18.08.2018
Kommentar

Mietpreishorror: Wenn wohnen unbezahlbar wird

Vier Zimmer, 111 Quadratmeter, 2.750 Euro Miete – kalt. Immer weniger können sich das Wohnen leisten. Ein Kommentar von Nadja A. Mayer.
Teure Mieten

Vier Zimmer, 111 Quadratmeter, 2.750 Euro Miete – kalt. Das ist kein Witz, sondern bittere Realität in München. Zwar war die bayerische Landeshauptstadt immer schon teurer als andere Städte, doch der Mietwahnsinn hat längst um sich gegriffen und andere, kleinere Städte und die Regionen erreicht. Selbst Berlin, das einmal mit dem Slogan "arm, aber sexy" warb, können sich nur noch Besserverdiener leisten.

Wohnen ist zur drängendsten sozialen Frage unserer Zeit geworden. Nicht nur für Arbeitslose, Rentner und Alleinerziehende – auch für die Mittelschicht-Familien ist Wohnen unbezahlbar geworden. Oft liegt das, was nach Abzug der Mietkosten übrig bleibt, unter Hartz-IV-Niveau. Bei einer Vollzeitbeschäftigung lag 2017 das Durchschnittsgehalt in Bayern bei 3.147 Euro laut dem Entgeltatlas der Arbeitsagentur. In den sozialen Berufen liegt das Durchschnittseinkommen ein gutes Stück darunter.

Die Politik muss das Problem so schnell wie möglich in den Griff bekommen, wenn uns nicht die komplette gesellschaftliche Infrastruktur um die Ohren fliegen soll. Jetzt schon finden Krankenhäuser nicht mehr genug Pflegepersonal, weil die Gehälter für die Mieten zu niedrig sind. Im Frühjahr schlug etwa in München das Haunersche Kinderspital Alarm, dass krebskranke Kinder abgewiesen werden müssten.

Zahl der bezuschussten Wohnungen nimmt immer weiter ab

Der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (kda) hat angesichts dieser Entwicklung die Politik dazu aufgefordert, den sozialen Wohnungsbau massiv auszubauen. Ob der Appell ankommt, ist zweifelhaft. Bayerns Ministerpräsident Söder stand unlängst vor dem Untersuchungsausschuss des Landtags, um den Verkauf von 33.000 Wohnungen der einst staatlichen Wohnungsgesellschaft GBW im Jahr 2013 zu erklären. Die Zahl der bezuschussten Wohnungen nimmt immer weiter ab, weil mehr Wohnungen pro Jahr aus der Sozialbindung herausfallen, als dass neue gebaut werden.

Auch die vier Milliarden Euro, die Innenminister Horst Seehofer für den sozialen Wohnungsbau versprochen hat, sind angesichts der Lage zu wenig. Verantwortlich für die hohen Mieten sind in erster Linie die Grundstückspreise. In den vergangenen 60 Jahren sind diese um 1.600 Prozent gestiegen. In München um unvorstellbare 34.000 Prozent. Münchens Alt-OB Hans-Jochen Vogel fordert daher eine grundlegende Reform der Baulandpreise, um gegen die Spekulanten vorzugehen. Wie Luft und Wasser sei auch "Grund und Boden" ein Allgemeingut, das nicht den Gesetzen der Marktwirtschaft unterworfen werden dürfe.

Ein Grundsatz, der übrigens auch in Artikel 161 der Bayerischen Verfassung steht.

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