21.11.2018
Spiritueller Impuls

Pierre Teilhard de Chardin entdeckte die Mystik der Evolution

Ist der Mensch die Krone der Schöpfung, der Endpunkt der Evolution? Die Antwort war für den Jesuiten und Naturforscher Pierre Teilhard de Chardin ein klares Nein. Der spirituelle Weg zum Wesenskern des Universums war für ihn die nächste Stufe der Evolution.
Quellentext Teilhard de Chardin

Dies ist für uns auf Erden der nächste und innigste Ausdruck des Mysteriums Jesu:

Um die strahlende Sonne der Liebe, die gekommen ist, die Welt zu erleuchten, breitet sich ein "Hof" ins Unendliche, selten bemerkt, und ist doch der Sitz des umhüllenden und einigenden Wirkens des inkarnierten Wortes.

Alles, was ich geschrieben habe – hier und andersweitig –, gründet auf der Wahrnehmung oder trachtet nach der Kundmachung dieses aktiven Lichtes, das, von Jesus ausgehend, uns durchdringt.

(Teilhard de Chardin, Forma Christi, Frühe Schriften).

DIE SONNE DER LIEBE: Jesus ist in unsere Welt gekommen und in sie hinein gestorben. So hat er sie in sein Bewusstsein aufgenommen und vor Gott, seinen Vater, gebracht. Indem dieser Jesus auferweckte, gab er ihm Macht, die Welt mit seiner Liebe  zu durchwirken und mit seiner Schöpferkraft zu beleben. Der Evangelist Johannes beschreibt dies mit dem Bild Jesu am Kreuz: Wir schauen auf zu dem, den sie durchbohrt haben. Aus seiner Seite floss Blut (Symbol der Liebe) und Wasser (Symbol der Schöpferkraft).

DER HOF: Wir legen unsere Situation vor Jesus, so wie er die Welt vor Gott brachte. Dabei erleben wir, wie sich unser Bewusstsein öffnet, dieser oder jener Mensch uns verständlicher wird. Uns wie den Jüngern von Emmaus ein Problem sich löst; oder uns in der Verwirrung das richtige Buch in die Hände kommt. Auch können wir unser Leben besser verstehen, indem wir unser Erwachen des Bewusstseins und seine Entfaltung mit all seinen Zufällen und Fährnissen seit unserer Jugend im Lichte Jesu betrachten.

SO SCHREIBT TEILHARD: "Es war in den Jahren meines Theologiestudiums (als er sich auch mit der Evolutionslehre des Lebens befasste), als in mir das Bewusstsein einer tiefen, ontologischen, totalen Drift des Universums um mich herum zu wachsen begann, bis es meinen inneren Himmel ganz und gar erfüllte."

DER INNERE HIMMEL war für ihn die Gegenwart Jesu, wie er sie in der biblischen Eucharistie wahrnahm, in deren lichtvoller Gegenwart diese driftende Grundbewegung allen Lebens sich entfaltet. So gab er Jesus den Namen kosmischer Christus, weil er mit seiner Gegenwart in den ganzen Kosmos strahlt,

wie die Sonne in ihren Hof.

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