6.05.2018
Evangelische Morgenfeier

Predigt: Es gibt so viele Möglichkeiten zu beten!

Beten hilft, findet der Weilheimer Dekan Axel Piper. Es verändere das Bewusstsein, den Blick auf die Welt und gebe Kraft, die Dinge anzugehen, sagte er in der Evangelischen Morgenfeier.
Abendgebet
Abendgebet in der Münchner Lukaskirche

Ein Sommer-Dank-Gebet

"Geh aus, mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben."
Das ist eines meiner Lieblingslieder. Fröhlich, heiter, leicht und doch nicht oberflächlich. Aber es ist nicht nur irgendein Lied, für mich ist es ein gesungenes Gebet. Ein Dankgebet, dass für fast alle Lebenslagen passt – nicht nur im Sommer.
Ein Gebet, das zum Gebet aufruft. Heißt es doch im 8.Vers: "Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinne".

1652 hat der Pfarrer und Lieddichter Paul Gerhardt die 15 Verse des Liedes veröffentlicht, vier Jahre nach dem Ende des 30jährigen Krieges, einem der verheerendsten und längsten in Europa. Wie mag das Leben damals für ihn und seine Zeitgenossen gewesen sein? Die Winter kalt und feucht und klamm. Kaum Sonne und Licht. Dazu die kurzen Tage und langen Nächte. Die Essensvorräte mussten streng eingeteilt werden. Die Häuser waren kaum zu beheizen, am Ende des Krieges war Brennholz – aber auch wärmende Kleidung noch immer knapp. Wie erleichtert die Menschen wohl waren, wenn es wieder Sommer wurde! Ein Dankgebet an den Himmel. Gott sei Dank.

45 Jahre alt war Paul Gerhardt zu diesem Zeitpunkt. Er hatte eine Fürstenschule besucht, dann Theologie an der Universität studiert, wurde Hauslehrer, dann Pfarrer und schließlich Probst. Ein privilegierter Lebensweg und eine schöne Karriere. Einerseits. Andrerseits erlebt er schon als Kind den Krieg mit Hungersnot, Seuchen und Übergriffen der Soldaten. Als er 14 Jahre alt ist, stirbt sein Vater, zwei Jahre später seine Mutter. Vielleicht lassen ihn diese Erfahrungen vom Auf und Ab im Leben bewusster und dankbarer auf die schönen, die leichten Zeiten blicken. Weil er weiß, dass es im Leben auch ganz anders gehen kann. Er ist seinem Schöpfer dankbar dafür. Gott sei Dank, nach dem langen Winter erwacht die Natur wieder beginnt das Blühen und Grünen. Gott lässt seine Welt nicht allein. Er macht sie wieder schön und liebenswert! Paul Gerhardt geht aber sogar einen kühnen Gedanken weiter:

"Ach denk ich, bist du hier so schön
Und lässt du’s uns so lieblich gehen
Auf dieser armen Erden:
Was will doch wohl nach dieser Welt
Dort in dem reichen Himmelszelt
Und güldnen Schlosse werden."

Er ruft seinen Zeitgenossen zu: "Wenn Gott es uns im Sommer auf Erden so schön macht, wie schön wird es erst dann, wenn wir ganz bei Gott sind. Am Ende des Lebens. Ist doch alles hier auf Erden nur Abglanz der Schönheit, die Gott für uns bereit hält." Ich höre diese Hoffnung, diese Bitten in seinem Lied und bleibe dabei: "Geh aus mein Herz" ist ein Gebet, in dem Paul Gerhardt seinen Dank in Worte fasst.

Gebet in der Natur

Aber es kommt eben nicht wie ein traditionelles Gebet daher, beginnt nicht mit "lieber Gott" oder "Vater im Himmel" und ein Amen fehlt auch. Dafür erzählt es viel von der Natur, von ihrer Fülle, Vielfalt und Schönheit. Ich kenne Menschen, die beten heute ähnlich. Natürlich nicht in Reimform. Und auch nicht in so wunderschönen Bildern und so kunstvoll komponiert. Aber inhaltlich folgen sie Paul Gerhardt. Sie gehen in die Natur und in ihrem stillen Gebet sehen sie voller Dankbarkeit die Almwiese, den grandiosen Blick am Gipfel, den Weg durch den kühlen Wald und danken aus vollem Herzen dem Schöpfer dieser Welt.

