15.08.2018
Spiritueller Impuls

Freundin Gottes: Teresa von Ávila und die Liebe

Sie ist die inoffizielle Schutzheilige Spaniens und wurde 1979 zur ersten Kirchenlehrerin der Katholiken ernannt, dabei war Teresa von Ávila (1515-1582) zu Lebzeiten alles Heilige fremd: Jesus war ihr Freund, die Liebe ihr Kompass. Für Schwester Johanna vom Karmelorden in Dachau ist ihre Ordensmutter eine Pfad-Finderin zur Erkundung der eigenen Seelenräume.
Quellentext Teresa von Avila

Mein Leben als Christ sehe ich als geistlichen Weg. So wie man einen Weg auf einer Wanderung zurücklegt, der durch verschiedene Landschaften führt, so verläuft auch mein spirituelles Leben. Im Laufe der Zeit wandle ich mich, durchlaufe Stationen, durchschreite Passagen. Teresa gibt uns für diesen Weg eine Empfehlung:

Ich möchte,
dass ihr nur dieses eine begreift:
Es geht auf diesem geistlichen Wege
nicht darum, viel zu denken,
sondern viel zu leben.
Was am meisten Liebe
in euch weckt, das tut.

Das Bild des Weges im geistlichen Sinn wählt Teresa in vielen ihrer Bücher. Sie ist einen bewussten Weg in die Innenräume der Seele gegangen. Wir können sie als Pfad-Finderin für die Erkundung unserer Innenräume ansehen.

Teresa spricht aus eigener Erfahrung mit dem Gebet, dass es für das Vorankommen im geistlichen Leben am besten ist, die Liebe in sich zur Entfaltung zu bringen. Liebe weckt wieder Liebe – dieser Grundsatz gilt für Teresa vor allem für die Beziehung des Menschen zu Gott.

Der Mensch, der sich von Gott beschenkt und angenommen empfindet, der wird immer mehr zum Beschenkten. Er findet keinen Gefallen daran, Gott durch »Leistung« irgendwelcher Art zu beeindrucken. Viel zu denken, zu differenzieren und zu kategorisieren wird da überflüssig, wo sich der liebende Geist auf Gott als liebendes Gegenüber, als gegenwärtiges DU ausrichtet.

Das, was für Teresa für das Gebet gilt, das gilt auch im zwischenmenschlichen Bereich: Liebe und aktives Tun gehören zusammen wie ein Paar Schuhe. Hat man beide an und »passen« sie, dann kann man gut ausschreiten, findet seinen Weg auch im unwegsamen Gelände, in den Widrigkeiten des Alltags. Man kann elegant die Pfütze umgehen – oder mit Wonne in sie hineinspringen

wie ein kleines Kind.

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