5.12.2018
Spiritueller Impuls

Buddhas achtfacher Pfad ins Nirwana

Verwandlung vom Krieger zum Glaubenslehrer: Siddhartha Gautama begründete 400 v. Chr. den Buddhismus. Überwindung von Leid, Mitempfinden mit allen Geschöpfen, Selbstverantwortung sind zentrale Elemente der fernöstlichen Religion - ebenso wie die Achtsamkeitsmeditation, die auch im Westen immer populärer wird. Die evangelische Theologin und Zenlehrerin Doris Zölls schreibt über ein Wort Buddhas.
quellentext Buddha

Wohl alle Menschen sehnen sich in ihrem Leben nach Sicherheiten. Wir haben Angst, dem Leben hilflos ausgeliefert zu sein. Solange es uns gut geht, glauben wir, wir hätten alles in der Hand.

Doch sobald uns das Leben mit seinen Schattenseiten begegnet, kann uns bewusst werden, wie wenig wir wirklich handhaben können. Die Zukunft bleibt uns verborgen. Dennoch streben wir danach, gute Entscheidungen zu fällen, die richtigen Schritte zu machen. Meist überlegen wir dabei hin und her, um ja keinen Punkt außer Acht zu lassen.

Das allumfassende Sein als Zuflucht des Lebens

Wie schön wäre es da, "eine Leuchte" zu haben, die uns unser Leben ins Licht setzt, und eine "Zuflucht", wohin wir uns in schwierigen Situationen zurückziehen könnten. Ānanda, Buddhas Schüler, fragt nach diesen beiden, und Buddha verweist ihn direkt auf ihn selbst zurück:

So sucht denn, Ānanda, hienieden Leuchte und Zuflucht in euch selbst, nirgends sonst,
und sucht in der Lehre der Wahrheit Leuchte und Zuflucht, nirgends sonst.

Buddha sagt: "Du findest nirgendwo im Außen deine Richtung und deinen Halt. Sie liegen in deinem wahren Selbst." Doch meint er mit dem Selbst nicht unsere Vorstellungen und Wünsche, sondern das alles umfassende Sein, das auch das Nichtsein umfasst.

Den Fluss sehen, nicht die Wellen

Dieses Leben kann ich nicht beschreiben, ich kann es nicht festhalten, es ist in jedem Moment anders. Es ist einem Fluss gleich, der immer derselbe ist, jedoch in keinem Moment der gleiche.

Wir Menschen sind ebenso ein Ausdruck dieses wahren Selbst. Doch in den seltensten Momenten sind wir uns dessen bewusst. Wir erleben uns meist als eine mehr oder weniger vergängliche Form, getrennt von anderen Formen des Lebens. Selten erkennen wir unser wahres Selbst, wie eine Dame, die nach ihrem Collier sucht und nicht bemerkt, dass sie es trägt.

Dieses wahre Selbst ist immer nur in dem Augenblick zu erfahren, in dem wir ganz das sind, was wir sind und tun, was wir gerade tun – ohne Kommentar, Urteil oder Bewertung. Sobald sich nur ein Hauch von einem Gedanke auf das unmittelbare Sosein legt, sehen wir die Bilder des Selbst, nicht jedoch das Selbst, wie die Wellen des Flusses, und nicht den Fluss selbst.

Wir sind unser Denken über das Leben und erleben das Leben nicht, das uns trägt. Sind wir uns jedoch unseres wahren Selbst bewusst, ist dieses, so sagt Buddha,

unsere Leuchte und unsere Zuflucht.

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