Ich erinnere mich noch gut an einen Geburtstagsbesuch bei einem Gemeindemitglied. Herr Scholz begrüßte mich gleich mit den Worten: "Sie werden mich nicht kennen, Herr Pfarrer. Denn ich gehe nie in die Kirche." Und dann fügte er hinzu: "Ich bin trotzdem ein gläubiger Christ und gut evangelisch. Aber meine Kirche ist die Natur. Wenn ich in die Berge gehe, dann spüre ich meinen Gott ganz ganz nah. In jeder Blume, in jedem Luftzug spricht er zu mir. Und ich spreche zu ihm und bin ihm so dankbar für das, was er geschaffen hat: Und dass ich das immer noch genießen kann. Und dass er mir noch ein paar gesunde Jahre schenken möge, in denen ich auf meine geliebten Berge gehen kann. Das ist mein Gottesdienst, das sind meine Gebete."

Nach dem Besuch habe ich mich gefragt: Reicht das? Ist das wirklich auch schon ein Gebet? Ich meine, im biblischen Sinne. Ein Gebet, wie es der Kolosserbriefes anmahnt, wo zu lesen ist:

"Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung!"

Öffentliches Beten

In unserer Gesellschaft ist es nicht üblich über Glaube und Gebet zu sprechen. Mit einem Pfarrer vielleicht einmal, aber sonst wohl kaum. Ganz sicher nicht einfach so, am Gartenzaun mit der Nachbarin oder  im Kreis der Familie oder beim Treffen mit Freunden. Vielleicht, weil viele gar nicht oder kaum noch beten. Oder das Beten wird, wenn es überhaupt praktiziert wird, als sehr persönlich verstanden als etwas, dass nicht unbedingt in die Öffentlichkeit gehört. In anderen Kulturen ist das völlig anders: Ich denke an eine Szene in einem griechischen Dorf. Vor dem Kaffee sitzt ein alter Mann auf einem klapprigen Stuhl neben einem Bistrotisch. Er schaut auf den Dorfplatz, währenddessen gleiten die Finger seiner halb geöffneten Hand fast unmerklich von einer Kugel seines Rosenkranzes zur anderen vorwärts. Betet er? Oder schiebt er seine Kette mit den kleinen Kugeln nur so gedankenverloren zwischen den Fingern hindurch, damit seine Hand beschäftigt ist? Aber: Er hält ein religiöses Symbol in der Hand. Eine Gebetskette mit kleinen Olivenholzkügelchen, die in einem Kreuz münden.

Wie verschieden das doch mit dem öffentlichen Beten ist: Vor ein paar Jahren habe ich das in Istanbul erlebt. Da ruft der Muezzin über Lautsprecher zum Gebet. Und offenbar macht sich eine Gruppe Einheimischer auf den Weg, eilig und schnurstracks zur nahegelegenen Moschee. Andere schenken in der quirligen Stadt dem Gebetsruf wiederum keine sichtbare Aufmerksamkeit. Sie laufen mit Einkaufstüten, Kinderwägen, Aktentaschen ihres Weges, ganz eingenommen von ihrem Alltag. Auch in den Geschäften und an den Verkaufsständen ist kein Innehalten zu erkennen. Aber auf der anderen Straßenseite, auf einer grünen Insel inmitten des geschäftigen Treibens rollt einer seine Gebetsmatte aus. Zuerst steht er, die Hände an die Knie gelegt, dann kniet er, dann verneigt er sich. Ja er betet. Ganz öffentlich, mitten im Getriebe der Großstadt. Unwirklich, fast befremdlich kommt mir das vor. Dieser Mann, der offenbar den Lärm und die Hektik der Stadt völlig ausschließen kann, widmet sich ganz öffentlich, fast demonstrativ, seinem Gebet. Und manchmal hat das öffentliche Gebet in der islamischen Welt ja auch etwas Demonstratives: Auf Bildern habe ich es schon gesehen, wie große Gruppen von Muslimen ganz bewusst in aller Öffentlichkeit außerhalb der Moschee beten, weil sie ihr Gebet als ein öffentliches Bekenntnis ,ein klares Statementzu ihrem Glauben verstehen, zu Ihrer Treue gegenüber Allah.

