Externe Instanzen prüfen derzeit die Vorwürfe gegen den Münchner Diakonie-Chef. Der Aufsichtsrat des Wohlfahrtsverbands habe Ende Juli eine Rechtsanwaltskanzlei damit beauftragt, den Vorwurf der sexualisierten Gewalt zu untersuchen, bestätigte die Pressestelle der Diakonie München und Oberbayern am Montag auf Anfrage des Evangelischen Pressediensts epd. Zuerst hatte der Bayerische Rundfunk (BR) über den Fall berichtet.

Kostenprüfung des Umbaus auf dem Diakonie-Campus

Zudem hätten die derzeit amtierenden Vorstände einen externen Revisor bestellt, der die Kosten des Umbauprojekts auf dem Diakonie-Campus unter die Lupe nimmt. Der beschuldigte Vorstandssprecher sei bis Ende September "nicht im Dienst", teilte die Pressestelle weiter mit. Nach epd-Informationen wurde der 58-jährige Pfarrer vom Aufsichtsrat beurlaubt. Wie der BR berichtet, hat er mittlerweile Anzeige gegen Unbekannt wegen Verleumdung gestellt. Die Berichte von Revision und Rechtsanwälten werden laut Pressestelle Anfang Oktober erwartet.

Der Vorwurf der "verbalen und körperlichen Grenzüberschreitung" fußt vor allem auf der Meldung einer früheren Diakonie-Mitarbeiterin, die sich dem BR-Bericht zufolge bereits im Herbst vergangenen Jahres an die Fachstelle "Aktiv gegen Missbrauch" der bayerischen evangelischen Landeskirche gewandt hatte. Aus Datenschutzgründen könne man das nicht bestätigen, teilte die Fachstelle auf epd-Anfrage mit.

Die Ansprechstelle für Betroffene verstehe sich als vertrauliche Clearingstelle, die Betroffene begleite, sagte eine Mitarbeiterin: "Wir nehmen ernst, was gesagt wird, aber wir prüfen keine Plausibilität." Viele Frauen zweifelten an ihrer Wahrnehmung von sexualisierter Gewalt, weil ihr Umfeld oft beschwichtige oder verharmlose. Die Fachstelle helfe Betroffenen bei der Einschätzung von Erlebtem und bahne gegebenenfalls nächste Schritte an.

Neben der konkreten Meldung der "verbalen oder körperlichen Grenzüberschreitung" gebe es weitere anonyme Anschuldigungen, die dem Aufsichtsrat vorlägen, bestätigte die Diakonie.

Ob der Aufsichtsrat seit Herbst 2021 Prozesse zur Aufklärung des Sachverhalts eingeleitet hatte oder nicht, ließ das Unternehmen unbeantwortet. Ein Sprecher der Diakonie Bayern, dem Dachverband zu dem auch die Diakonie München gehört, betonte, dass die Vorwürfe "im Interesse aller Beteiligten" rückhaltlos aufgeklärt werden müssten. Sexualisierte Gewalt widerspreche den Wertevorstellungen der Diakonie "komplett" und schadeten ihrem Ansehen in der Öffentlichkeit.

Neben den Vorwürfen der Grenzüberschreitung sind laut BR anonyme Vorwürfe wegen Geldverschwendung bekannt geworden. Sie bezögen sich auf die Umbaumaßnahmen im dritten Stock des Löhe-Hauses, wo künftig die Vorstandsetage der Diakonie untergebracht werden soll. Nach epd-Informationen waren dort zunächst ein teurer Parkettboden und eine "Pflanzenwand" geplant, der BR berichtet von Designermöbeln. Nach epd-Informationen wurden diese Pläne jedoch bereits vor längerem gestoppt.

Diakonie München: Unvorhergesehene Kosten für Bauarbeiten

Laut Diakonie ist der Umzug des Vorstands Teil einer größeren Baumaßnahme, bei der das Ensemble aus Diakoniezentrale und Löhe-Haus zu einem Campus umgestaltet und stärker für die Menschen im Stadtteil geöffnet werden solle. Die Kosten seien mit 1,35 Millionen Euro veranschlagt gewesen und sollten aus dem "erwirtschafteten Investitionsbudget" finanziert werden. Durch die allgemein gestiegenen Baukosten und eine unvorhergesehene Asbestbeseitigung müsse jedoch mit einer Kostensteigerung um rund 30 Prozent gerechnet werden, so die Pressestelle.

Die Diakonie München und Oberbayern beschäftigt nach eigenen Angaben über 5.000 Mitarbeitende und 2.500 Ehrenamtliche in rund 300 sozialen Einrichtungen.