29.11.2018
Kommentar

Gen-Experiment an Babys ist Gott ins Handwerk pfuschen

Die Geburt der ersten zwei mutmaßlich genmanipulierten Babys lösen eine Welle der Empörung aus. Wie weit darf der Mensch in die Schöpfung Gottes eingreifen? Ein Kommentar von Claudia Dinges, Chefredakteurin der Evangelischen Funk-Agentur (efa) und des Evangelischen Fernsehens (efs).
Menschliche Zellen

Sie heißen Lulu und Nana. Schöne Namen für zwei Mädchen. Eigentlich. Sie sind erst wenige Tage alt. Und doch schon weltberühmt: Die Zwillinge sollen die ersten genmanipulierten Menschen sein. Geschaffen vom chinesischen Forscher He Jiankui.

Bis gestern kannte niemand diesen Mann. Auch er ist über Nacht weltberühmt geworden. In seinem südchinesischen Geheimlabor in Shenzhen, einer Zwölf-Millionen-Einwohner-Stadt angrenzend an Hongkong, hat er, wenn die Medienberichte stimmen, weltweit das erste Mal nach der Befruchtung bewusst die Gene in zwei Embryos verändert.

Gen-Experiment sind unverantwortlicher Menschenversuch

Mit Hilfe einer sogenannten Genschere soll der Wissenschaftler das Erbgut der Mädchen so manipuliert haben, dass sie gegen das Aids-Virus und andere Krankheiten immun sind. Das klingt zwar erst mal vielversprechend, wenn wir durch Gen-Veränderungen Krebs, Diabetes und Demenz verhindern könnten. Wir würden damit viel Leid lindern. 

Aber wir könnten dadurch auch neues Leid schaffen. Welche Auswirkungen die Gen-Manipulation auf Lulu und Nana haben, wissen wir erst, wenn sie älter werden. Denn die Folgen von Hes Eingriff kennt niemand. Er könnte Schäden angerichtet haben, die niemand mehr rückgängig machen kann und schwere Krankheiten auslösen.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat das Vorgehen des chinesischen Forschers als "Einstieg in die Menschenzüchtung" kritisiert. Auch für mich bleibt es ein unverantwortlicher Menschenversuch!

Er hat Regeln gebrochen – Embryo-Experimente müssen in China nach 14 Tagen beendet werden. 

Er hat in die Evolution eingegriffen – ohne zu wissen, was das für Folgen haben wird.

Er hat die beiden Mädchen genetisch verändert – ohne sie vorher gefragt zu haben.  

Er hat Gott gespielt – ohne Skrupel.

Für mich bleibt die Frage: Möchten wir Schicksal spielen? Ich fühle mich eigentlich ganz wohl bei dem Gedanken, dass Gott uns geschaffen hat, so wie wir eben sind - und wir so angenommen und geliebt werden, wie wir eben sind. Wir sind keine Designerbabys, wir sind Individuen. Und ich möchte nicht, dass in Zukunft eine Laborratte darüber entscheidet, wie wir zu sein haben!

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