Beten gegen die Angst

So öffentlich zu beten, das wäre bei uns undenkbar: zumindest hätte ich das bis vor kurzem noch behauptet. Ab und an sieht man da vielleicht, dass jemand in einem Lokal vor dem vollen Teller innehält und die Hände zusammenlegt. Vielleicht ein schnelles, stilles Tischgebet? Sonst bleibt das Gebet in der Regel im privaten Rahmen:  Zuhause, vielleicht zu den gemeinsamen Mahlzeiten, vielleicht mit Kindern konsequent beim Zu-Bett-Bringen: Ein Gute-Nacht-Gebet, dass Kinder beruhigt einschlafen lässt, weil sie sich geborgen wissen – ganz kindlich gesagt, ihre Eltern und Gott auf sie aufpassen, während sie die Augen schließen und in die Traumwelt sinken.
Aber öffentlich Beten oder das Gespräch darüber, das erlebe ich in unserer Gesellschaft kaum. Ja – in der Kirche während eines Gottesdienstes wird selbstverständlich gebetet, auch in einem Freiluftgottesdienst auf einem Berg, an einem See, auf einem Campingplatz. Obwohl: In unserer Kleinstadt gibt es zum Jahreswechsel auf dem Marienplatz ein öffentliches Gebet. In den letzten Jahren erlebe ich immer deutlicher, wie sich viele Menschen gerade von dieser Form des Gebets angesprochen fühlen: von der Stille, die dann über dem Platz liegt, der Musik und den Kerzen, die die Betenden in Händen halten.  Passanten, die zufällig vorbeikommen, bleiben stehen.

Und dann haben sich bei mir in letzter Zeit auch diese Bilder eingeprägt: Nach den fürchterlichen Terroranschlägen zum Beispiel in Paris, zum Beispiel am Weihnachtsmarkt in Berlin, war in den Nachrichtensendungen zu sehen, wie sich abends an den Anschlagsorten spontan Gruppen von Menschen zusammenfanden -wie zu einer Demonstration gegen die brutale und willkürliche Gewalt der Fanatiker. Die Menschen hatten Kerzen in Händen, trauerten, waren ruhig und nachdenklich. Vor ihnen standen viele Plakate, handgeschrieben, bunt, verziert: "Pray for Paris" oder "Pray for Berlin" war darauf zu lesen. Die Terroranschläge waren  nicht rückgängig zu machen, die Toten nicht zurückzuholen. Aber die Demonstrierenden setzten ein Zeichen: mit den Kerzen und Plakaten zeigten sie ihre Solidarität, ihre Hilflosigkeit, auch ihre Wut – und manches stille Gebet an diesen Orten des Terrors wird getragen gewesen sein von der Hoffnung, sich mit dieser großen Trauer an eine höhere Macht wenden zu können.

Für mich sind es vor allem Psalmgebete, die mir in solchen Not- und Krisenzeiten gegenwärtig sind. Viele von ihnen empfinde ich als fast verstörend, so ehrlich sind sie, so persönlich und so wenig haben sie mit den eher beruhigenden Gebeten in unseren Kirchen zu tun. Denn manche Psalmen erzählen von einer ganz ähnlichen Wut, Verzweiflung und Angst. Da heißt es:

"Mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist fern. Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht (…) Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe (Ps.22,2f,12).

Andere klingen resignativ – als hätten sie keine Hoffnung, als sehen sie keinen Ausweg, keine Zuflucht. Das Gebet, das Gespräch mit Gott wird zur Klage, manchmal sogar Anklage:  

"Ich denke an Gott – und bin betrübt. Ich sinne nach – und mein Herz ist in Ängsten. Meine Augen hältst du, dass sie wachen müssen; ich bin so voll Unruhe, dass ich nicht reden kann". (Ps.77,4f)

Und dann eben bricht auf einmal wieder Vertrauen durch: So betet der gleiche Psalmist:

"Gott, dein Weg ist heilig (…) Du bist der Gott, der Wunder tut, du hast deine Macht bewiesen unter den Völkern".

