8.03.2018
Weltfrauentag

Internationaler Frauentag: 10 Frauen, die jeder kennen sollte

Am 8. März ist der Internationale Frauentag. Wir stellen zehn wichtige Frauen aus Kirche und Religion vor, die jeder kennen sollte.
Evangelische Frauen / Collage

Der Internationale Frauentag, der am 8. März 2018 begangen wird, entstand als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um Gleichberechtigung, Frauenwahlrecht und Emanzipation von Arbeiterinnen.

Vieles, was die Frauenbewegung im Laufe der Zeit erkämpft hat, ist heute selbstverständlich. Doch werden Frauen weltweit immer noch benachteiligt. Die religiöse, gesellschaftliche, wissenschaftliche und politische Rolle, die Frauen in der Geschichte gespielt haben, ist in der Vergangenheit meist nur wenig beachtet worden.

Wir stellen zehn Frauen vor, die in Kirche und Diakonie eine wichtige Rolle gespielt haben. Sie kennen diese Frauen? Dann nehmen Sie Teil an unserem Quiz zu den Frauen der Reformation. Oder Sie engagieren sich in eine der vielen Frauenorganisationen, die es im evangelischen Bereich gibt - hier finden Sie einen Überblick.

 

Elisabeth Cruciger - die erste evangelische Lieddichterin

Elisabeth Cruciger

17 Texte der insgesamt 669 Stücke im deutschsprachigen Evangelischen Gesangbuch von 1995 stammen von Frauen. Die erste Kirchenlieddichterin war Elisabeth Cruciger (um 1500 geboren, 1535 in Wittenberg gestorben) – eine geflohene Nonne und Bekannte des Reformators Martin Luthers. Elisabeth Cruciger schrieb 1524 das Lied "Herr Christ, der einig Gott Sohn", das noch heute im Evangelischen Gesangbuch steht und gerne am letzten Sonntag nach Epiphanias gesungen wird. Die Melodie entlehnte sie von einem bekannten Marienlied. Das hatte sie als junge Nonne im Kloster Treptow ihrer pommerschen Heimat oft gesungen. Mehr zur Musik von Elisabeth Cruciger.

 

Elisabeth Schmitz - eine Frau im Widerstand der Bekennenden Kirche

Elisabeth Schmitz

Sie forderte von der Bekennenden Kirche, die verfolgten Juden in die Fürbitten aufzunehmen, und ließ sich nach der Pogromnacht pensionieren, weil sie für das NS-System nicht mehr arbeiten wollte. Von 1928 an gehörte Elisabeth Schmitz der deutschen Sektion des "Weltbunds für internationale Freundschaftsarbeit der Kirchen" an. Der Weltbund war die erste ökumenische Friedensorganisation und setzte sich in den 1920er-Jahren vor allem für Abrüstung und Minoritätenfragen ein. 1934 schloss sich Elisabeth Schmitz der Bekennenden Kirche an. Ein Jahr später schrieb sie eine Denkschrift, in der sie sich beherzt gegen die antijüdische Hetze in der Presse wendete. Zum 31. Dezember 1938 quittierte sie ihren Dienst als Lehrerin. Da war sie 45 Jahre alt. In ihrem Wochenendhäuschen versteckte sie "nichtarische" Gäste. Nach Kriegsende nahm sie ihren Schuldienst wieder auf. Ein umfassendes Porträt zu Elisabeth Schmitz lesen Sie auf der Seite der "Evangelischen Christinnen und Christen im Nationalsozialismus".

 

Amalie Rehm – Diakonisse und Managerin in Neuendettelsau

Amalia Rehm

Die Diakonisse Amalie Rehm (1815-1883) war eine von drei Vorsteherinnen der 1854 neu gegründeten Diakonissenanstalt in Neuendettelsau. Die "Bildungsanstalt des weiblichen Geschlechts" wurde zum "Dienste der Unmündigen und Leidenden" gegründet. Amalie, Tochter des Pfarrers Michael Rehm, wuchs im oberschwäbischen Memmingen auf. Als junge Frau gründete sie den Verein für christliche weibliche Erziehung. Bei einem Besuch in Neuendettelsau begegnete sie Wilhlem Löhe, der die Diakonisse einlud, beim Aufbau der Anstalt zu helfen. 1858 wurde Amalie zur Oberin ernannt. Als "Managerin" war sie für die Buchführung zuständig, vertrat das Haus vor Gericht und erteilte Unterricht. Ihr Grab befindet sich auf dem Neuendettelsauer Friedhof. Im Bayerischen Garten bei der Weltausstellung in Wittenberg widmete sich ein Stand dem Leben von Amalie Rehm.

Anna Gräfin von Zinzendorf – Herrnhuter Missionarin

Anna Zinzendorf

Anna Gräfin von Zinzendorf floh mit ihrer Familie als Neunjährige aus der mährischen Heimat nach Sachsen. Bei der Herrnhuter Gemeinde lernte sie das christlich-soziale Gemeinwesen kennen. Mit vierzehn Jahren wurde Anna das Amt der "Ältestin" in der Gemeinde überrtragen, womit sie für die Belange der Frauen zuständig war. In dieser Funktion gründete sie ein "protestantisches Frauenkloster" in Herrnhut. Ab 1740 widmete sie sich der Mission und reiste nach Amerika, wo sie beim Aufbau der Siedlung von Bethlehem mitwirkte – dem heutigen Hauptsitz der Brüdergemeinde in den USA. Dort wird bis heute auch der Herrnhuter Weihnachtsstern produziert - nur echt mit 25 Zacken.

