14.07.2018
Historischer Rückblick

Die Geschichte der Autobahnkirchen in Deutschland

Autobahnkirchen sind eine deutsche Erfindung - in anderen Ländern sind sie weitgehend unbekannt. 1958 wurde bei Adelsried an der A 8 zwischen München und Stuttgart die erste explizit als Autobahnkirche ausgewiesene Kirche "Maria, Schutz der Reisenden" erbaut. Inzwischen gibt es 44 Autobahnkirchen, drei davon in Niedersachsen. Seit den 1980er Jahren koordiniert und fördert die Akademie der Versicherer im Raum der Kirchen in Kassel den Ausbau des deutschen Autobahnkirchennetzes.
Autobahnkirche Waidhaus
Die Autobahnkirche Waidhaus steht an der Grenze zwischen Tschechien und Bayern.

Autobahnkapelle Dammer Berge ist ökumenisch

Die Autobahnkapelle Dammer Berge an der A 1 bei Osnabrück war den Angaben zufolge 1970 die erste ökumenische Autobahnkirche. Als einmalig gelten auch die beiden Kirchen an der A 7 in Grasdorf bei Salzgitter: Im Abstand von etwa 300 Metern stehen Reisenden die Türen von je einer evangelischen und einer katholischen Kirche offen.

Bundesweit laden 19 evangelische, acht katholische und 17 ökumenische Autobahnkirchen ein. Einheitliche Standards für die Gestaltung und theologische Ausrichtung gibt es nicht. Meistens handelt es sich um niedrigschwellige religiöse Angebote. So dient das Gros der deutschen Autobahnkirchen und -kapellen vor allem als Raum der Stille und des individuellen Gebets. Es gibt aber mancherorts auch regelmäßige Gottesdienste.

Ruhe und Besinnung an der Autobahn

Die Idee von Orten der Ruhe und Besinnung entlang von Reiserouten ist hingegen keine der deutschen Nachkriegsgeschichte. Wanderern und Pilgern wurden bereits im Mittelalter Andachtsmöglichkeiten in Form von Kapellen und Kreuzen am Wegesrand angeboten. In dieser Tradition sehen sich auch die Autobahnkirchen: Als Gegenpol zu der fortwährend schnelllebigeren Zeit wollen sie Orte sein, an denen Menschen auf der Suche nach Gott oder sich selbst Ruhe und Besinnung finden.

Die meisten der bundesweit 44 Autobahnkirchen gibt es in den südlichen und westlichen alten Bundesländern, in Bayern sind es allein sieben. Der Norden Deutschlands ist ein weitgehend Autobahnkirchen-freier Raum, im nördlichen Niedersachsen, in Schleswig-Holstein, Bremen und Hamburg gibt es kein einziges explizit als solches ausgewiesenes Gotteshaus. Nur in Mecklenburg-Vorpommern an der A 19 zwischen Berlin und Rostock in Kavelstorf liegt eine evangelische Autobahn- und Gemeindekirche.

Autobahnkirchen-Pfarrer kümmern sich um Reisende

Welche Voraussetzungen eine neu zu bauende oder auch bestehende Kirche erfüllen muss, um sich Autobahnkirche nennen zu dürfen, hat die Konferenz der Autobahnkirchenpfarrer festgelegt. Demzufolge muss sie eine direkte Autobahn-Anbindung haben, entweder an einer Raststätte oder Abfahrt. Die Entfernung von der Abfahrt darf nicht mehr als 1.000 Meter betragen. Außerdem sollte die Entfernung zwischen zwei Kirchen an einer Autobahn mindestens 80 Kilometer groß sein.

Zudem müssen Parkplätze und sanitäre Anlagen vorhanden sein, und der Träger - meist sind dies Vereine oder Stiftungen - muss bereit sein, tägliche Mindestöffnungszeiten von 8 bis 20 Uhr zu gewährleisten. Die Kosten für Energie und Reinigung hat der Träger zu übernehmen. Der Innenraum der Kirchen oder Kapellen sollte überdies so groß sein, dass er auch von Bus-Reisegruppen gemeinsam besucht werden kann. Die Auszeichnung als Autobahnkirche erfolgt stets auf Dauer.

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