Die Beter der Psalmen sagen mir: Es ist gut, dass ich mit meiner Wut und in meiner Angst einen Adressaten finde. Und es ist tröstlich, wenn ich mich zum Vertrauen vortasten kann. Es gibt so verschiedene Arten, zu Gott zu beten!

Eines der bekanntesten, sogar zum Lied gewordenen Gebete des letzten Jahrhunderts kommt aus Amerika: Nimm meine Hand, kostbarer Gott", "Take my hand, precious Lord" – gesungen in Zeiten großer Angst und Trauer – gesungen und gebetet mit der Hoffnung, dass Gott aus der Dunkelheit führen kann.  

Gebet statt religiöser Übereifer

Die Bibel weist immer wieder darauf hin, dass es nicht um eine bestimmte Form des Betens geht – sondern um das stetige Bemühen, in Verbindung mit Gott zu bleiben – wie auch immer: in Freude und in Wut, in Angst und im Vertrauen. Oder wie es im Kolosserbrief heißt: "Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung!" Gut zu wissen, dass der Verfasser des Briefes – der Brief ging vor 2.000 Jahren an eine Gemeinde in Griechenland -  keine für Christinnen und Christen schwer zu leistenden Hürden aufbauen wollte. Im Gegenteil: Der Schreiber will die Christen seiner Gemeinde entlasten, indem er die wenigen, aber grundlegenden Erfordernisse christlicher Lebensführung kurz zusammenfasst.  Mit Gott in Verbindung bleiben durch das Gebet – das steht für ihn ganz oben. Darüber hinaus braucht es keine Zeichen oder Taten, die Christen vollbringen müssen, um sich Gott womöglich gewogen zu machen: Keine Beschneidung, kein Verbot für den Genuss bestimmter Speisen oder Getränke.  Auch absichernde Gebete zu Engeln und anderen Mächten, die auch damals schon nicht unüblich waren – all das ist nicht notwendig, sagt der Briefschreiber: Lasst euch keine Angst machen. Euer Gebet reicht! Ringt um diese Verbindung zu Gott, lasst nicht ab, seid beharrlich. Euer Bemühen, eure Gedanken zählen bei Gott. Lasst euch nicht verunsichern. Werdet nicht zu religiösen Perfektionisten und Eiferern, die mit Zeichen und besonderen Taten mehr der eigenen Eitelkeit frönen als der Liebe zu Gott. Konzentriert euch auf das Wesentliche. Und das ist eure innere Verbindung zu Gott, euer Gebet.

Beten ändert die Beterinnen und Beter

Genauer: Das beharrliche Gebet. Der Verfasser des Kolosserbriefes weiß, wie so viele andere Menschen, dass das Gebet leider kein Selbstläufer ist. Gebete, so erlebe auch ich es, verändern in der Regel nicht auf einmal die Situation. Und der Briefschreiber will wohl auch meiner Frustration vorgreifen, indem er appelliert: Hör nicht auf, der Kraft deiner Gebete zu vertrauen, auch wenn dein Gebet nicht so in Erfüllung geht, wie du es dir erwartest. Bete weiter. Zeig Gott und dir selbst damit, dass du an einen Ausweg glaubst. Und ja – es gehört zu meiner Erfahrung, dass mich manches Gebet auch verändert hat.

Betende können neue Wege entdecken, weil man sich betend selbst verändert und weil Gott Menschen verändert, wenn sie beten. Beten verändert das Bewusstsein, den Blick auf die Welt und vielleicht auch das Vertrauen darauf, dass ich mich mit mancher Not und Sorge nicht abfinden muss. Dass es immer wieder eine Wende zum Guten geben kann. Beten gibt auch Kraft die Dinge anzugehen, die ich selber verändern kann.

Beten verändert Menschen. Aber was heißt nun? Ein Mädchen, das betet, ihre Eltern mögen doch heil von der Flugreise zurückkommen. Weil es das Fliegen so unheimlich findet. Und das getrost einschlafen kann, wenn es diese Sorge im Nachtgebet loswerden konnte.

