7.02.2018
Kommentar

Warum in den USA unter Präsident Trump viele nicht mehr als evangelikal gelten wollen. Kommentar von Konrad Ege
Evangelikale Christen in den USA - genauer: weiße evangelikale Christen - stehen mehrheitlich aufseiten des US-Präsidenten Donald Trump.
Evangelikale Christen in den USA - genauer: weiße evangelikale Christen - stehen mehrheitlich aufseiten des US-Präsidenten Donald Trump. Nun denken einige Theologen und Pastoren öffentlich darüber nach, ob sie sich selbst noch als »evangelikal« betrachten wollen – oder ob der Begriff als Selbstbezeichnung ausgedient habe.

 

Das »Fuller Theological Seminary« im kalifornischen Pasadena ist eine einflussreiche evangelikale Einrichtung in den USA. Wer hier studiert, soll die Welt verändern. Doch Fuller-Präsident Mark Labberton hat in seinem aktuellen Buch »Still Evangelical?« (»Noch evangelikal?«) eine ernüchternde Bilanz gezogen: Das evangelikale Christentum sei bei der Präsidentschaftswahl auseinandergebrochen, schreibt Labberton. Damit bringt er die jüngsten Entwicklungen in den USA auf den Punkt. Dort ist eine Debatte darüber entbrannt, wie politisch die Bezeichnung »evangelikal« eigentlich ist.

Evangelikale Christen, genauer: weiße evangelikale Christen, stehen mehrheitlich aufseiten des US-Präsidenten Donald Trump. Seine Hetze gegen Fremde ändert nichts an dem Zuspruch, den er bei ihnen findet – obwohl man Fremde laut Bibel schützen soll. Nun denken einige Theologen und Pastoren öffentlich darüber nach, ob sie sich selbst noch als »evangelikal« betrachten wollen – oder ob der Begriff als Selbstbezeichnung ausgedient habe.

Schwarze und Latinos distanzieren sich von dem Begriff

Das ist auch Labbertons Thema. Viele Gläubige wüssten nicht mehr, ob sie »zu den Evangelikalen gehören wollen oder nicht«, schreibt er. Der Tag der Wahl sei eine Zäsur gewesen. 80 Prozent der weißen evangelikalen Wähler hatten Trump ihre Stimme gegeben. »Doch dieser Tag, der für manche Evangelikale ein Tag der Hoffnung war, bedeutete für andere die Apokalypse«, fasst Labberton zusammen. Mit Letztgenannten meint er die Minderheit der linken Evangelikalen, die schockiert war über die Stimmen ihrer Glaubensbrüder und -schwestern für Trump. Vor allem aber meint er schwarze und Latino-Evangelikale. Sie hatten nicht für Trump gestimmt.

Das evangelikale Leitmedium Christianity Today macht sich ebenfalls Gedanken. Viele evangelikale Führungspersönlichkeiten seien so frustriert über die Entwicklungen, dass sie den Versuch aufgäben, die Bezeichnung »evangelikal« für sich zurückzugewinnen, heißt es in einem Leitartikel. Der Stein des Anstoßes: In der übrigen Gesellschaft wird evangelikal häufig mit einer Position des rechten politischen Spektrums gleichgesetzt – und nicht mit protestantischen Christen, denen die Bibel Maßstab ist.

Der Evangelikale Ralph Reed bemüht sich um einen heiteren Ton in dieser Debatte. Gott müsse »Humor haben«, sagte er, denn nur wenige Menschen hätten vorhergesehen, dass so jemand wie Donald Trump zu einem »großen Fürsprecher evangelikaler Anliegen« würde. Christianity Today hat auf die Frage, ob »evangelikal« denn nun als Bezeichnung ausgedient habe oder nicht, keine Antwort parat. Es sei jedoch vollkommen in Ordnung, sich einfach als Baptist, als Christ, als Wiedergeborener oder Bibelgläubiger zu bezeichnen, heißt es.

 

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