25.08.2013
Spirituell wandern

Warum Bewegung und Spiritualität zusammenpassen

Sich bewegen und dabei Gott begegnen - für die Theologen Ulrike und Christian Dittmar aus Grafrath wird der Spaziergang zur spirituellen Erfahrung. In ihrem gemeinsamen Buch geben sie Tipps, wie das geht.

Für Kinder ist der Sonntagsspaziergang der Eltern wohl eine der sinnlosesten Beschäftigungen, die sie kennen. »Bitte nicht schon wieder ein Spaziergang!« Mit diesen Worten ihrer Tochter entstand bei Ulrike und Christian Dittmar die Idee zum Buch über das Spirituelle Wandern. »Es gibt offensichtlich unter den meisten Erwachsenen ein stilles Einverständnis, dass ein gemeinsamer Spaziergang etwas Gutes ist«, schreiben die Dittmars in ihrer Einleitung zu den »Spirituellen Wanderungen«.

Mit ihrem Buch wollten sie diesem Phänomen auf die Spur gehen, den Sinn des Spazierengehens ergründen. »Für mich hat Spiritualität immer auch etwas mit Bewegung zu tun«, erklärt Ulrike Dittmar. »Es ist eine geistliche Übung. Wir gehen immer mit der Hoffnung, dass dabei etwas geschieht«, so Dittmar. »Vielleicht mit den Augen beten«, nennt es der Publizist und Friedensethiker Franz Alt im Vorwort.

Dossier

Spiritualität und Mystik

In unserem Dossier zum Thema »Spiritualität« finden Sie Artikel rund um die christliche Frömmigkeitspraxis. Dazu gehören Mystik, Pilgern und Meditation, spirituelle Impulse und neue Formen der Gottesbegegnung. Hier geht es zum Dossier.

Mit den Theologen Ulrike und Christian Dittmar aus Grafrath wird der Spaziergang zur geistlichen Übung.

»Bewegung und Spiritualität sind in allen Religionen verwurzelt«

In ihrem Buch weisen die Theologen auf die körperlichen Phänomene hin, die Spaziergänger beim Gehen beobachten können. Wie fühlen sich Licht und Regen an? Wie geht's dem kleinen Ohrläppchen oder dem großen Zeh? Was wird aus dem unter den Füßen knisternden Laub? Welchen Rhythmus hat der Atem? Was spüre ich in den Fußsohlen? Wie finde ich den besten Stand? Mit einem biblischen Vers, einer Geschichte oder einem Psalm schlagen sie den Bogen von der »Beobachtung am Weg« zu der religiösen Tradition. »Bewegung und Spiritualität sind in allen Religionen verwurzelt - wir bekennen uns aber zu unserer christlichen Tradition«, erklärt Christian Dittmar.

Lange bevor das Pilgern in Deutschland zum Trend wurde, hatte sich das evangelische Pfarrer-Ehepaar bereits damit beschäftigt, welchen Einfluss die Bewegung auf die Seele hat. Vor ihrer Zeit als Gemeindepfarrer in Grafrath arbeiteten die Dittmars von 2000 bis 2007 als Seelsorger in den Reha-Kliniken in Bad Wiessee und Oberammergau.

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»Man braucht dafür keine Übung«

»Wir machten als Reha-Seelsorger die Erfahrung, dass uns gute Gespräche gelangen, wenn wir mit den Menschen gemeinsam einen Weg gingen.« Aus den Erkenntnissen der Erlebnispädagogik und der Psychomotorik entwickelten die Dittmars ihr Konzept des Spirituellen Gehens. Sowohl Ulrike als auch Christian Dittmar nutzten dabei ihr Wissen aus der Zusatzausbildung als Psychomotoriker, die damals vorwiegend in der Arbeit mit hyperaktiven Kindern eingesetzt wurden.

Im Unterschied zum Pilgern ist das Spirituelle Gehen jedoch nicht auf eine bestimmte Strecke ausgelegt. »Man braucht dafür keine Übung«, erklärt Ulrike Dittmar. »Jeder hat ja automatisch einen Rhythmus aus Atem, Bewegung und Haltung.« Selbst für Menschen mit Gehbehinderung seien Formen der Spirituellen Bewegung möglich. Auch für die schwierigste Zielgruppe, die Kinder, haben die Dittmars einen Weg des Spirituellen Gehens gefunden: Auf Baumstämmen balancieren - das macht Erwachsenen und Kindern Spaß.«

Buch-Tipp

Wortvergnügen CoverSpirituelle Wanderungen - Ein Pilger- und Meditationsbegleiter, 157 Seiten, Wortvergnügen-Verlag (2013), 16,80 Euro.

 

 

 

 

 

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