Oder der alte Mann in der Intensivstation. Der Monitor beweist, was seine Angehörigen spüren: Er ist in höchster Unruhe, kann aber nicht sprechen. Kann er überhaupt noch etwas hören? Da nimmt die Tochter seine Hand und betet ruhig und vernehmlich: "Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln". Den ganzen Psalm. Und seine Atmung und der Puls werden auf einmal ganz ruhig und gleichmäßig. Und ich denke mir, wie gut es doch war, als diese Tochter und ihre Generation noch manche Dinge auswendig lernen mussten. Wie gut es ist, in bedrängenden Situationen  sich  die bekannten Worte von einem Lied oder aber vom Vaterunser leihen zu können, wenn die eigenen Worte versagen. Weil diese geformten Worte Menschen mit Menschen und Menschen mit ihren Lebensgeschichten verbinden. Und weil sie von Gott genauso gehört werden, wie die eigenen Worte. Jesus selbst hat das einmal gesagt:

"Wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum macht es nicht wie sie. Denn euer Vater weiß, was ihr nötig habt, bevor ihr ihn bittet." (Mt.6,7f.)

Das Gebet ist gesund für die Seele. Und – in Klammern gesagt – wird immer wieder in medizinischen Studien behauptet, dass das Gebet auch gesund sei für den ganzen Menschen. Regelmäßiges Beten entspannt, fördert die innere Ruhe und Konzentration und stärkt das Immunsystem und die eigenen Heilkräfte.

Beten für andere

Nachvollziehbar sind solche Gedanken für mich, wenngleich sie wohl schwerlich zu beweisen sind. Für den Schreiber des Kolosserbriefes vor fast 2000 Jahren dürfte eine mögliche gesundheitsfördernde Wirkung nicht im Blick gewesen sein. Im Gegenteil: Er lenkt den Blick weg vom Betenden und seiner eigenen Person hin zu Menschen, für die gebetet wird: Im Brief ist zu lesen:  

"Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir vom Geheimnis Christi reden können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin." (Kol 4,2+3)

Der Briefschreiber bringt sich und seine Mitchristen ins Spiel. Das Gebet, der Dank und die Bitte müssen nicht immer nur die eigene Person betreffen. Ich darf auch für andere Menschen bitten und beten. Und manchmal wird man um diese Fürbitte auch gebeten. Wie der Verfasser des Kolosserbriefes, der offensichtlich im Gefängnis sitzt und darauf vertraut: Die Gebete meiner Mitchristen werden mir helfen, dass ich wieder freikomme.

Oder wie jene Frau, die mich in einem Gespräch bittet: "Beten Sie für meine Enkelin!" Und dann erzählt sie, welche Sorgen Sie sich um die junge Frau macht, dass sie keinen Einfluss mehr auf sie hat und dass ihr selbst die Worte für ein Gebet fehlen. Ob sie wirklich daran glaubt, dass ein Gebet ein Familienwunder bewirkt? Oder ob es für sie nicht auch schon gut ist, zu erfahren, dass jemand ihre Sorgen teilt, und einen Teil ihrer Sorgen an Gott weitergibt?

Es gibt so viele Möglichkeiten zu beten

Ich glaube, es kommt tatsächlich nicht so darauf an, wie man betet. Ob öffentlich oder im Stillen. Ob in klassischer Gebetshaltung oder mit einem schnellen Stoßgebet zum Himmel. Das ist meine Erfahrung: Es kommt nicht darauf an, ob man die richtigen Worte findet, gar so geschliffen wie Paul Gerhardt, oder ob es mehr ein unvollständiges Stammeln ist oder ob ich mir andere Worte leihe, wie die des Vaterunsers. Nein, es kommt darauf an, dass ich mit Gott in Verbindung bleibe. Ohne Form und Leistungsdruck. Es gibt kein falsches Gebet. Darauf vertraue ich. Oder in den Worten des Wochenspruchs für die heute beginnende Woche: "Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet" (Psalm 66,20)

 

Evangelische Morgenfeier vom 06.05.2018 (Rogate) mit Dekan Axel Piper, Weilheim, Thema: Es gibt so viele Möglichkeiten zu Beten

Das PDF mit dem vollständigen Text kann beim BR heruntergeladen werden unter diesem Link.

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