16.07.2020
Kirchenaustritt

Interviewpartner gesucht: Student Kilian Pinl untersucht Kirchenaustritte

Warum treten viele junge Menschen aus der Kirche aus? Geht es nur ums Geld? Der Student Kilian Pinl erklärt, warum er Interviewpartner sucht.
Kirchenaustritt Studie

Der Eichstätter Student Kilian Pinl möchte verstehen, warum die Menschen der Kirche den Rücken kehren. Im Rahmen seines Bachelorstudiums der Journalistik an der Universität Eichstätt hat er eine Studie gestartet, bei der er mit Menschen sprechen will, die gerade ausgetreten sind. Warum ihn das Thema interessiert, erklärt er im Sonntagsblatt-Interview:

Warum haben Sie das Thema "Kirchenaustritt" gewählt – was interessiert Sie daran?

Kilian Pinl: Die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland haben auch 2019 wieder massiv an Mitgliedern verloren: Insgesamt traten mehr als eine halbe Million Katholiken und Protestanten aus - so viele wie nie zuvor. Zahlen, die verdeutlichen, dass die beiden Volkskirchen vor einem dramatischen Umbruch stehen und grundlegende Reformen unvermeidbar sind. Mich treibt um, was die Menschen dazu bewegt, aus der Kirche auszutreten und wie die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) auf die wachsende Zahl derer reagiert, die nicht länger Teil der Evangelischen Kirche sein möchten.

Was erhoffen Sie sich von dem Projekt?

Pinl: Gesetzt den Fall, dass das Tauf-, Ein- und Austrittsverhalten konstant bleibt, wird die Evangelische Kirche in Deutschland im Jahr 2060 nur noch halb so groß sein wie heute. Doch die Kirchen sind dieser Entwicklung nicht hoffnungslos ausgeliefert, sondern können bewusst und aktiv in den Prozess eingreifen, indem sie auf die wachsende Unzufriedenheit und Entfremdung ihrer Mitglieder reagieren. Durch meine Recherche möchte ich herausfinden, ob der Reformprozess der ELKB - "Profil und Konzentration" - das Potenzial hat, den projizierten Mitgliederrückgang der Evangelischen Kirche in Bayern abzuschwächen.

Wie geht es weiter?

Pinl: Studien haben gezeigt, dass vorwiegend junge Menschen zwischen 25 und 35 Jahren aus der Kirche austreten, weshalb die Evangelische Kirche sich bei ihrer Reformierung maßgeblich darum bemüht, ihre Angebote für diese Generation zu verbessern. Um die Gründe für deren Kirchenaustritt besser nachvollziehen zu können, bin ich jetzt auf der Suche nach eben jenen jungen Menschen, die vor Kurzem aus der Kirche ausgetreten sind und mir ihre persönliche Austrittsgeschichte erzählen möchten.

Fragebogen Kirchenaustritt

Kilian Pinl

Das Anschreiben von Kilian Pinl mit allen Fragen:


"Hallo, mein Name ist Kilian und ich schreibe gegenwärtig einen Text, mit dem ich das Thema 'Kirchenaustritt' von allen Seiten beleuchten möchte.

Allein im vergangenen Jahr traten rund 270.000 Menschen aus der Evangelischen Kirche aus. Sollte dieser Trend über die nächsten Jahrzehnte konstant bleiben, so wird die evangelische Kirche bis 2060 wohl nur noch halb so viele Mitglieder haben wie heute.

Mich interessiert, warum immer mehr Menschen aus der Kirche austreten und was die Evangelische Kirche unternimmt, um wieder attraktiver für ihre Mitglieder zu werden.

Du wohnst in Bayern, bist zwischen 20 und 35 Jahre alt und vor Kurzem aus der Evangelischen Kirche ausgetreten?

Dann erzähl mir doch deine Geschichte.

In einem kurzen Gespräch würde ich gerne von dir erfahren…:

… wann du ausgetreten bist?
… wie dein Bezug zur Kirche bisher ausgesehen hat?
… woran du glaubst?
… warum du austreten möchtest?
… warum du gerade jetzt austreten möchtest und ob es einen konkreten Anlass gab?
… wie es für dich nach dem Austritt weitergeht?
… wie sich die evangelische Kirche verändern müsste, damit du dir vorstellen könntest wieder einzutreten?

Per Mail an k.pinl@web.de bin ich jederzeit erreichbar.

Ich freue mich, von dir zu hören."

 

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Gastbeitrag

Die christlichen Kirchen haben 2019 erneut mehr Mitglieder verloren als im Jahr zuvor - die Zahl der Austritte ist auf einem historischen Höchststand. In einem Gastbeitrag beschreibt der Theologe Thomas Prieto Peral, Teil des Leitungsteams im kirchlichen Reformprozess "Profil und Konzentration“, weshalb die Zahl schmerzt.

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