 

Caritas Pirckheimer - Äbtissin des Klarissenklosters in Nürnberg

Caritas Pirckheimer

Über ihre Kindheit ist nur wenig bekannt. Doch als Äbtissin des Klarissenklosters in Nürnberg machte Caritas Pirckheimer (1467 – 1532) von sich Reden und hielt Kontakt zu Humanisten und Gelehrten. Als Verfechterin der Religions- und Gewissensfreiheit wehrte sie sich gegen die Zwangseinführung der Reformation in ihrem Kloster. Ab 1524 notierte sie als kritische Beobachterin die Ereignisse in Form einer Chronik. Nach ihrem Tod versuchten ihre Nachfolgerinnen, sich weiterhin gegen die Ratsbeschlüsse zu wehren. 1596 verstarb die letzte Klarissin in Nürnberg. Heute befinden sich die sterblichen Überreste von Caritas Pirckheimer in der ehemaligen Klosterkirche St. Klara.

 

Elisabeth Braun – Stifterin für die Begegnung von Christen und Juden

Elisabeth Braun (Collage)

Elisabeth Braun (1887-1941) wuchs in München in einer wohlhabenden jüdischen Schneidermeisterfamilie auf; 1920 trat sie aus der Israelitischen Kultusgemeinde aus und trat in die evangelische Kirche ein. Von ihrem Vater erbte sie das Hildebrandhaus in Bogenhausen. Während des Nationalsozialismus vermietete sie ihre Wohnungen  an mindestens 15 Menschen jüdischer Herkunft, darunter viele alleinstehende Frauen. 1941 wurde Braun interniert und nach Litauen deportiert, wo sie nach drei Tagen Zugfahrt getötet wurde. Das Haus, das sie an die Kirche vererbt hatte, wurde zum Grundstock des "Nachlass Elisabeth und Rosa Braun", mit dem der Verein "Begegnung von Christen und Juden" unterstützt wird.

 

Antonie Nopitsch – Begründerin des Frauenarbeit in Bayern

Antonie Nopitsch

Antonie Nopitsch (1901-1975), das jüngste von drei Kindern eines Tierarztes, wuchs in einem evangelischen Umfeld in München auf. Sie studierte Nationalökonomie und promovierte über die "japanische Auswanderung". Als Dozentin für Sozialwissenschaft und Fürsorgerecht unterrichtete sie an der Evangelischen Sozialen Fachschule für Frauen. Aufgrund ihrer unkonventionellen Art musste sie die Stelle nach fünf Jahren verlassen. Ab 1933 begann sie mit dem Aufbau von evangelischen Bildungsangeboten für Frauen. Sie war eine der Gründerinnen des Bayerischen Mütterdienstes (seit 2002 Frauenwerk Stein) und des "Deutschen Müttergenesungswerk – Elly-Heuss-Knapp-Stiftung". Als "Mutter aller Mütter", wie sie genannt wurde, vertrat Nopitsch ein traditionelles Frauenbild, bei dem die Frau als Bewahrerin der Familie galt. Die zunehmende Vereinnahmung durch Nationalsozialisten versuchte sie durch eine Betonung der Kirchlichkeit zu vermeiden. Bei einer USA-Reise lernte sie den Weltgebetstag kennen; ein Jahr später wurde die Liturgie zum Weltgebetstag im Frauenwerk Stein gedruckt und 10.000 Exemplare in ganz Deutschland verschickt.

Argula von Grumbach  - protestantische Publizistin

Argula von Grumbach

Argula von Grumbach (1492-1554) aus Lentin gilt als eine der wichtigen evangelischen Publizistinnen. Ihre Briefe und Schriften wurden in hoher Auflage als Flugblätter verteilt. Sie korrespondierte mit Martin Luther und Paul Speratus. Ihr Eintreten für den lutherischen Glauben hatte drastische Konsequenzen. Ihrem Mann wurde das Amt genommen, die Familie geriet in finanzielle Not.

Nach dem Tod ihres Mannes heiratete sie 1533 den Grafen Schlick zu Passau, wurde aber bald wieder Witwe. Laut Straubinger Urkundenbuch wurde Grumbach als 70-Jährige im Jahr 1563 in Straubing inhaftiert, weil sie ihre Untertanen in Köfering zum Abfall von der katholischen Kirche durch Vorlesen aufrührerischer Bücher veranlasst habe. Heute erinnert die Argula-von-Grumbach-Stiftung an die streitbare Publizistin.

 

Katharina von Bora – Nonne, Ehefrau des Reformators Martin Luther

Katharina von Bora

Martin Luther nannte seine Ehefrau "Herr Käthe", für viele gilt sie bis heute als "die Lutherin". Katharina von Bora wurde am 29. Januar 1499 als Tochter einer verarmten Landadelsfamilie in der Nähe von Leipzig geboren. Sie musste sie wegen des frühen Todes ihrer Mutter in die Klosterschule und kam dann in das Zisterzienserinnenkloster Marienthron bei Grimma. Acht Jahre nach ihrem Nonnengelübde floh 1523 sie mit elf weiteren Nonnen aus dem Kloster nach Wittenberg. Dort heiratete sie am 13. Juni 1525 Martin Luther. Bora kümmerte sich um Haus, Hof, Knechte und Mägde, um Ernährung, Obstbau, Viehzucht und die Verköstigung von Familie und Kindern sowie den vielen Gästen im Hause Luther. Nach Luthers Tod 1546 musste Katharina Schulden machen, weil das Erbe durch Pest und Kriege zerstört worden war. Sie starb an den Folgen eines Unfalles am 10. Dezember 1552. Im Jahr 2017 erschien ein Film über Katharina Luther.

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