13.04.2019
Stadtmuseum Nürnberg

Ausstellung über die Kunst der Nürnberger Beckenschläger

Von der Kunst der Nürnberger Beckenschläger handelt die Ausstellung "Leuchtendes Messing" im Nürnberger Stadtmuseum im Fembo-Haus. Kurator Ludwig Sichelstiel von den Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg und Leihgeber Klaus Tiedemann stellen darin rund 100 Arbeiten eines Kunsthandwerks vor, dem Nürnberger Metallbearbeiter ihren eigenen Stempel aufdrückten.
Nürnberger Beckenschläger
Nürnberger Beckenschläger

Wer in der Nürnberger Beckenschlagergasse mit dem Auto unterwegs ist, ärgert sich vielleicht ähnlich wie Thomas Schauerte über die Ampeln und die raren Parkplätze. "Bis vor Kurzem wusste ich nicht, dass sich der Straßenname auf eine einstige Berufsgruppe bezieht", erklärte der Leiter der Kunstsammlungen und des Stadtmuseums im Fembo-Haus kürzlich bei der Eröffnung der Schau, die in der Reihe "Fremde Schätze" läuft, bei der Privatsammler ihre wertvollsten Stücke zeigen können.

Tatsächlich fand man etwa zwischen 1450 und 1620 in der damaligen Vorstadt vor dem Laufer Tor einen Verbund von Werkstätten der Beckenschläger, die in knapp 200 Jahren rund eine Million solcher Becken in Nürnberg schufen und in ganz Europa verkauften. Die Handwerker bildeten ab 1493 keine Zunft, sondern ein sogenanntes "geschworenes Handwerk" mit streng gehüteten Geheimnissen, die nicht nach außen getragen wurden.

Heute weiß man: Messingrohlinge wurden im mittelalterlichen Nürnberg auf eine Stahlmatrize gespannt und ein Muster ähnlich wie bei einer Münzprägemaschine eingestanzt. Im Anschluss wurde das Messing mit Hammer und feinen Meißeln bearbeitet. "Das war sehr aufwendig, vor allem, weil der Rohling immer exakt auf der Matrize sitzen musste, um Doppelbeschlag zu vermeiden", meint Tiedemann. Einige Arbeitsschritte wurden auch mit maschineller Hilfe bearbeitet, angetrieben vom Wasser der Pegnitz.

Auf diese Weise entstanden in Serienfertigung Gebrauchsgegenstände wie Teller und Schüsseln für den Esstisch, aber auch Taufbecken oder Abtropfgefäße für Kerzenwachs in Kirchen in Form von umgekehrten Schüsseln mit nach unten ausgearbeitete Dekor. Daneben wurden Becken mit floralen, figürlichen oder biblischen Motiven als Kunstgegenstände geschaffen.

Evangelisten in Tiergestalt

Tiedemann zeigt Becken mit dem Lamm Gottes oder den Evangelisten in Tiergestalt mit Markus als Löwe, Lukas als Stier oder Johannes als Adler. Andere zeigen den Heiligen Christophorus, der das Jesuskind durch eine Furt trägt, oder den Heiligen Georg, der die Stadt Silena in Nordafrika von einem Drachen befreit. Auch solche Becken, die den Kunstgeschmack der Zeit widerspiegeln, wurden wahrscheinlich tausendfach reproduziert, bis sich eine Matrize abgenutzt hatte. Auch die Verzierungen am Nürnberger Apollobrunnen, der im Stadtmuseum steht, gehen zurück auf die Beckenschläger.

Motive wie die Darstellung von Adam und Eva im Paradies aus der in der Werkstatt von Dürer-Lehrmeister Michael Wolgemut entstandenen Schedelschen Weltchronik wurden von den Beckenschlägern mehrfach adaptiert und für Becken verarbeitet.

Sammler Tiedemann schätzt, dass nur rund ein Prozent der Werkstücke heute noch erhalten ist. Bei Auktionen würde ein gut erhaltenes Becken im Schnitt einen Erlös von 2.000 Euro erzielen. Seine Faszination an den Becken erklärte der ebenfalls passionierte Münzsammler damit, dass ein Becken ein Stück mittelalterliches Handwerk ist, das kein Fragment sei.

 

Die Ausstellung ist bis 18. August zu den Öffnungszeiten im Nürnberger Stadtmuseum zu sehen.

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