28.10.2018
Friedhofskultur

Steinmetzhandwerk: Besuch bei einem Grabstein-Schaffer

Noch vor rund 20 Jahren herrschte auf vielen Friedhöfen Monotonie: dunkelgrauer Granit, hochglanzpoliert, goldene Lettern. Das ist heute anders – und liegt auch daran, dass sich die Steinmetz-Branche gewandelt hat. Ein Grabstein-Schaffer erzählt.
Steinmetz Thomas Weißkopf
Steinmetz Thomas Weißkopf verziert einen Grabstein. Der kunsthandwerkliche Aspekt seiner Arbeit ist ihm am liebsten.

Es ist kurz nach 7 Uhr morgens, draußen ist es noch dunkel und klamm, der Herbst ist da. Thomas Weißkopf steht im Neonlicht, rings um ihn herum wummert, klappert und staubt es. Mit Atemschutz im Gesicht, Gehörschutz auf dem Kopf und Winkelschleifer in der Hand bearbeitet er einen riesigen weißen Steinblock. Nach und nach erkennt man die Konturen eines Engels -– oder ist es doch ein Adler?

Jedenfalls große Flügel. Der 50-jährige Steinmetz übt seinen Beruf bereits seit mehr als drei Jahrzehnten aus, fast jeden Tag hat er mit dem Tod zu tun, fertigt Grabsteine: "Ich mache meine Arbeit sehr gerne. Nach wie vor."

Vielleicht liegt das auch daran, dass Friedhöfe heutzutage keine grauen Steinwüsten mehr sind. "Das war früher ja auch anders", erläutert Weißkopfs Chef Alexander Hanel. Seit 70 Jahren, in mittlerweile dritter Generation, betreibt seine Familie in Leutershausen bei Ansbach einen Steinmetzbetrieb. Die Monotonie auf den Friedhöfen sei erst in den 1970er-Jahren aufgekommen.

Mehr Vielfalt auf dem Friedhof

Hanel, der sich neben seinem Job als Firmenchef auch als Veranstalter des Friedhofskulturkongresses überregional einen Namen gemacht hat, wirbt für mehr Vielfalt auf dem Friedhof. Das scheint auch geklappt zu haben. Farbige oder gar mehrfarbige Grabsteine sind heute keine Seltenheit mehr, auch neue Materialien wie Stahl und Glas werden verwendet.

"Noch vor zwei Jahrzehnten wäre das undenkbar gewesen – viele Friedhofssatzungen haben alles strikt reglementiert", sagt Hanel: "Da hat sich einiges getan, im positiven Sinn." Auch, weil die Branche Druck gemacht habe.

Steinmetz Weißkopf hat die kunsthandwerkliche Seite seines Berufs am liebsten. "Ich mach‘ natürlich auch einfach goldene Schrift auf den Stein", berichtet er. Seine Liebe aber gilt der Ornamentik – blühende steinerne Rosen sind eine seiner Spezialitäten. Oder auch sogenannte Steinradierungen: "Das ist wie eine Tätowierung auf der Haut. Nur eben auf einer polierten Steinplatte."

Grabsteine aus Kinderarbeit?

Obwohl er schon seit mehr als 30 Jahren in einem körperlich durchaus anstrengenden Beruf arbeitet – seine Gesundheit ist tipptopp: "Rückenprobleme habe ich keine." Was vielleicht auch daran liegt, dass er immer in Betrieben gearbeitet hat, die Wert auf gute Ausstattung legen: "Wir haben Kräne, Rollen und so weiter. Hier muss niemand schwerer heben als nötig." Kinderarbeit in indischen Steinbrüchen? Für Firmenchef Hanel könnten Kunden diese Diskussion leicht umgehen, wenn sie einheimische Steine auswählten.

Aber selbst bei den Steinen aus Indien sieht Hanel die Situation um einiges differenzierter: "Bislang gibt es nicht einen Nachweis, dass Kinder dort tatsächlich deutsche Grabsteine hauen würden." Höher schätzt er dagegen die Gefahr, Produkte aus Kinderarbeit zu kaufen, bei Kaffee, Tee, Kakao und elektronischen Geräten.

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