26.05.2013
Erinnerungen

Prominente erinnern sich an ihre Konfirmation

Was bleibt als Erinnerung an die Konfirmation? Prominente und Sonntagsblatt-Redakteure erinnern sich an das kirchliche Fest ihrer Jugend.
Erinnerung an die Konfirmation

Der Reigen an Konfirmationsfeiern in der bayerischen Landeskirche ist für dieses Jahr zu Ende. Nun bleibt die Erinnerung an das Fest. Welche Eindrücke werden dauerhaft bleiben? Was war der beeindruckendste Augenblick? Was gab es zu Essen? Welche Geschenke gab es?

Thomas Greif: Abschied vom Opa

Die Konfirmation war für mich kein besonders nachhaltiges Ereignis. Meine kirchliche Sozialisation hat erst viel später und davon unabhängig begonnen.

Ich verbinde meine Konfirmation vor allem mit familiären Erinnerungen: Mein Opa, schon schwer krank, starb wenige Wochen später, es war das letzte Familienfest mit ihm. Mein anderer Opa, der auch mein Pate war, fasste am nächsten (Ferien-)Morgen den spontanen Entschluss, mit meiner Mutter, meinem Cousin und mir für ein paar Tage wegzufahren - egal wohin. Gelandet sind wir dann irgendwo in den bayerischen Alpen. Er sagte damals einige Male ganz lapidar, es werde wohl das letzte Mal sein, dass er die Berge sehe. Ich fand diese Bemerkungen völlig unverständlich; aber es war so.

THOMAS GREIF (44), Sonntagsblatt-Redakteur in Nürnberg, konfirmiert 1982 in St. Johannis in Forchheim.

Susanne Breit-Keßler: Herzklopfen

Wenn ich mich an meine Konfirmation erinnere, denke ich zuerst an mein schwarzes Kleid, das preiswert sein musste, weil wir zu wenig Geld für ein wirklich schönes hatten. Ich denke an die Lacklederschuhe mit lila Schleife, die gezwickt haben. Alle waren besser gekleidet als ich.

Der beeindruckendste Moment war der der Einsegnung, als ich meinen Konfirmationsspruch hörte - nur für mich gesprochen: »Nun aber bleiben Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei. Aber die Liebe ist die größte unter ihnen.« Da hat mein Herz wie wild geklopft. Danach wollte (und will) ich leben! Er war übrigens auch der Trauspruch meiner Eltern.

Das Essen fand in kleinem Rahmen in einem Hotelrestaurant statt. Es gab, glaube ich, Hühnerfrikassee mit Erbsen, mein Lieblingsgemüse. Geschenkt bekam ich von Verwandten und Freunden eine Uhr und einen kleinen Ring mit echter Perle. Von meinem Vater bekam ich eine Kamera, die ich heute noch habe.

SUSANNE BREIT-KESSLER (59), Ständige Vertreterin des Landesbischofs und Regionalbischöfin von München und Oberbayern.

Dorothea Deneke-Stoll: Liebevolle Begleiter

Am Palmsonntag 1974 durfte ich in der Auferstehungskirche im Nürnberger Stadtteil Zerzabelshof meine Konfirmation feiern. Ich habe den Gottesdienst als ziemlich förmliche Angelegenheit in Erinnerung. Während alle anderen Jugendlichen schwarz oder doch dunkel gekleidet waren, fiel ich mit meiner cremefarbenen Bluse zum schwarzen Samtrock farblich etwas aus dem Rahmen, was mich damals jedoch nicht gestört hat.

Die Einsegnung am Altar war für mich schon ein bewegender Moment. Anders als heute üblich durften wir den Konfirmationsspruch nicht selbst auswählen, sondern bekamen ihn vom Pfarrer zugeteilt. Mein Konfirmationsspruch steht im 12. Kapitel, Vers 2, des Hebräerbriefs: »Lasst uns aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens.«

Damals konnte ich mit dem Text zugegebenermaßen nicht viel anfangen. Heute halte ich ihn für eine gute Wahl, weil er Jesus als Vorbild für unseren eigenen Glaubensweg in den Mittelpunkt stellt.

Die anschließende Familienfeier hat mir gut gefallen, auch wenn ich mich heute nicht mehr an die Menüfolge erinnern kann. Von meiner inzwischen verstorbenen Patentante bekam ich einen goldenen Armreif geschenkt, von meinem Großvater einen Ring. Beide Geschenke sind für mich wichtige Erinnerungsstücke an Menschen, die mich jahrelang liebevoll begleitet haben.«

DOROTHEA DENEKE-STOLL, Jahrgang 1959, Direktorin des Neuburger Amtsgerichts und Präsidentin der bayerischen Landessynode.

