23.10.2017
Reformation

Ob es nun 25 Jahre bis zum nächsten Jubiläumsjahr der Reformation dauert, bis Konrad Weigands Gemälde »Luthers Hochzeit« wieder aus den Archiven der Stadt Nürnberg kommt? Es wäre schade, wenn das riesige Bild von der Wand im Nürnberger Stadtmuseum im Fembo-Haus am 12. November verschwände und lange nicht mehr zu sehen sein würde. Wo es dann eingelagert wird, das gehört zu den bestens gehüteten Geheimnissen der Stadt.
Kuratorin Frederike Schmäschke mit dem Gemälde
Kuratorin Frederike Schmäschke vor Konrad Weigands »Luthers Hochzeit«. Das üppige Historiengemälde eines nahezu vergessenen fränkischen Künstlers war viele Jahre lang nicht mehr zu sehen.

»Fremde Schätze« heißt eine neue Ausstellungsreihe der städtischen Museen, in der Kunstwerke aus den Archiven gemeinsam mit privaten Ausstellungsobjekten gezeigt werden sollen. Zum Auftakt gibt es im Stadtmuseum im Fembo-Haus »Luthers Hochzeit« von Konrad Weigand. Das üppige Historiengemälde zeigt die Hochzeitsfeier des Reformators mit Katharina von Bora, die 350 Jahre später von dem 1897 in Nürnberg mit nur 54 Jahren verstorbenen Malers, der die Szene über Jahre hinweg in Öl verewigt hat: Luther als Gelehrter mit Barett und Mantel, Katharina als idealisierte Schönheit, Lucas Cranach als Trauzeuge, der Wittenberger Stadtpfarrer Johannes Bugenhagen sowie der Probst der Schlosskirche, Justus Jonas. Durch das Fenster scheint die Sonne wie ein Heiligenschein auf das Brautpaar, die Szenerie ist von bürgerlichem Idyll durchzogen.

Daneben eine Ölskizze zu dem Bild, das deren Besitzerin Christa Strahl dem Stadtmuseum zur Verfügung gestellt hat und das bereits die grundsätzliche Anordnung der Personen, aber beispielsweise besagtes Fenster mit seinem Strahlen nicht enthält. »Es ist spannend, wie ein Werk sich im Laufe vieler Jahre entwickelt und wächst, bis es endlich ausgeführt wird«, erklärt Frederike Schmäschke. Die junge Kuratorin der Sonderausstellung legt viel Herzblut in die Führungen zur Schau, die unter dem Motto »Skandal und Skizzenbuch« stehen. Denn die Hochzeit zwischen dem Mönch und der Nonne, das war seinerzeit wahrlich unerhört.

Neben dem »Vorgänger-Bild« sind in einer Vitrine auch Bleistiftskizzen, erste Fingerübungen des Schöpfers zu sehen, der heute nahezu vergessen ist.

Kunst-Lagerstätten über die Stadt verteilt

Dieses Schicksal hätte »Luthers Hochzeit« wohl auch geblüht, hätte man sich bei den Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg nicht darauf besonnen, was zum Jubiläum 500 Jahre Reformation passen könnte. »Glücklicherweise sind unsere Gemälde und Skulpturen relativ vollständig katalogisiert und zum großen Teil auch digital erfasst«, erklärt Thomas Schauerte, der die Sammlungen leitet. Es sei ein grundsätzliches Dilemma städtischer Archive, dass man unmöglich alles präsentieren könne, was man besitzt. So fristen viele Kunstwerke ihr Dasein in zahlreichen, teils provisorischen Gebäuden in der Stadt, die wenig repräsentativ seien und deren Standort man auch wegen Einbruchsgefahr nicht unbedingt an die große Glocke hängen will.

Immerhin wisse man, wo was zu finden ist. Alleine 12 000 Blätter lägen beispielsweise als Leihgaben im Germanischen Nationalmuseum. In den Norica-Sammlungen seien stichwortbezogen Kunstwerke unter Themen und Orten zusammengefasst. »Wollen Sie zum Beispiel alles rund ums Egidienviertel finden, genügt ein Knopfdruck«, erklärt Schauerte.

Übrigens hatte Weigand zahlreiche Bücher von Karl May farbenprächtig illustriert, was in der Schau ebenfalls thematisiert wird.

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Sonntagsblatt