"Es geht an unsere Substanz. Aber wir können auch Verantwortung. Daher verzichten wir auf das, was wir können, und versuchen Neues", sagt Pfarrer Wolfgang Leyk in seinem ersten Videopost vom 17. März auf der Internetseite der Neustädter Kirchengemeinde in Erlangen. Für rund zwölf Wochen wollen er und die Kollegen die digitalen Medien nutzen und die Gottesdienste zum gewohnten Zeitpunkt halten und streamen.

Aber Leyk ist realistisch: "Man sollte nur das anfangen, was man auch in drei Wochen noch leisten kann", sagt er.

Und das Engagement erschöpft sich nicht in den sozialen Medien. Zur Kontaktpflege wolle man die "Risikogruppe" der Senioren per Brief erreichen. Darin enthalten sein soll ein Gruß sowie eine Ermutigung sich zu melden. Auch die Eltern von Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren erhalten einen Brief mit dem Angebot, wöchentlich Spielmaterial zugesandt zu bekommen. Die Türen der Innenstadtkirche bleibe offen. Dort steht ein Tisch mit "Kummerbriefkasten", einem Abdruck der Predigten, Impulsen und einer Hausandacht.

Eine Renaissance als wichtiges Kontaktmedium erleben gerade die Schaukästen der Kirchen.

An die Fürther Heilig-Geist-Kirchentüre hängt Pfarrer Norbert Ehrensperger jeden Tag einen aktuellen Impuls. In St. Michael zeigt eine Ausstellung Bilder aus der Kindertagesstätte Storchennest. In der Auferstehungskirche gibt es die Möglichkeit in einer Gebetsecke Gebetsanliegen anzubringen. Dekan Joerg Sichelstiel bietet an, dass Besucher selbst gestaltete Briefe auf die Altarstufen der Altstadtkirche St. Michael legen.

Anregungen, Befürchtungen und Verunsicherungen können so mitgeteilt werden und in die Gebete der Kirchengemeinde mit aufgenommen werden. Darüber hinaus ist eine gemeinsame "Seelsorge-Nummer" in der Corona-Krisenzeit frei geschaltet. Unter 0911/76664949 ist täglich von 8 bis 22 Uhr ein Pfarrer aus Fürth erreichbar.

"Die Stadtkirche in Schwabach bleibt tagsüber offen", betont Dekanin Berthild Sachs.

Die Menschen seien eingeladen, zu kommen, Ruhe zu finden, zu beten, eine Kerze anzuzünden und erhalten Informationen zum seelsorgerlichen Angebot und zu Nachbarschaftshilfen. In der Stadtkirche sei täglich von 11 bis 12 Uhr in der Sakristei ein Seelsorger ansprechbar. Die Kirchengemeinden im Dekanat seien gerade dabei, Formate zu entwickeln, damit Gemeindegliedern auf digitale Weise Andachten, Glaubensimpulse und Verkündigung zur Passions- und Osterzeit zur Verfügung gestellt werden können.

Pfarrer Lutz Domröse und Diakon Gunter Wisse von St. Martin haben jetzt einen eigenen YouTube-Kanal erstellt.

Einkaufshilfen werden über Diakonische Gemeindereferentin der KASA, Christine Biemann-Hubert in Zusammenwirken mit der Kontakt- und Helferbörser "Gebraucht werden" und dem Kaufhaus Wertvoll koordiniert und organisiert.

Die Pfarrämter und Geistlichen werden aber auch mit ganz pragmatischen Fragestellungen konfrontiert. "Es geht vor allem um die Durchführung von Kasualien. Insgesamt sind die Menschen sehr vernünftig und sehen die Absage von Veranstaltungen ein", berichtet Pfarrerin Andrea Jülich von der Schwabacher Gethsemanekirchengemeinde. Von einem sehr aktiven gemeindlichen Besuchsdienst, der jetzt mehr mit dem Telefon arbeitet, berichtet Pfarrer Eberhard Hadem aus Pfaffenhofen

"Das ist auch eine Chance, weil alle anderen Sinne nicht gefragt sind, sondern man sich auf das Hören der Stimme und der Person konzentrieren kann."

Verena Fries, Pfarrerin in Hilpoltstein, trifft auf viele Leute, die einfach einmal reden wollen, weil sie verunsichert sind oder jetzt einfach noch mehr alleine sind, als vorher. "Da ist es gut, dass wir weiterhin wie gewohnt erreichbar sind. Es gibt sogar Leute, die mal eben am Fenster vorbeikommen, wenn es denn offen ist.

Die 37 Pfarrämter im gesamten Dekanat Neustadt an der Aisch bieten ihren Gemeindegliedern einen Einkaufsdienst an. "Wir stellen die Einkäufe zweimal in der Woche vor die Tür und beachten dabei alle wichtigen Hygienemaßnahmen. Was wir ausgelegt haben, bezahlen die Kunden im Pfarramt, wenn sich die Lage wieder entspannt hat", erklärt Dekanin Ursula Brecht.