4.09.2018
Start Ausbildungsjahr

Trotz Leerstellen bei Lehrstellen ist der Bedarf für Junge Werkstatt groß

Es herrscht Fachkräftemangel in Bayern und die Ausbildungsstätten beklagen, dass sie nicht genügend Azubis bekommen. Geradezu paradiesische Zustände für jungen Menschen, die einen Ausbildungsplatz suchen. Aber trotzdem findet nicht jeder einen Platz in der freien Wirtschaft. Es gibt genügend junge Menschen, die zur Lehre auch noch soziale Hilfe brauchen. Das bekommen sie z.B. in der Jungen Werkstatt Augsburg.
Obwohl viele Lehrstellen frei sind, ist der Bedarf an Ausbildungsplätzen mit sozialer Hilfestellung groß

Seit dem 1.September haben 17.300 junge Männer und Frauen einen neuen Ausbildungsplatz. Trotzdem bleiben Tausende von Lehrstellen in Bayern unbesetzt. Der Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern, Franz Xaver Peteranderl teilte weiter mit, dass es viele offene Stellen im Lebensmittelhandwerk gebe: "Sei es bei den Bäckern, sei es für Fachverkäuferinnen und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk." Probleme gebe es darüber hinaus bei den Friseuren und auch bei den Metallbauarbeitern.

Sozial- und Arbeitsministerin Kerstin Schreyer (CSU) sagte, der erste Arbeitstag sei "ein entscheidender Schritt im Leben". Sie wünsche allen neuen Azubis einen guten und erfolgreichen Start ins Berufsleben, eine Ausbildung sei "eine gute Basis für viele Karrieren". Zugleich wies sie darauf hin, dass mehr als 31.000 gemeldete Lehrstellen frei seien und es noch rund 10.000 unversorgte gemeldete Bewerber gebe. "Ich rate allen, die noch keinen Ausbildungsvertrag in der Tasche haben: Packt die Gelegenheit beim Schopf", sagte Schreyer. Auch nach dem offiziellen Start zum 1. September könne man eine Ausbildung starten.

Münchens Kammerchef Peteranderl zufolge würde ein höherer Azubi-Lohn diese Situation nicht verbessern. Die Ausbildungsvergütung sei keine Leistungsentlohnung, sondern entspreche einer Vergütung für die Lebenssituation. "Da haben wir bei den Friseuren eine relativ niedrige Ausbildungsvergütung. (...) Allerdings sehen wir bei den Gewerken, die sehr hohe Ausbildungsvergütungen haben, auch keinen exorbitanten Zuwachs." Als Beispiel nannte er die Bereiche Bau und Kfz-Gewerbe. Stattdessen fordert Peteranderl bessere Rahmenbedingungen, etwa ein vergünstigtes Nahverkehrsticket wie es auch Studenten erhalten.

In den bayerischen Diözesan-Caritasverbänden starten im neuen Ausbildungsjahr rund 2.000 junge Menschen ins Berufsleben im sozialen Bereich - beispielsweise in der Pflege für alte und kranke Menschen oder für Kinder, in der Heilerziehungspflege, in einem der Pflegehelferberufe, als Bürokaufleute, Erzieherinnen und Erzieher, in der Sozialpflege oder der Hauswirtschaft. Landes-Caritasdirektor Prälat Bernhard Piendl sagte, die jungen Menschen schlügen einen Weg ein, "der ein Dienst an den Menschen ist, die Hilfe und Unterstützung am nötigsten haben". Diese Berufe hätten gute Zukunftsaussichten.

Für die Caritas in Bayern stelle die Ausbildung das wichtigste Instrument zur Personalgewinnung dar. Neben der Ausbildung gebe es regional unterschiedliche und spezielle Angebote für Auszubildende, wie etwa Starterpakete, spezielle Exerzitien, Betreuer durch die Ausbildung oder diözesanweite Ausbildungstage, sagte Piendl. "Die Wertschätzung für die Auszubildenden ist ein wichtiger Baustein, damit die jungen Leute merken, dass es uns als Arbeitgeber wichtig ist, sie durch die ersten Schritte ihres Berufslebens gut zu begleiten."

Bei der Diakonie in Bayern gibt es keine landweite Erhebung zur Zahl der neuen Azubis. Hier wird das Engagement in der berufsbezogenen Jugendarbeit großgeschrieben. In ganz Bayern werden Ausbildungsplätze für diejenigen angeboten, die trotz freier Ausbildungsplätze durch das Raster fallen. Sie brauchen häufig eine besondere soziale Hilfe, die im regulären Betrieb nicht gegeben ist.

 

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efa