22.04.2018
Gehörlose

Wie kommuniziere ich mit Gehörlosen?

Lehrerin Sarah Maugeri unterrichtet Hörende und Gehörlose in Franken in Gebärdensprache. Im Interview erklärt sie, vor welchen Problemen gehörlose Menschen im Alltag regelmäßig stehen - und wie Hörende die Situationen verbessern können.
Sarah Maugeri ist Gebärdensprachlehrerin und bringt in verschiedenen Bildungseinrichtungen in Bayern Hörenden und Gehörlosen die deutsche Gebärdensprache bei. Im Interview geht sie auf die Probleme gehörloser Menschen im Alltag ein und gibt Hörenden Tipps, wie sie die Kommunikation mit Gehörlosen erleichtern können.

Frau Maugeri:, schildern Sie uns eine schwierige Situation im Alltag!

Eine schwierige Situation ist zum Beispiel, wenn ich in der Bäckerei bin und etwas bestellen möchte. Während ich mir etwas aussuche, hat die Verkäuferin vielleicht schon gesprochen, aber ich habe sie noch nicht angesehen. Sie ist dann verärgert, weil sie ja nicht sieht, dass ich gehörlos bin, das fällt ja nicht auf. Also ist sie unfreundlich und das ist schwierig für mich. Es wäre schön, wenn Menschen da mehr Einfühlungsvermögen hätten.

Was können Hörende tun, um auf Gehörlose zuzugehen?

Ich selbst als Gehörlose muss ebenfalls offen sein und auf Hörende zugehen. Wenn die Hörenden aufgeschlossen sind, klappt es auch. Der Augenkontakt ist sehr wichtig. Und mehr Empathie für Gehörlose. Das wäre für mich ein guter Weg, um Kommunikation aufzubauen.

Wie kann ich als Hörender mit einem Gehörlosen kommunizieren?

Wenn wir uns im Einzelgespräch treffen, ist es vor allem der Augenkontakt, und dass man langsamer spricht. Natürlich wäre es optimal, wenn das Gegenüber Gebärden könnte, aber zur Not kann man natürlich etwas aufschreiben. Auch die Körpersprache ist wichtig. Mit natürlichen Gebärden kann man ebenfalls viel ausdrücken, das hilft uns Gehörlosen zu verstehen. Bei größeren Veranstaltungen ist aber schon ein Dolmetscher wichtig.

Wann und wo wird für Gehörlose gedolmetscht?

Bei öffentlichen Veranstaltungen gibt es das manchmal, aber auch nicht bei wahnsinnig vielen. Vielleicht sind es so 40 Prozent, die sich um Dolmetschereinsätze kümmern. Bei privaten Veranstaltungen gibt es natürlich keine Dolmetscher und da ist es auch auf Grund des Dolmetschermangels in Bayern und besonders in Mittelfranken schwer, jemanden zu finden.

Sie sind Gebärdenlehrerin. Wen unterrichten Sie?

Es ist ein großes Spektrum. Es gibt gehörlose Kinder, deren Eltern hörend sind, und wo die Kommunikation sehr schwierig ist. Die unterstütze ich. Es sind asylsuchende Gehörlose dabei, die die deutsche Gebärdensprache lernen wollen. Und auch hörende Erwachsene, die einfach Spaß haben oder neugierig sind, Gebärdensprache zu erlernen. In manchen Krankenhäusern haben wir auch Kurse für Pflegeschüler im Angebot, die eine bessere Kommunikation mit gehörlosen Patienten haben wollen. Die unterrichte ich auch.

 

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