22.11.2015
Landessynodaler

Peter Meyer: Zwischen Politik und Kirche

Peter Meyer ist gerne Synodaler der bayerischen evangelischen Landeskirche. Seit März 2014 ist der 52-jährige Politiker berufenes Mitglied des Kirchenparlaments, seit 2008 sitzt der Freie Wähler im Bayerischen Landtag.
Politiker Peter Meyer
Peter Meyer

In der Synode hat Peter Meyer »ganz neue Erfahrungen« gemacht, was Ausschuss- und Plenararbeit angeht: »Es geht nicht um Fraktionen, nicht darum, Meinungen durchzusetzen - es ist ein buntes Streiten, immer verbunden mit dem Versuch, alle dabei mitzunehmen.« Eben dies hat Meyer auch für seine übrige politische Arbeit geprägt.

Meyers politische Positionen liegen weitgehend auf »Parteilinie«, wertkonservativ sind die »Freien Wähler«. Das passt nicht immer zur Linie der Kirchenleitung bei bestimmten politischen Themen - etwa beim Flüchtlingsthema. »Da entsteht eine Wechselwirkung, man befindet sich manchmal in einem Spagat, es entstehen Gewissenskonflikte«, sagt er. »Ich halte das aus, dass manchmal meine politischen Überzeugungen nicht deckungsgleich sind mit meinen kirchlichen und umgekehrt.« Das freue nicht jeden, gehöre aber zur Freiheit eines Christenmenschen.

»Ich tue, was ich kann.«

Meyer ist überzeugter Protestant, »auch wenn ich nicht jeden Sonntag in meiner Heimatgemeinde in den Gottesdienst gehe und auch nicht für jedes Thema gleich einen passenden Bibelspruch parat habe, wie einige langjährige, erfahrene Synodale«.

Seine Doppelfunktion in Kirchen- und Landesparlament sei gerade für seine Fraktion der Freien Wähler »ein Gewinn«, sagt er. »Wir sind nicht so viele Evangelische in der Fraktion, da ist es gut, wenn sich einer offensiv protestantisch positioniert und wenn einer intensivere Kontakte zur bayerischen Landeskirche hat«.

Der 52-Jährige ist verheiratet, hat drei Kinder, ist dritter Vizepräsident des Bayerischen Landtages - er hätte auch ohne die Synode genug zu tun. »Ja, es ist auch eine zeitliche Belastung«, sagt Meyer. Aber eine, die er gern auf sich nimmt: »Meine Kirche hat mich gerufen, also komme ich und tue, was ich kann.«

Politischer Streit und freundschaftliche Unterhaltungen

Er kann sich gut vorstellen, dass es nicht bei einer Wahlperiode bleiben muss: »Ich verweigere mich sicherlich nicht, wenn ich noch mal berufen werden sollte.« Das Berufungs-Modell neben der Wahl findet er gut: »So entsteht ein ausgeglichenes Gremium.«

Mit seinen anderen Landtags-Kollegen von CSU, SPD und Grünen in der Synode versteht sich Meyer bestens: »In der Sache können wir natürlich streiten, wie vertreten in einigen Punkten unterschiedliche Positionen.« Trotzdem könnten sie im Plenum weiter nebeneinandersitzen, sich aber abends miteinander freundschaftlich unterhalten.

»Gerade beim Thema Asyl und Flüchtlinge bin ich nicht immer der Meinung von Minister Markus Söder (CSU)«, betont Meyer: »Aber was jemand politisch mit seinem Glauben vereinbaren kann - da erlaube ich mir über niemandem ein Urteil.«

Dossier

Landessynode

Das bayerische Kirchenparlament, auch Landessynode genannt, bestimmt auf ihren Tagungen den Kurs der evangelischen Kirche in Bayern. Die wichtigsten Entscheidungen, aktuelle Entwicklungen sowie Interviews mit den Synodalen finden Sie in unserem Dossier zum Thema Landessynode:  www.sonntagsblatt.de/landessynode

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