14.01.2018
#Glaubensfrage

Theologieprofessor Jörg Lauster über Kirche, Glaube und Reformation

Warum Theologe werden? Der Theologieprofessor Jörg Lauster erklärt, weshalb er evangelische Theologie studiert hat und was Reformation für ihn bedeutet.

Jörg Lauster ist Theologieprofessor an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Der evangelische Theologie beschäftigt sich vor allem mit der Kultur- und Sinngeschichte des Christentums. 2017 hat er ein Buch mit dem Titel »Der ewige Protest. Reformation als Prinzip« im Claudius-Verlag veröffentlicht. Im Videointerview spricht er über Theologie, Glaube und Reformation.

Warum Jörg Lauster Theologe geworden ist

Jeder Theologe hat sein eigenes »Berufungserlebnis«, ist Jörg Lauster überzeugt. Die prägende Gestalt für ihn war ein »faszinierender Religionslehrer, der mich in der Oberstufe begeistern konnte für die ganz großen Fragen«, sagt Lauster. Allerdings stamme er auch aus einem »kirchlich sozialisierten Haushalt«. So habe er regelmäßig Orgel gespielt und in seiner Jugend die »klassische Volkskirche« kennengelernt.

Wie sich die Theologie von Jörg Lauster geändert hat

In der eigenen Glaubensgeschichte gab es bei Jörg Lauster einen beträchtlichen Wandel. So habe er sein Studium als »Halbevangelikaler« begonnen, sich aber im Laufe der letzten zwanzig Jahre zu einem Theologen des »liberalen Kulturprotestantismus« gewandelt. »Mein großes Vorbild ist Schleiermacher. Der hat als Pietist angefangen und wurde liberaler«, sagt Lauster. Eine Glaubensbiografie ohne Brüche sei für ihn nicht denkbar, sagt Lauster.

Zur Bedeutung des Begriffs »Kulturprotestantismus«

Unter dem Begriff »Kulturprotestantismus« versteht man eine Strömung in der Theologie, die auf das 19. Jahrhundert zurückgeht. Kulturprotestantismus sei »der große Versuch, den Glauben zu leben  - und trotzdem ein moderner Mensch zu sein«, sagt Lauster.

Lauster meint zwar, dass der Begriff vielleicht nicht besonders glücklich gewählt wurde, sich aber inzwischen etabliert habe. Dem Kulturprotestantismus gehe es darum, besonders offen und neugierig zu sein für die Ausprägungen der Welt.

Jörg Lauster erklärt die Reformation

»Die Kirche ist immer zu reformieren«, sagt der Theologieprofessor Jörg Lauster. Die Institution Kirche lebe in einem Auftrag, der größer sei als sie selbst, nämlich das Transzendente zu verkündigen und lebbar zu machen in der Welt. Und das heißt, dass man dauerhaft darauf reagieren muss, wie man diesen Auftrag leben kann – und deswegen ist Reformation ein »Prinzip« und ein Prozess und nicht nur ein einmaliges Ereignis.

 

Verlagsangebot

Jörg Lauster Reformation BuchcoverJörg Lauster

Reformation als Prinzip

ISBN 978-3-532-62496-8
 
 
 

Das Reformationsjubiläumsrauschen erreicht seinen Höhepunkt. Grund genug für einen kritischen Zwischenruf: Wie viel Selbstgefälligkeit verträgt der Protestantismus? Welche Zukunft hat Religion überhaupt in der heutigen Gesellschaft? Radikale Entchristlichung auf der einen, entschlossener Fundamentalismus auf der anderen Seite, dazwischen klerikal hochkirchliche und kuschelreligiöse Rettungsinseln oder überpolitisiertes, moralisch anstrengendes Weltverbesserertum.
Erinnerung an die Reformation heißt, das Unzähmbare an der Kraft des Heiligen selbst zu verstehen.
Reformation ist Prozess und Prinzip, vor allem aber ein dem Christentum selbst innewohnender Antrieb. Jörg Lauster, einer der profiliertesten Vertreter der liberalen Theologie, plädiert für eine Überwindung der landeskirchlich und konfessionell erstarrten Gestalt des deutschen Protestantismus und für eine Ökumene, die wesenhaft mehr sein muss als dogmatische Übereinstimmungserzielung.

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