirtschaftliche: Was sagt die Bibel zu unserem alltäglichen Umgang mit Geld? Und erfahren wir aus Jesu Gleichnissen auch etwas über einen segensreichen Umgang mit Geld?

Das wollen wir an diesem Tag gemeinsam herausfinden – in Kurzvorträgen, stiller Reflektion und im Austausch über unsere Erfahrungen mit Geld und Glaubensfragen.  

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