7.11.2018
Spiritueller Impuls

Mit den Herrnhuter Losungen durch den Tag

Persönliche Glaubenserfahrung anstelle dogmatischer Konzepte: Das war das Ziel von Nikolaus Graf von Zinzendorf, einem der bekanntesten Vertreter des Pietismus. 1727 gründete er die "Herrnhuter Brüdergemeine", deren Name noch heute durch zwei Exportschlager weltbekannt ist. Herrnhuter Sterne leuchten gerade in der Adventszeit in vielen Häusern; und die Herrnhuter Losungen begleiten fast eine Million Menschen mit ihren Bibelversen durchs Jahr. Maike Schmauss gibt Tipps für ihren Gebrauch.
Herrnhuter Sterne

 

EIN WEGWEISER DURCH DEN ALLTAG, ein Begleiter auf dem Glaubensweg – das sind die jährlich erscheinenden Herrnhuter Losungen. Sie enthalten für jeden Tag eine in der Herrnhuter Brüdergemeine ausgeloste Bibelstelle aus dem Alten Testament, die ergänzt wird durch einen dazu passend ausgesuchten neutestamentlichen Bibelvers und eine Liedstrophe oder ein Gebet. Außerdem werden zwei Bibeltextstellen für eine tägliche Bibellese angeboten.

MIT DEN IMPULSEN EINER TAGESLOSUNG könnte man einen ganzen Tag zubringen, und tatsächlich wäre es eine gute Idee, sich einmal einen solchen Besinnungstag zu gönnen. Aber für das treue tägliche Dranbleiben genügt ein Impuls, eine kleine geistliche Übung. Das kann immer die gleiche sein, das kann aber auch – je nach Text und innerer Gestimmtheit – variieren.

WENN ICH DIE LOSUNGEN regelmäßig mit hineinnehmen möchte in meinen Alltag, ist es gut, einige Grundregeln zu beachten:

1. Ich suche einen festen Platz für das Losungsheft, lege vielleicht ein kleines Symbol dazu – einen Stein, ein Kreuz, eine Kerze oder eine Karte mit dem Text der Jahreslosung.

2. Ich überlege mir eine feste Zeit, wann ich die Losung lese – am besten irgendwann morgens, damit sie mich den Tag hindurch begleitet.

3. Ich nehme mir eine kleine Übung vor, mit der ich das Losungswort verinnerliche.

Dazu einige Vorschläge:

+ Einige Minuten lang bete ich das Wort im Rhythmus meines Atems. Das kann ich während des Tages ein paarmal wiederholen. Oder ich gehe mit dem Wort im Rhythmus meiner Schritte. Dabei denke ich nicht darüber nach. Nicht ich mache etwas mit dem Wort, das Wort macht etwas mit mir.

+ Ich nehme die spontanen Gefühle wahr, die der Text in mir auslöst: Widerstand, Zustimmung, Zweifel, Freude … und notiere sie am Rand durch Symbole: !  ? + – *  … 

+ Ich überlege mir für heute eine Möglichkeit der praktischen Umsetzung.

+ Ich verbinde die Tageslosung mit der Jahreslosung, dem Monatsspruch oder dem Wochenspruch. So fällt ein neues Licht auf den Text.

+ Ich wähle ein Wort aus der Losung aus, z. B. "danken", und achte darauf, wo und in welcher Form es heute in meinem Leben vorkommt.

IN DEN LOSUNGEN HABE ICH nicht nur einen treuen geistlichen Begleiter, sondern weiß mich auch verbunden mit weit über einer Million Menschen in aller Welt.

 

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