22.05.2017
Kommentar

Im Streit um offene Marktsonntage sollten die Kirchen hart bleiben. Kommentar von Andreas Jalsovec
Mit der »Sonntagsallianz« werben Kirchen, Gewerkschaften und andere gesellschaftliche Akteure für den Schutz des Sonntags.
Mit der »Sonntagsallianz« werben Kirchen, Gewerkschaften und andere gesellschaftliche Akteure für den Schutz des Sonntags.

Gespräche allein reichen offenbar nicht mehr aus. Man habe versucht, die ganze Sache ohne gerichtlichen Streit zu lösen: Aber das sei ergebnislos gewesen, heißt es beim Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt. Der kda kümmert sich im Auftrag der evangelischen Kirche um Arbeitnehmerbelange.

Die Sache, um die es geht, ist der Sonntagsschutz. Immer öfter wird nach Auffassung kirchlicher und gewerkschaftlicher Arbeitnehmervertreter die im Grundgesetz festgeschriebene Sonntagsruhe von den Kommunen unterlaufen. Weit mehr als 2000 marktoffene Sonntage gibt es mittlerweile in Bayern. In vielen Fällen seien die Anlässe für die oft flächendeckenden Shopping-Tage zu gering, meint der kda.

Aktuell wollen Kirchen und Gewerkschaften deshalb die beiden Innenstadt-Marktsonntage in Augsburg kippen. Sie sind zu groß, so die Begründung. Marktsonntage in anderen Kommunen dürften folgen. Dass der Streit dabei immer öfter vor Gericht ausgetragen wird, zeigt: Das Ganze ist kein bloßer Schaukampf. Die Kommunen wollen sich die Marktsonntage nicht nehmen lassen und streiten dafür im Zweifel auch juristisch.

Und auch die Kirchen sind nicht gewillt, in der Sache klein beizugeben. Das macht ein Schreiben des bayerischen Landeskirchenrats an die Dekanate deutlich. Darin wird auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts verwiesen. Dessen Richter legen genaue Regeln fest, unter denen die Läden am Sonntag öffnen dürfen.

Kirchengemeinden und Dekanate sollten das zum Anlass nehmen, Sonntagsöffnungen »kritisch zu hinterfragen, tragfähige Begründungen zu fordern und sich gegebenenfalls ablehnend zu äußern«, heißt es in dem Schreiben der Landeskirche.

Das klingt nach Konflikt. Und so mancher Gemeinde dürfte es nicht leicht fallen, sich öffentlich gegen ihre Kommune zu stellen. Denn wünschenswert ist ja, dass Kirchengemeinde und politische Gemeinde partnerschaftlich zusammenarbeiten.

Doch bei den Kirchen geht es in diesem Fall ans Eingemachte – und das nicht nur, weil der Sonntag der Tag ist, an dem Gottesdienste gehalten werden. Es ist auch der Tag, an dem Familien- oder Gemeindefeste stattfinden, an dem man Geburtstage feiert, an dem man  Zeit hat, sich mit anderen zu treffen, sich zu unterhalten, Beziehungen zu pflegen.

Bröckelt der Sonntag, bröckelt das alles mit. Der Sonntag ist daher viel mehr als nur ein Tag für Gottesdienste. Er ist der Tag, der die Gesellschaft zusammenhält. Deshalb lohnt es sich, für ihn zu kämpfen – wenn es sein muss, eben auch vor Gericht.

 

Was denken Sie? Schreiben Sie an Sonntagsblatt-Redakteur Andreas Jalsovec: ajalsovec@epv.de

 

ShareFacebookTwitterGoogle+Share
Sonntagsblatt