7.09.2018
Jüdische Feste

Rosch Haschana - das jüdische Neujahrsfest

Für Juden in Deutschland und auf der ganzen Welt beginnt jetzt im September (10.9.) das Jahr 5779. Gefeiert wird aber allerdings nicht mit Party und Sekt, sondern mit Honig und Granatapfelkernen. Rabbi Langnas erklärt, was das mit einem erfolgreichen neuen Jahr zu tun hat.
Granatapfel für das jüdische Neujahrsfest

"Im Herbst haben wir einen ganzen Monat voller Feiertage, das nennen wir Herbstmanöver" schmunzelt der Münchner Rabbiner Steven Langnas. Los geht es am Sonntagabend (9.9.)mit dem zweitägigen Neujahrsfest, Rosch Haschana. Dann endet der 12. und letzte Monat des jüdischen Jahres (Elul). Die ersten 10 Tage des ersten Monats des neuen Jahres (Tischri) werden Jamim Noraim geannt -  die ehrfurchtsvollen Tage. Es sind Tage der Reue und Buße, in denen der Mensch dazu aufgerufen ist, sein Leben zu überdenken und zu ändern. Denn Gott schaut sich jetzt die Taten jedes einzelnen Menschen ganz genau an. Laut der Überlieferung schlägt er im Himmel das Buch des Lebens auf, auf der einen Seite sind die guten Taten, auf der anderen die schlechten verzeichnet. Dann wägt Gott ab, was überwiegt und ob der Mensch ein gutes neues Jahr verdient hat und trägt das ein. Deshalb wünschen sich Juden in diesen Tagen:

 

"Mögest du eingeschrieben sein in das Buch des Lebens."

 

Rabbi Langnas würde das in der heutigen Zeit so ausdrücken: "Gott schaut sich auf DVD unser Leben an und enscheidet, wie es geschnitten, gespeichert oder umgeändert wird." Mit welcher Metapher man es auch immer betrachtet, es geht darum, Gott davon zu überzeugen, dass man ein guter Mensch ist oder zumindest versucht, sich im neuen Jahr zu bessern.

 

Die letzte Chance, Gott umzustimmen, hat der Mensch an Jom Kippur  (19.9.), dem Versöhnungstag. Viele Juden, auch säkulare, fasten 25 Stunden lang:  nicht essen, nichts trinken - nicht mal einen Schluck Wasser. Alles, was mit körperlichen Bedüfnissen zu tun hat, ist verboten.

 

Honig und Granatapfel symbolisieren ein süßes neues Jahr

 

An Rosch Hashana finden lange Gottesdienste satt, aber auch das Essen mit Freunden und der Familie kommt nicht zu kurz. Rabbi Langnas betont, dass Rosch Hashana kein Trauertag ist und dass auch gefeiert werden soll. Honig und Granatapfel gehören zu jedem Menu, damit das neue Jahr ein süßes wird.

 

Am Ende des jüdischen Monats, nach all dem Fasten und Beten, wird dann das bunte und fröhliche Laubhüttenfest( Sukkot) gefeiert, das weitere acht Tage lang dauert. Also ein Monat voller schöner und bedeutender Feiertage, fast schon ein Feier-Monat.

Honigkuchen für Rosch Haschana

Rezept für Honigkuchen aus Ruths Kochbuch

Honigkuchen

Zutaten:

250 ml Pflanzenöl

250 g Honig

400 g Zucker

6 Eier

2 TL Natron (oder Backpulver)

250 ml Orangensaft

250 ml Kaffee

1 Schuss Cognac

1 ½ Päckchen Zimt

3 EL gemahlene Mandeln oder Haselnüsse

2 große geriebene Boskoop-Äpfel

750 g Mehl

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Backofen auf 190°C vorheizen. Eine Kastenform mit Backpapier auskleiden.

Alle Zutaten bis auf das Mehl zusammen in eine Schüssel geben und gut durchrühren. Das Mehl sieben und gründlich unterrühren. Den Teig in die Form füllen und etwa 1 Stunde backen.

 

Das Rezept stammt aus:

Ruth Melzer / Ellen Presser: Ruths Kochbuch. Die wunderbaren Rezepte meiner jüdischen Familie.

Gerstenberg Verlag, Hildesheim2015, S. 132.

 

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