27.05.2017
Kirchentag Wittenberg

Blog aus Wittenberg: Man sieht sich

Was haben Wittenberg und Venedig gemeinsam? In beiden Städten strömen am Vormittag die Besucher wie eine Welle in die Stadt, am Abend ziehen sich die Massen wieder zurück. Nur für einen Abend sind viele mit Schlafsack und Picknickdecke ausgerüstet.

Heute konnte ich mir die Weltausstellung ansehen. Im Christuszelt für Ökumene kam ich genau rechtzeitig zur täglichen Andacht mit Gebet für die Einheit der Christen. Hier finde ich die unterschiedlichsten Bibeln, Kreuze und Darstellungen von Frömmigkeit - eine orthodoxe Ikone neben dem »Einheitskreuz« .

Etwa vier Kilometer ist der Weg auf dem Wallgraben, der die Altstadt Wittenbergs umrundet. Hier gibt es überall Stationen wie diese. Die kürzlich gepflanzten Reformationsbäumchen sprießen fröhlich vor sich hin, dazwischen Spielplätze, in der Nähe des Schlosses dampft der Kompost von den Öko-Klos beim Stuttgarter Kirchentag 2015. Freunde moderner Kunst freuen sich über die Ausstellung »Luther und die Avantgarde« im alten Gefängnis, Naturbegeisterte streifen noch den Zoo, bevor sie zum Tor für Globalisierung/Eine Welt kommen.

So geht das einmal um die ganze Innenstadt. Ich aber schweife ab und kehre in die Stadtmitte zurück.

Werkstatt von Lukas Cranach

Die Werkstatt von Lukas Cranach interessiert mich dann doch zu sehr. Hier hat sich der Bürgerwille durchgesetzt, das Anwesen ließ man nicht verkommen. Heute gibt es noch eine alte Druckerei, verschiedene Ateliers und Ausstellungen. Echte Handwerker erklären gerne ihre Zunft. Auch wenn nicht mehr viel gedruckt wird - das Bild wird lebendig

Über dem Stadtplatz kreist ein Milan, ein Raubvogel. Was ich in einer Stadt aber noch nie gesehen habe: hier gibt es unglaublich viele Schwalben. Sie bauen ihre Nester direkt an die Häuser am Rathausplatz - und die Wittenberger lassen sie auch dran.

Dadurch, dass die ganze Stadt Fußgängerzone ist, hört man sie auch zwitschern. Obwohl so viele Leute herumlaufen. Außerdem hat der Wittenberger übrigens nur kleine Hunde. Ich habe hier noch keinen gesehen, der größer wäre als meine Katze. Doch zurück zum Kirchentag.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie fröhlich und auch gelassen die Kirchentagsbesucher sind. Sie maulen nicht, sind leicht zufrieden, drängeln nicht und singen im Zweifelsfall ein Lied.

Leider läuft meine Zeit hier bald ab. Unsere Radiosendungen sind Sonntag früh. Also muss ich leider abreisen, wenn's hier so richtig los geht. Das Festwochenende zum Abschluss des Kirchentags steht noch an.

Fazit: Wittenberg ist eine Reise wert. Die Wittenberger wissen alles über Luther, aber wenig über den Glauben. Das DDR-Regime hat ganze Arbeit geleistet, die bis heute ihre Wirkung zeigt.

PS: Weitere Insidertipps für Kirchentagsbesucher gibt es hier.

PPS: Das Video zum Abend in Wittenberg von Christoph Breit:

 

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efa