9.10.2016
Einweihung

Drei Jahre lang wurde ein altes Wirtschaftsgebäude zur neuen Kirche umgebaut. Nun hat die schwäbische Gemeinde in Illertissen ihr neues Gotteshaus - in ungewöhnlichem Gemäuer.
Pfarrer Hans-Joachim Scharrer vor Umbau
Bauen bis zum Schluss: Kurz vor der Einweihung wurde der Innenraum der neuen Christuskirche fertig (oben). Die Gemeinde habe die Entscheidung zum Umbau gerne mitgetragen, sagt Pfarrer Hans-Joachim Scharrer.

Im 21. Jahrhundert ist es ein seltener gewordenes Ereignis, dass eine Kirche neu gebaut wird. Und dass aus einer ehemaligen Brauerei eine Kirche wird - das ist vermutlich noch seltener. Die evangelische Christusgemeinde in Illertissen hat am Sonntag, 9. Oktober, die Einweihung ihrer neuen Kirche gefeiert, die aus dem ehemaligen Wirtschaftsgebäude einer Brauerei entstand.

Vor Beginn des Festgottesdiensts mit Regionalbischof Michael Grabow und Dekanin Gabriele Burmann zog die Gemeinde symbolisch von ihrer alten zur neuen Christuskirche an der Ulmer Straße.

»Jetzt weiß die Christusgemeinde, wo sie hingehört«, sagt Pfarrer Hans-Joachim Scharrer. Kirche, Gemeindehaus und Kindergarten sind künftig an einem Platz. Damit enden 90 Jahre Diskussion darüber, welcher Ort für die 3600 Gläubige umfassende Christusgemeinde der richtige sei, berichtet Scharrer. Denn das Gemeindeleben fand schon lange an der Ulmer Straße statt, wo im repräsentativen ehemaligen Wirtschaftsgebäude der Brauerei Kempter das Pfarrhaus und die Gemeinderäume untergebracht waren. Später wurde dort das Jochen-Klepper-Haus als Gemeindehaus gebaut, während die Kirche aus dem Jahr 1896 ein Stück weit entfernt in der Bahnhofstraße stand.

Bauen bis zum Schluss: Kurz vor der Einweihung wurde der Innenraum der neuen Christuskirche fertig.

Die ganze Gemeinde, egal welcher Generation, freue sich und trage diese Entscheidung gerne mit, berichtet Scharrer. Für ihn selbst entstehen beim Blick in die künftige Kirche vertraute Bilder im Kopf, wohnte Hans-Joachim Scharrer doch mit seiner Familie bis 2013 in jenen Räumen, die beim Umbau des entkernten Hauses zur Kirche verschwanden.

Fertig wurde die neue Christuskirche erst unmittelbar vor ihrer Einweihung - und nicht wie erhofft schon im Juli. Die Inneneinrichtung der alten Kirche wurde in die zu weihende neue Kirche gebracht. Eschen- und Fichtenholz prägen die Brauntöne des Raums, die sich vom Weiß der Wände abheben. Das Messing des Leuchters und des Kreuzes geben den einzigen goldfarbenen Ton in der Kirche.

Aktuell finden im Kirchenraum 220 Gottesdienstbesucher Platz; wenn eines Tages die geplanten neuen Stühle finanziert sein werden, die weniger breit sind als die aus der alten Kirche übernommenen, werden etwa 250 Gläubige im Raum sitzen können.

Auf eine Ost-Ausrichtung wurde bewusst verzichtet, erklärt Pfarrer Scharrer. »Das war letztlich durch die begrenzte Tiefe des Raums vorgegeben.« Hätte man den Altar nach Osten ausgerichtet, hätte sich eine klassische Einrichtung des Kirchenraums mit einem Mittelgang und Sitzreihen rechts und links ergeben. »Damit hätte die Kirche eine ganz andere Atmosphäre bekommen. Wir wollten aber die evangelische Note behalten, sodass sich die Gläubigen um den Altar gruppieren.«

Die alte Kirche wird verkauft

Dankbar ist Hans-Joachim Scharrer für die großzügige Sonderlösung der Landeskirche und die kräftige finanzielle Mithilfe der Stadt Illertissen, die ermöglichen, dass die Christusgemeinde nach dem insgesamt 1,88 Millionen teuren Umbau mit einer tragbaren Darlehensbelastung in die Zukunft geht. Einen Teil der 750.000 Euro, die als Eigenanteil an den Kosten auf die Gemeinde entfielen, wird der Verkauf der früheren Christuskirche decken. »Sie wird entweiht«, erklärt Scharrer, der sich vorstellen könnte, dass aus der Kirche ein Veranstaltungsgebäude entsteht.

Mit dem Plan des Eichstätter Architekten Norbert Diezinger für die neue Kirche ist Hans-Joachim Scharrer sehr glücklich. Diezinger baute neben die Kirche einen 20 Meter hohen Glockenturm. Dessen drei Glocken Rogate, Cantate und Jubilate kamen bereits im Juni - als Geschenk des aufgelösten evangelischen Gotteshauses in Gladbeck.

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Sonntagsblatt