Nadja A. Mayer: Verliebt mit Zöpfchen

Zunächst hatte ich mit meiner Mutter einen Konflikt wegen meiner Konfirmandenkleidung auszustehen. Sie war der Meinung, mein Rock wäre ein Röckchen und viel zu kurz für die Kirche. Ich sah das natürlich anders. Leider konnte ich meine Mutter nicht davon abhalten, am Vorabend der Konfirmation noch zur Nähmaschine zu greifen und den Saum um zwei Zentimeter zu verlängern. Meine Mutter, erste Tochter eines Württemberger Pietisten, durfte selbst als Jugendliche weder kurze Haare noch Lippenstift tragen. Ohrringe wurden genauso verteufelt. Für sie war der Rock vermutlich bereits ein Zeichen ihrer Offenheit und Modernität. Kurze Haare hatte ich sowieso schon. Dunkel gefärbt und mit einem sehr, sehr hässlichen Zöpfchen, das ich aber unter keinen Umständen abmachen wollte. Nicht einmal für das Konfirmationsfoto. Zwei Wochen zuvor war ich noch im Ski-Lager. Dort hatte ich mich in einen Jungen verliebt, der mir - als Zeichen seiner Zuneigung? - ein Zöpfchen in die Haare flocht.

1997 hatte ich weder Handy noch Computer. Das Zöpfchen blieb so die einzige Verbindung. Ich ließ das Geflecht so lange im Haar, bis es sich irgendwann von selbst ablöste.«

NADJA A. MAYER (30), Sonntagsblatt-Redakteurin, Konfirmation 1997 in Oberboihingen (Württembergische Landeskirche).

Helmut Frank: Froschgrüne Tasche

Mitte der 70er-Jahre war so ein Haarschnitt wohl normal, genauso die langen Hemdkragen (Bild!) und die Schlaghosen. Im dunkelblauen Jacket fühlte ich mich nicht sehr wohl, gleich nach dem Fototermin legte ich es ab.

Der Gottesdienst war bestimmt vom Auswendig-Aufsagen des kleinen Katechismus, ich erinnere mich noch an die große Anspannung, unter der alle standen. Geblieben ist mein Konfirmationsspruch »Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen« aus Psalm 91. Das hat sich oft bewahrheitet. Passend zum Spruch ging es nach der Kirche in den Gasthof Engel. Jakob, der Engelwirt, servierte Hirnsuppe, das war im Schwäbischen die Festtagssuppe schlechthin. Im zweiten Gang kam gemischter Braten mit Spätzle und Kartoffelsalat auf den Tisch. Die Betonung liegt auf dem und; dass es beides gab, war dem Festtag geschuldet.

Beim Kaffeetrinken durften dann die Geschenke ausgepackt werden. Meine Pateneltern schenkten mir eine Reisetasche für das Schullandheim. Als ich die froschgrüne Tasche sah, wusste ich, dass die nicht mit ins Schullandheim kommt. Ich bedankte mich und legte die Tasche beiseite. Erst am späten Abend sagte mir mein Patenonkel, ich solle einmal in die Tasche schauen. Ich fand darin einen Hundertmarkschein und war glücklich. Am nächsten Tag in der Schule war dann Hauptthema, wer was und wie viel geschenkt bekommen hatte. Spirituelle Erfahrungen machten wir erst zwei, drei Jahre später - allerdings in einer Gruppe, die aus dem Konfirmandenunterricht hervorgegangen war.

HELMUT FRANK (51), Chefredakteur des Sonntagsblatts, wurde 1976 in der St. Albanskirche in Laichingen konfirmiert.

Heinrich Bedford-Strohm: Archipel Gulag

Ich erinnere mich noch gut an meine Konfirmation. Ich erinnere mich an die Menschen - etwa meinen Patenonkel -, die zu Besuch kamen. Der beeindruckendste Moment war wohl schon die Segnung. Auch wenn ich sie damals noch nicht in ihrer ganzen Tiefe innerlich nachvollzogen habe, bekam ich doch eine Ahnung von dem Gefühl der Geborgenheit, die es bedeutet, sich gesegnet zu wissen.

Ich weiß nicht mehr, was es zu essen gab, aber ich weiß noch, dass es etwas Besonderes war und den festlichen Charakter unterstrich. An die Geschenke erinnere ich mich nicht genau. Ich glaube nicht, dass ich Geld geschenkt bekommen habe. Ich erinnere mich an ein für mich als 14-Jähriger ziemlich schwer zu lesendes Buch: Archipel Gulag von Alexander Solschenizyn.

