2.11.2018
Frauen & Ausstellung

200 Frauen: Ausstellung in München

Was passiert, wenn 200 Frauen auf fünf gleiche Fragen antworten? Ein Ausstellungsprojekt in München zeigt die Ergebnisse.
200 Frauen Ausstellung

Frauen sind im Kommen. Fast täglich gibt es Nachrichten über neue Projekte, Organisationen und Aktionen, die ungewöhnliche oder bemerkenswerte Frauen vorstellen. Neben Aktionen wie dem Weltgebetstag der Frauen, der auf eine lange Tradition zurückblicken kann, gibt es etliche Blogs, Gruppen und Netzwerke sowie Auszeichnungen, die Frauen in den Mittelpunkt stellen.

Einen besonderen Zugang suchten die Neuseeländer Ruth Hobday und Geoff Blackwell für ihre Ausstellung "200 Frauen. Was uns bewegt", die in der Alten Bayrischen Staatsbank (bis 21. November 2018) und in der Technische Universität München (28. November – 14. Dezember 2018) zu sehen ist.

Die Grundidee für das Projekt war so einfach wie überzeugend: Das Team setzte 200 Frauen aus unterschiedlichen Gegenden der Welt vor ein weißes Baumwolltuch, ließ sie von Kieran E. Scott fotografieren und stellte fünf Fragen: Was ist Ihnen wirklich wichtig? Was macht Sie glücklich? Was empfinden Sie als tiefstes Leid? Was würden Sie in der Welt verändern, wenn Sie könnten? Wählen Sie ein Wort, das Sie beschreibt.

200 Frauen: Fotos und Interviews

Das Team arbeitete auf einem staubigen Flachdach über den Straßen von Kalkutta, in einem palästinensischen Flüchtlingscamp in Beirut ebenso wie in einer schicken Hotelsuite in New York. Die Liste der Interviewpartnerinnen entstand eher zufällig. Zunächst recherchierte das Team die Namen prominenter Frauen. Vor Ort wurden dem Team dann oft Freundinnen vorgestellt, Arbeitskolleginnen, Bekannte.

Die Frauen wurden unabhängig von ihrer Nationalität, Herkunft, Religion, ihrem Ausbildungs- oder Bekanntheitsgrad interviewt. Die meisten antworteten mit radikaler Offenheit, sie sprachen über ihre Erfolge, aber auch über seelische Schmerzen, Gewalt und Ungerechtigkeit. Es kommen sehr verschieden Frauen zu Wort. Die weltberühmte Schriftstellerin Isabel Allende erklärt, sie habe ihr leben Lang für eine gerechte Welt gekämpft, in der Männer und Frauen unsere globale Gesellschaft prägen. Die US-amerikanische Friedensaktivistin Jody Williams streckt ihren Mittelfinger in die Kamera und sagt: "Die Leute reden heute so viel von Selbstverwirklichung. Aber ich denke: Setz mal deinen Hintern in Bewegung und verwirkliche dich für Menschen, die wirklich Hilfe brauchen!"

Frauen sprechen über Religion & Glaube

Befragt wurden auch Frauen mit unterschiedlichem religiösem Hintergrund. Die US-amerikanische Rabbinerin Shanon Brous sieht ihre Aufgabe darin, Leid zu lindern und den Menschen dabei zu helfen, zu erkennen, dass sie wichtig sind. Linda Sarsour, die eine der ersten Online-Plattformen in den USA für Muslime begründet hat, rief den legendären "Women's March" im September 2017 in Washington ins Leben.

Für die deutschsprachige Ausgabe des Katalogs wurden eigens zwölf Frauen ausgewählt und befragt. Verlegerin Elisabeth Sandmann konzentrierte sich dabei vor allem auf Frauen, die dafür eintreten, dass Ungerechtigkeit sichtbar wird. Da ist die Fotografin Julia Leeb, die über den Südsudan, Nordkorea oder Libyen berichtet. Oder die österreichische Ärztin Inge Haselsteiner, die mit der Organisation Women for Women den Frauen in Bangladesh hilft, die einem Säureattentat zum Opfer fielen. Und da ist die Naturfriseurin Angelika Wöll aus dem bayerischen Fürstenfeldbruck, die in ihrem Salon junge Flüchtlinge beschäftigt.

Die Sammlung der Frauen ist beeindruckend. Wie es Ruth Hobdayund Geoff Blackwell im Kleingedruckten am Ende des Buches formulieren, geht der größte Dank an die Frauen: "Eure Geschichten haben uns inspiritiert, eure Großzügigkeit hat uns überwältigt, und eure Stärke hat uns bereichert."

Wer den Katalog durchblättert, findet interessante Gespräche und spannende Einsichten. Zehn Prozent der Erlöse aus dem Verkauf der Kataloge und der Ausstellung spenden sie an Organisationen, die sich für die Rechte der Frauen einsetzen.

200 Frauen – Video zum Buch

Buchtipp

200 Frauen - Was uns bewegt

Autor: Ruth Hobday & Geoff Blackwell

Gebunden mit Schutzumschlag, 23 x 29,5 cm, 288 Seiten mit zahlreichen Abbildungen in Farbe.
Ein Buch mit je 5 Fragen an Frauen aus der ganzen Welt, deren Antworten uns erstaunen, ermutigen und verändern werden.

Verlag Elisabeth Sandmann

ISBN: 978-3-945543-41-2

35,00 Euro

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