17.04.2018
Synode in Schwabach

"In der Kirche bewahren wir häufig die Asche, statt das Feuer zu schüren", kritisiert Kirchen-Experte Hans-Hermann Pompe auf der bayerischen Landessynode in Schwabach. Und verrät, wie sich das ändern lässt.
Schwabach Plenum
Landessynode Schwabach Plenum am Montag (16.4.)

Die Gesellschaft wird nach Überzeugung des Kirchen-Experten Hans-Hermann Pompe weiter in die Säkularität abdriften. Im katholisch geprägten München sei bereits heute weniger als die Hälfte der Bevölkerung katholisch oder evangelisch, sagte der Leiter des Zentrums für Mission in der Region der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vor der in Schwabach tagenden Landessynode. Im evangelisch geprägten Nürnberg seien nur noch rund 50 Prozent katholisch oder evangelisch; ein ähnliches Bild biete sich auch in den anderen deutschen Großstädten. Man sei auf dem Weg von einer Mehrheitskirche hin zu einer Minderheitskirche.

Laut Forschern sei in Bezug auf die Kirchen die Gruppe der Distanzierten am größten, sagte Pompe weiter. Sie hätten eine unscharfe, nebulöse Gläubigkeit, stünden den Kirchen distanziert gegenüber und wanderten zunehmend in die Gruppe der Säkularen ab, für die Kirche, Glaube und Religion gar keine Rolle mehr spielten. Glaube und Religion würden zudem vermehrt privatisiert, jeder suche sich das für sich Passende aus. Die Menschen von heute würden mit einem Überangebot an Möglichkeiten und Informationen bombardiert, so dass sie eher nach dem Nützlichen gehen. Das Gemeinsame im Glauben bröckle daher zunehmend, sagte der rheinische Pfarrer.

Kirche ist häufig eher Asche als Feuer

Kirchen und Christen müssten sich daher fragen, welche Leidenschaft sie ausstrahlten, und dürften nicht resignieren. Zwar würden Gottesdienste heute vermehrt als "Ort der Langeweile" wahrgenommen. "In der Kirche bewahren wir häufig die Asche, statt das Feuer zu schüren", kritisierte Pompe. Viele Menschen aber würden in Gottesdienste gehen, wenn sie jemand mitnehme oder persönlich einlade. Da helfe es wenig, wenn Pfarrerinnen und Pfarrer ihre Gottesdiensttermine nur auf ihrer Homepage aktualisieren oder die Glocken läuten. Die Kirche müsse wieder einladend werden, forderte der EKD-Experte.

Die Landessynode ist das Kirchenparlament der rund 2,4 Millionen Protestanten in Bayern. Schwerpunktthema ist diesmal "Missionarisch Kirche".

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