Mein Konfirmationsspruch lautete: »Lasset uns nicht lieben mit Worten, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.« (1. Johannes 3,18). In der Konfirmandenzeit waren für mich das Kennenlernen der anderen Jugendlichen und die Gemeinschaft wichtiger als die Inhalte, über die wir sprachen. Im Rückblick haben die Inhalte aber mehr nachgewirkt als ich das zu der Zeit gemerkt habe.«

HEINRICH BEDFORD-STROHM, geboren am 30. März 1960, in Memmingen bayerischer Landesbischof.

Markus Springer: Rebellion und Eigensinn

Die langen, sonst wilden, jetzt für den Anlass zu einer grotesk-biederen Prinz-Eisenherz-Frisur gebändigten Haare lassen etwas davon erahnen: der Beginn einer harten Pubertät, Rebellion und Eigensinn, ein Junge, der alles in Frage stellt, die Welt der Eltern, der Traditionen, die Kirche und den in ihr gelehrten Glauben. Und der sich dann doch konfirmieren ließ - wegen seines verstorbenen Großvaters. Der Großvater war Pfarrer und Dekan gewesen. Aber noch mehr gab der Junge seinen antikirchlichen Widerstand seiner Großmutter und seiner Mutter zuliebe auf - und um des lieben Familienfriedens willen. Die am Ende winkenden Geschenke gaben dem Kompromiss da eher den Geschmack korrupter Kapitulation.

Dann passierte etwas Wundersames: Der langhaarige Rebell fand die Teestunde vor dem Konfiunterricht gut. Die Leute waren okay, hier wurde ein freies Wort geführt. Und dann war da noch eine Sache. Der junge Münchner Gemeindepfarrer Walter Stockmeier und sein Kollege aus der Behindertenarbeit, Ernst Wörle, hatten sich zusammengespannt und uns gefragt, ob wir mit geistig behinderten Jugendlichen konfirmiert werden wollten. Natürlich inklusive einiger gemeinsamer Vorbereitungseinheiten. 1980 war so viel Inklusion wirklich außergewöhnlich.

Am Ende blieben Erfahrungen, die der Junge mit der Mähne nie vergessen hat. Ein von seinem Pfarrer sorgfältig für ihn ausgesuchter Konfirmationsspruch, der ihn durch sein Leben begleitet hat - auch durch sein berufliches (»Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind«, Sprüche 31, 8). Die Ausbildung zum Jugendleiter. Eine längere Reise durch die Gremienwelt der evangelischen Jugend. Ein Theologiestudium und eine Redakteursstelle beim Sonntagsblatt. Und der schwierige Jugendliche von damals ist bis heute dankbar dafür, wie ihm die Kirche und vor allem die Menschen in ihr damals begegnet sind.

MARKUS SPRINGER (47), Sonntagsblatt-Redakteur, wurde in der Münchner Dankeskirche konfirmiert.

Michael Grabow: Über einen Stuhl gestolpert

Ich war so aufgeregt, dass ich beim Einzug in die Kirche über einen Stuhl stolperte. Wahrscheinlich habe ich den entstehenden Lärm viel lauter empfunden, als er wirklich war, aber es war mir schrecklich peinlich. Am beeindruckendsten war für mich der Augenblick, als ich zum Altar kommen durfte, um zum ersten Mal das Abendmahl zu empfangen. Wir hatten im Konfirmandenunterricht darüber gesprochen, dass Christus selbst im Abendmahl zu uns kommen werde; aber wir durften vor der Konfirmation nicht selbst zum Abendmahl gehen. Da war die Erwartung natürlich ganz besonders groß. Meinen Konfirmationsspruch hatte ich mir selbst ausgesucht, was damals (1968) noch gar nicht üblich war: »Weise mir, Herr, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte« (Psalm 86, 11).

Beim Mittagessen gab es dann Hirschbraten und Birne Helene. Das hatte ich mir selbst ausgesucht. Heute hätte ich wahrscheinlich ganz andere Vorlieben. Aber das war damals etwas ganz besonders »Feines«. Als Geschenk bekam ich eine Schallplatte mit Barockmusik, die ich heute noch gern höre, verschiedene Bücher, eine Bibel in der Übersetzung von Jörg Zink, ein Gesangbuch und ein Tonbandgerät. Damit habe ich viele Nachmittage am Radio gesessen und Musik aufgenommen: Beatles, Rolling Stones und was damals sonst hip war.

MICHAEL GRABOW, Jahrgang 1954, ist Regionalbischof von Augsburg und Schwaben.

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