6.01.2019
Museen

Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg: Eröffnung im Mai 2019

Wie Bayern Freistaat wurde, was ihn so besonders macht - darum geht es im neuen Museum der Bayerischen Geschichte, das im Mai 2019 in Regensburg eröffnet werden soll. Die Dauerausstellung stellt anhand von persönlichen Objekten, vielen Medien- und Mitmachstationen die Menschen in den Mittelpunkt und erzählt bayerische Geschichte in neun Generationen von 1800 bis in die Gegenwart.
Bierkrug aus dem Museum der Bayerischen Geschichte
Bierkrug aus dem Museum der Bayerischen Geschichte - Fundstück aus der Sammlung.

Kein Rundumschlag im Stil eines Nationalmuseums, kein Parforceritt durch 200 Jahre Geschichte, sondern einprägsame Geschichten, Bühnen-Inszenierungen und multimediale Mitmach-Tools: Im Mai 2019 soll das neue Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg eröffnet werden. Es soll beleuchten, wie das moderne Bayern, der Freistaat, entstand. Dass sich Bayern in Amerika neu erfand, bei der Weltausstellung vor 125 Jahren (1. Mai 1893) in Chicago, ist nicht die einzige Kuriosität, die das Team um Richard Loibl, den Chef des Hauses der Bayerischen Geschichte, ausgegraben hat.

Es gab damals zum ersten Mal elektrischen Strom auf Knopfdruck. Der größte Scheinwerfer der Welt stammte aus Bayern, die Firma Schuckert aus Nürnberg hatte das High-Tech-Gerät entworfen. Es beleuchtete die Fassaden der größten Expo, die es bis dahin gegeben hatte. Die Besucher waren wie elektrisiert: Auf einem riesigen Areal am Ufer des Michigansees in Chicago waren im Mai 1893 über zweihundert Gebäude errichtet worden. Die Fassaden in strahlendem Weiß. In der "White City", wie das Ausstellungsgelände genannt wurde, präsentierten sich 70.000 Aussteller aus 46 Nationen. Bayern war eine davon. Es war der Beginn des Mythos "Laptop und Lederhose" in Bayern, sagt Loibl.

Brauereien aus Bayern exportierten Bier nach Amerika

Wenn der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte über die Weltausstellung in Chicago erzählt, entsteht die Neue Welt vor seinem geistigen Auge: Sonderschiffe der Münchner und fränkischen Brauereien exportierten Bier in die neue Welt. Die Firma Linde hatte kurz zuvor eine Kältemaschine entwickelt, um den reibungslosen Transport des bayerischen Nationalgetränks zu garantieren. "Die Menschen damals waren wochenlang im Heimatrausch", sagt Loibl. Maßkrüge mit eigenen Logos, Werbeschilder und Bierfilzln wurden unter die Leute gebracht. Die Ikonen der bayerischen Biergeschichte werden im neuen Museum zu sehen sein.

Das Ausstellungsteam hat 36 solcher Bühnen entwickelt, in denen historische Momentaufnahmen der bayerischen Geschichte eingefangen werden. "Ois Chicago" ist eine davon, sie beschreibt die Zeit von 1875 bis 1900.  Wenig später ging das Schlierseer Bauerntheater auf Amerika-Tournee und füllte das Lincoln Theatre mit 8.000 Plätzen. Es gab Existenzen wie die aus Regensburg stammende Schriftstellerin Emerenz Meier, die "ins Amerika" gingen und scheiterten. Andere, wie der Jeans-Erfinder Levi Strauss aus Buttenheim, schafften es ganz nach oben. Mit der Expo und dem Schlierseer Bauerntheater hätten sich die Auswanderer ein Stück Bayern ins Amerika geholt, erzählt Loibl.

Panorama von Bayern

Das neue Museum soll als dies zu neuem Leben erwecken: In neun Kulturkabinetten werden Sport, Kunst, Sprache, Glaube und Politik auf die Bühne gestellt. Die Gitarren des Gstanzlsängers Roider Jackl und des Bassisten der Spider Murphy Gang zeigen das moderne Bayern. Die roten Lederhosen, die die Wellbrüder beim Wackersdorf-Festival gegen die atomare Wiederaufbereitungsanlage trugen, gingen aber auch auf das widerständige Bayern ein, das genauso im Museum zu finden sei wie das historische Rennrad von Franz-Josef Strauß. Dabei soll nicht nur dem Mythos Bayern auf den Grund gegangen, sondern auch gängige Bayern-Klischees kritisch hinterfragt werden. Multimediale Angebote präsentierten verschiedene Rezeptionsebenen: Je nachdem, wie tief der Besucher in der Geschichte schürfen wolle.

Im Foyer des modernistischen Museumsgebäudes, das durch einen Korridor zur Donaupromenade hin geöffnet ist, wird die alte Tradition des Panoramas aufgenommen. In Zeiten ohne mediale Bildwelten boten solche Panoramen spektakuläre Bilder. Daran knüpft das Regensburger Museum an. In einem 25-minütigem High-Tech-Film erklärt der Kabarettist und BR-Moderator Christoph Süß die fünf wichtigsten Episoden der bayerischen Geschichte, anhand von fünf Regensburger Gebäuden.

Süß schlüpft in 39 historische Rollen. In einer fragt er den Barockbaumeister Egid Quirin Asam, ob Bayern denn Premium-Gläubige vorm Herrn seien. Freilich, antwortet Asam. Wie es aber dann zu bewerten sei, dass der Vollender der Barockmusik, Johann Sebastian Bach, eher dem Protestantismus zuzuordnen sei, fragt Süß. "Da hat er sich wohl getäuscht", meint Asam. Moderator Süß: "Wer, Bach?" Egid Quirin Asam: "Nein. Gott." Im neuen Museum wird nicht nur kritisch, sondern auch mit augenzwinkerndem Humor erzählt. Gerade solche Geschichten lassen auch vergessen, dass das Museum wegen eines Brandes im Nebengebäude im Juli 2017 beschädigt wurde. Es konnte im 100. Jubiläumsjahr des Freistaats 2018 deshalb nicht eröffnet werden, sondern wird laut Plan erst im Mai 2019 zu besichtigen sein.

Lesen Sie auch das Interview mit Direktor Richard Loibl. Alle Informationen zu den Öffnungszeiten und den Eintrittspreisen zum Museum finden Sie hier.

Museum der Bayerischen Geschichte
Außenansicht des neuen Museums der Bayerischen Geschichte in Regensburg.
Skulptur aus der Sammlung des Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg
Skulptur aus der Sammlung des Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg.
Die Gitarre der Spider Murphy Gang im Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg
Die Gitarre der Spider Murphy Gang im Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg
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